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Die Passage

Aurora. Teil 2. Der erste Schlag: Begeisterung und Panik

Aurora. Teil 2. Der erste Schlag: Begeisterung und Panik

Zehn Zentimeter bis zum Auslaufen


Am 29. August 2026 kam ich zur Aurora. Mein erster Besuch nach dem Kauf. Die Vorhersage ließ wenig Spielraum: bald auslaufen oder warten. Ich beschloss, zuerst das Boot klarzumachen.

Der nächste Tag ging drauf für Auspacken, Putzen, Einkaufen, den Tausch des GPSMAP 521s gegen einen ECHOMAP Plus 72sv und den Einbau von AIS. Letzteres ist besonders wichtig: Mit AIS behalte ich beim Queren eines Verkehrstrennungsgebiets die Schiffe leichter im Blick.

Am 31. August wollte ich in die Nacht hinein auslaufen und die 80 Meilen bis Gedser schaffen, solange das Wetterfenster noch einen Tag offen war. Doch im letzten Moment stellte ich fest, dass der Schubstange des Pinnenpiloten etwa 10 cm fehlen. Mit einer gefalteten Serviette schätzte ich die Abstände ab: Nach Backbord bekommt er das Boot praktisch nicht gedreht. Auslaufen abgesagt.

Zum Glück war ich in einer großen Stadt. Am nächsten Tag fand ich eine Verlängerung. Für ein zehn Zentimeter langes Edelstahlröhrchen mit Gewinde habe ich 50 € bezahlt. Alles, wo „Yacht“ draufsteht, wird automatisch teuer. Eingebaut und sofort los.

Eigentlich schmaler, gefühlt breiter

Am 1. September lief ich um 15:15 Uhr aus, um 23:45 Uhr machte ich in Klintholm fest. 45 Meilen in achteinhalb Stunden.

Ablegen und Anlegen fühlten sich recht entspannt an. Ich hatte mit einem viel schlechteren Manövrierverhalten gerechnet.

Den größten Teil der Strecke gab es kaum Welle, deshalb lässt sich der Einfluss des Langkiels noch schwer beurteilen. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Boot nicht springt, sondern das Wasser schneidet. Die Passage verlief sehr sanft. Am Wind stieg der scheinbare Wind bis auf 24 Knoten. Ich segelte mit voller Genua und hatte überhaupt keine Lust zu reffen.

Zur Unterstützung der Segel schaltete ich den Yanmar 3GM30 dazu und hielt ihn bei etwa 2200 U/min. Die Angst, das Boot könnte langsam sein, bestätigte sich nicht: Ich war nicht langsamer als mit der RASSVET.

Im Cockpit ist jede Menge Platz. Ich habe mich noch nie so frei bewegen können. Eigentlich ist das Boot schmaler, aber es fühlt sich breiter an. Auch im Salon ist es äußerst bequem. An der Uhr stellte ich einen Intervall-Timer auf 20 Minuten. Wenn er klingelte, sah ich mich um und ging nach unten zum Essen.

Wie viel Diesel noch da ist

In Vor- und Rücklauf sitzen T-Stücke, dazwischen ein durchsichtiger Schlauch. Am Füllstand darin versuchte ich abzulesen, wie voll der Tank ist.

Den Verbrauch kannte ich noch nicht, also schaute ich regelmäßig auf den Schlauch. In Krängung zeigte er sonst was an, aber der Diesel schien viel schneller zu verschwinden als gewohnt. Nach ersten Schätzungen etwa 15 Liter in acht Stunden. Fast zwei Liter pro Stunde gegenüber einem auf der RASSVET. Bei diesem Verbrauch reicht selbst der volle 40-Liter-Tank keinen Tag unter Motor.

Ein paar Meilen vor Klintholm stand im Schlauch nur noch eine Dieselsäule von 1–2 cm. Und ausgerechnet jetzt drehte der Wind auf die Nase. Ich musste nachts gegen meterhohe Welle aufkreuzen.

Im Kopf spielte ich die Möglichkeiten durch. Wenn der Motor ausgeht, muss ich unter Segeln einlaufen. Aber ohne genug Fahrt kann mich die Welle auf die Steine werfen. Vielleicht brauche ich die Seenotretter. Das Funkgerät ist noch nicht eingebaut, also würde ich mit dem Handy die 112 anrufen.

Während ich noch grübelte, lief ich in die Marina ein und machte längsseits an der Tankstelle fest.

Wie stellt man das Ding ab?

Blieb nur noch, den Motor abzustellen. Auf der RASSVET reichte es, den Schlüssel umzudrehen. Hier schaltete der Schlüssel das Instrumentenpanel aus, aber der Motor lief weiter.

Hektisch suchte ich nach Hebeln und Knöpfen. In der Backskiste neben dem Dieseltank fand ich einen Griff. Ich zog ihn hoch. Der Motor ging aus.

Ich tankte 25 Liter und rechnete mir aus, dass der Tank noch fast halb voll gewesen war. Den Schreck schob ich auf die Schlauchanzeige in Krängung. Eine Erfahrung, die man nicht vergisst.

Die Aurora kommt mir bisher wie ein Boot mit Charakter vor. Oder mit „Eigenheiten“. Aber mit jedem Tag begeistert sie mich mehr.

Genug Abenteuer für heute. Ich beschloss, bis sechs Uhr morgens an der Dieseltankstelle zu übernachten, in der Hoffnung, dass mitten in der Nacht niemand dringend tanken muss.

#Passage
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