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Die Passage

Reise durchs Skagerrak. Teil 18. Nach Hause

26. Juli 2026.

In Bogø versuchten wir dreimal anzulegen. An jedem Platz zeigte das Echolot etwa 1,8 Meter. Zwanzig Zentimeter unter dem Kiel wollte ich nicht riskieren.

Erst längsseits am Ortskai sah ich 2,1 Meter.

Ein halber Meter, damit lässt sich leben.

Bogø

Neben dem Kai liegt Bogø Brød, eine dänisch-italienische Bäckerei, die ein auf die Insel gezogener Italiener betreibt – einer der größten Magneten von Bogø. Seit der Lille Bakery in Kopenhagen hatte mir so etwas gefehlt, hier war die Lücke geschlossen: Gebäck und Pizza sind über jedes Lob erhaben.

In der Inselmitte liegt ein Dorf mit Mühle, Kirche und einem schönen Friedhof, im Osten ein Wäldchen und darin ein Stein. Die Inschrift erzählt, wie die Bewohner vor etwa zweihundert Jahren die Insel selbst von der dänischen Krone freikauften und sich aus der Leibeigenschaft lösten. Das Geld kam aus dem Wald: Sie holzten ihn fast vollständig ab und verkauften das Holz, nur das Stückchen, auf dem heute der Stein steht, blieb übrig. Die Zeichen auf dem Stein sehen aus wie Runen, aber es sind bomærker, Hausmarken der Familien, die sich am Freikauf beteiligt hatten.

Am Waldrand steht eine Kiste, die aussieht wie ein Bienenstock. Darin Gläser mit Honig von hier und die Bitte, Geld dazulassen, wenn du eins mitnimmst.

Gegenüber, auf der anderen Seite des Sunds, liegt Stubbekøbing: Fähre für 55 Kronen, ein Motorradmuseum mit an die hundertfünfzig Maschinen, darunter ein Nachbau der allerersten, und Schnittmodelle von Motoren.

So verbrachten wir, fast ohne es zu merken, zwei Tage auf Bogø.

Vejrø

Am 28. Juli ging es nach Vejrø. Noch eine Empfehlung von Grigori.

Die Insel ist in Privatbesitz und heute praktisch ein kleines Resort. Der Liegeplatz kostete etwa 50 Euro. Nach Oslo, Hamburgsund und Göteborg nahm ich den Preis schon fast gelassen hin.

Dafür war alles perfekt gepflegt. Heiße Duschen ohne Münzautomat, Waschmaschine und Trockner, und am Ufer lagen Brennholz und Kohle fürs Lagerfeuer bereit.

Wir kamen spät an. Ich sammelte etwas Holz, fachte ein Feuer wieder an, das jemand vor uns hinterlassen hatte und das noch glomm, und saß lange unter einem hellen Mond am Wasser.

Einer der seltenen Fälle, in denen ich einen Ort, den mir jemand empfohlen hat, jetzt selbst jedem empfehlen würde.

Die letzte Passage

Am Morgen des 30. Juli liefen wir Richtung Kiel aus.

Der Tag war heiß und sonnig. Alles lief völlig normal bis Langeland, wo der ST2000+ plötzlich keinen vernünftigen Kurs mehr hielt.

Das Gerät war neu, also dachte ich an alles Mögliche, nur nicht an die Hardware. Ich fasste das Gehäuse an und verbrannte mir die Hand. Unter der abgenommenen Hülle hatte sich der Kunststoff leicht verzogen, er war also richtig heiß geworden.

Darauf saß eine Schutzhülle, die ich gegen Spritzwasser gekauft hatte. Dass sie auch die Wärmeabfuhr blockiert, war mir nie in den Sinn gekommen. Ich nahm sie ab, ließ den Autopiloten abkühlen, hielt so lange die Pinne von Hand, und nach einer Weile arbeitete er wieder, als wäre nichts gewesen. Ohne Hülle trat das Problem nicht mehr auf.

Mein Fazit im Nachhinein: Bei Hitze braucht dieses Gerät Schatten und Luft, statt eingepackt zu werden, und die Hülle ist für Regen und Spritzwasser da. Und man sollte im Hinterkopf behalten, dass sich Überhitzung als Elektronikfehler tarnt.

Kiel

50 Tage nach dem Auslaufen sah ich die vertrauten Ufer wieder.

900 Seemeilen lagen achteraus. Von fünfzig Tagen waren wir fünfundzwanzig auf Passage. Dänemark, Norwegen, Schweden, Kattegat, Skagerrak, Schären, Nachtwachen, Reparaturen, Stürme und unzählige Marinas.

Ich blickte auf Kiel und konnte nicht begreifen, was von beidem echt war: die vertraute Stadt um mich herum oder die vergangenen zwei Monate.

Die ersten Tage lief ich irgendwie ein bisschen neben meinem eigenen Leben her.

Dann wurde es noch seltsamer. Eine Woche war vergangen, und ich musste immer noch nicht die Vorhersage checken, das Boot klarmachen und abends in die nächste Marina weiterziehen. Zu Hause schaukelte nichts. Es war zu still. Das Bett war ungewohnt groß. Mein Schlafrhythmus war durcheinander.

Aber allmählich ging das vorbei, und die zwei Monate blieben mir als Erfahrung in Erinnerung.

#Passage
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