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Die Passage

Ich hätte fast meine Yacht verloren

18. Mai 2024. Erste Passage. Der Motor hielt die Drehzahl. AIS meldete herannahende Schiffe. Im Garmin inReach leuchteten die Wegpunkte, benannt nach den Kennungen der Tonnen. Praktisch. Sein Kompass zeigte außerdem die Kursabweichung an, mit der sich der Autopilot bis auf ein Grad genau einstellen lässt. 5,5 Knoten Fahrt. Das Antifouling wirkt. Nur meine Windjacke reichte für die 16 Knoten laut Windmesser nicht aus.

Auf Höhe der Bootstankstelle in Travemünde wollte ich die Dieselkanister auffüllen. Wegen des Windes klappte das Anlegen erst beim zweiten Anlauf. Die Heckleine belegte ich nach RYA-Technik mit der OXO-Methode und warf sie einem Helfer an Land zu, mit der Bugleine und dem Bootshaken ging ich nach vorn aufs Vordeck. Der Wind drückte den Bug weg. Ich streckte mich mit dem Haken nach der Klampe an Land…

Im nächsten Augenblick war alles um mich herum smaragdschwarz. Ich hörte ein kurzes Knacken und Zischen. Die Rettungsweste hatte ausgelöst. Meine Brille versank. Für sie hatte ich jetzt keinen Kopf. In der einen Hand der Bootshaken, in der anderen die aufgeschossene Leine (coil).

Die Yacht trieb ab. Ich hatte ein paar Sekunden, um sie mit dem Haken zu erwischen, aber er rutschte ab. Die Heckleine hatte sich gelöst. Das Boot trieb davon. Meine Augen suchten nach einer Leiter, um an Land zu kommen. Etwa 10 Meter zu schwimmen. Anscheinend hatten sich dort Leute versammelt, und das Wasser hatte +10 °C, aber weder das eine noch das andere habe ich wahrgenommen.

Zum Glück war der Wind auflandig. Das Boot stieß 50 Meter weiter mit dem Rumpf gegen eine stählerne Fähre und scheuerte in den Wellen weiter an deren scharfkantiger Plattform. Ich band die Festmacher neu und zog die Yacht zu den Zapfsäulen.

Zeit, Schuhe, Hose und Rettungsweste zu wechseln. 29 Liter Diesel kosteten 67 €. Der Inhaber erzählte, das sei reinster Erdöldiesel, dem Bakterien nichts anhaben können. Mir jedenfalls reichten die Abenteuer für diesen Tag.

Was ich falsch gemacht habe:
• Ich bin ohne das inReach im Wasser gelandet. Es hätte an mir angeleint sein müssen
• Die 3-Punkte-Regel vergessen
• Keinen Sicherheitsgurt mit Sorgleine benutzt (life- / safety- line)
• Als Einhandskipper bereitest du die Festmacher besser schon vor dem Ablegen vor. Die Bugleinen am besten gleich bis ins Cockpit führen
• Die Fender gehören an die Bordwand, nicht ans Heck gebunden
• Ein kompletter Satz Wechselkleidung und eine Ersatzrettungsweste gehören an Bord

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#Passage
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