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Schon wieder zum Tanksteg
Am 6. September 2026 wartete ich bis zwei Uhr nachmittags – dann sollten die Böen laut Vorhersage auf 25 Knoten nachlassen – und lief aus Klintholm aus. Beim Starten stieß der Motor eine riesige weiße Wolke aus.
Unter voller Genua hielt sich die Geschwindigkeit bei etwa 4,5 Knoten. Aber der Wind begann ungünstig zu drehen, und ungefähr die halbe Strecke, rund vier Stunden, lief ich mit Motorunterstützung bei 1400 U/min.
Dass ich den Motor so früh anwerfen musste, machte mich schon nervös. Für die Nacht war eine leichte Brise von vorn angesagt, gegen die ich unter Motor hätte laufen müssen. Ich beschloss, einen Zwischenstopp in Gedser einzulegen, und war gegen Mitternacht dort.
Am Tanksteg lag schon ein Boot, die Leute darauf schliefen. Erst ärgerte ich mich, dann fiel mir ein, dass ich in Klintholm genau dasselbe gemacht hatte. Ich ging bei ihnen längsseits ins Päckchen, zog den Zapfschlauch hinüber und tankte 6,5 Liter nach. Der Verbrauch bei niedriger Drehzahl scheint schon besser zu sein.
Bis zum Morgen versprach die Vorhersage Flaute. Ich beschloss, fünf Stunden zu schlafen. Am 7. September legte ich um 6:30 Uhr ab.
Tempo oder Komfort
Für die 39 Meilen bis Heiligenhafen brauchte ich zehn Stunden. So hoch am Wind wie möglich, den größten Teil der Strecke mit Motorunterstützung. Mein Eindruck: Das Tempo der Rassvet habe ich gegen den Komfort der Aurora eingetauscht.
Bei ein bis anderthalb Metern Welle hob und senkte es mich sanft, wie in der Dünung. Die Rassvet wäre bei diesem Seegang mit dem Rumpf aufgeschlagen und herumgesprungen.
Selbst bei 20 Knoten Wind und voll ausgerollter Genua lag die Krängung stabil bei höchstens 20 Grad. Auf der Rassvet hätte ich etwa 30 Grad erwartet, mit ständigem Pendeln um weitere fünf Grad nach jeder Seite. Dort hätte ich ernsthaft überlegt, die Genua zu verkleinern. Hier kam mir der Gedanke gar nicht. Eher schien es, als fehle Segelfläche.
Die Rassvet machte bei diesem Wind 5,5–6,5 Knoten allein unter der 140-%-Genua. Deshalb habe ich das Großsegel nicht besonders oft gesetzt. Boote und Segel sind ähnlich groß. Auf der Aurora freute ich mich schon, wenn das GPS wenigstens 4,8 anzeigte. Gefühlt habe ich bis zu anderthalb Knoten verloren. Das ist viel zu viel. Ich hoffe, das Boot ist einfach bewachsen. Das Auskranen im Herbst wird es zeigen. Das Großsegel muss ich erst noch ausprobieren.
Zwei Ruder
Die Pinne wirkt weniger direkt, dafür hält das Boot besser Kurs. Der elektrische Pinnenpilot hält sie lange in Mittelstellung und korrigiert nur ein wenig. Aber in kurzer Welle von vorn, wenn das Boot vom Kurs gedrückt wird, fängt er an zu schwächeln und kommt nicht mehr hinterher. Die Aurora reagiert träge auf das Ruder.
Gefühlt fehlt dem Pinnenpiloten auch noch Hub. Ich muss mich mal mit dem Maßband hinsetzen und die Montage prüfen. Wenn zum Kurshalten ein dauerhafter Ruderwinkel nötig ist, tut er sich schwer. Ich vermute, es liegt auch an der Segelbalance: Ich segle nur unter der großen Genua.
Aber die Aurora hat einen kleinen Trick parat. Die Windfahnensteuerung hat ein eigenes Ruderblatt. Ich fixiere es in einem leichten Winkel, und die eigentliche Pinne kehrt in die Mittelstellung zurück. Das macht es dem elektrischen Pinnenpiloten leichter. Das System aus zwei Rudern funktioniert sehr gut.
Drei Anläufe
Nach einer Arbeitswoche in Heiligenhafen blieb die Passage nach Kiel, noch einmal rund 40 Meilen. Zuerst habe ich getankt. Inzwischen hatte ich den Eindruck, dass ich die Aurora in jeder Marina betanke, nur um nicht ohne Diesel dazustehen.
Ich wollte endlich das Großsegel setzen, entdeckte aber den gebrochenen Endstopper am Großschot-Traveller. Also wieder allein unter Genua. Zu Beginn der Passage kam ich auf 5,5 Knoten und freute mich unbändig.
Bei Putlos kam ein Kriegsschiff auf meine Höhe und forderte mich per Lautsprecher auf, nach Norden abzudrehen: Bis 12:30 Uhr liefen Schießübungen. Etwa auf halber Strecke schlief der Wind ein. Also wieder den Motor an.
In Kiel nahm mich Grigori in Empfang. Und das war gut so: In die Box zwischen den Pfählen kam ich weder beim ersten noch beim zweiten noch beim dritten Versuch. Der Drehkreis reichte nicht, und der schwache Seitenwind hatte das Boot inzwischen schon selbst am Steg festgemacht. Die Rassvet konnte sich auf der Stelle drehen wie eine Ballerina. Ich muss mich daran gewöhnen. Im Moment fürchte ich auf der Aurora nichts so sehr wie das Anlegen.
Grischa versicherte mir, es sei gar nicht so schlimm. Er wies auf die große Trägheit des Bootes hin und bemerkte: Sobald ich zum Bug schaue, nehme ich Ruder weg. Er scherzte, der Nerv vom Kopf zur Hand sei kurz und ziehe die Hand dem Kopf hinterher. Für den Hinweis bin ich dankbar. Ich hoffe, das ist wirklich der Grund. Ich werde üben.
#Passage