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Meine Marina liegt an der Trave zwischen Lübeck und Travemünde, 7 Seemeilen von der Lübecker Bucht entfernt. Ein Fluss mit regem Schiffsverkehr, auf dem regelmäßig Frachter und riesige Fähren unterwegs sind. Er ist etwa 100 m breit, aber entlang der Fahrrinne (stream bed) liegen Seitenbecken (backwater) von 500 m Breite und mehr, in denen man gut ankern kann. In einem davon liegt auch die Marina. Der Wind weht entlang des Flusses entweder von vorn oder von achtern.
Unter Motor ging es bis in die Bucht. Die Wellen waren etwa einen halben Meter hoch. Hinter den Lateraltonnen schaltete ich den Autopiloten ein und rollte die Fock aus. Da war die Reffleine (furler line) plötzlich weg. Ich suchte sie und ließ den Blick über die Leitösen (fairlead) an den Relingsstützen (stanchion) wandern. Die Leine schaute nur noch als kurzes Schwänzchen 20 cm aus der Trommel. Wahrscheinlich hatte ich sie beim Anschlagen der Fock im Mai verdreht. Ohne sie lässt sich das Segel nicht wieder einrollen. Mit dem Ausatmen kam mir ein resigniertes „…eiße“ über die Lippen.
Ich fierte die Schoten, hakte mich mit der Sorgleine (lifeline) am Strecktau (jackstay/safety line) ein und ging nach vorn aufs Vordeck. Die Wellen warfen mich ein paar Zentimeter in die Luft. Ich musste an der Leine ziehen, bis sie ganz heraus war. Dadurch wickelten sich die Schoten (sheets) etwa 8 Mal um das Segel. Auf den Knien band ich sie erst los und schlug sie dann neu an. Danach führte ich die Leine durch die Leitösen zurück ins Cockpit.
Als das Segel wieder stand, machte der Autopilot Ärger. Er konnte den Kurs nicht halten. Also in der einen Hand die Pinne (tiller), in der anderen die Fockschot. So segelte ich etwa eine Stunde und beschloss, einfach bis zur Marina so weiterzumachen.
Der Wind kam von achtern. Manchmal füllten Böen das Segel, und ich kam auf 4 Knoten. Manchmal holte mich die Flaute ein. Der Rückweg dauerte 3,5 Stunden. Aber was für welche! Ein unglaublich schöner Sonnenuntergang, der in eine Dämmerung voller Lichter von Tonnen und vorbeifahrenden Booten überging. Eine echte ästhetische Sinfonie.
Track hier.
#Passage