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Die Passage

Reise durchs Skagerrak. Teil 12. Nur Wellen und Himmel

Die Warnung

Am 3. Juli sollte nach 14 Uhr der Sturm mit 35+ Knoten abflauen, der uns die letzten paar Tage in Hamburgsund festgehalten hatte. Wir machten gerade Feierabend und wollten los.

Während ich das Boot klarmachte, kam ich mit unserem Nachbarn ins Gespräch. Er bemerkte vorsichtig, dass es draußen noch ordentlich blase. Ich zuckte mit den Schultern: Laut Vorhersage sollte es auf 18–26 Knoten abnehmen.

Er erzählte, dass in der Ausfahrt von Hamburgsund zwischen den Felsen große Wellen stehen könnten, weiter draußen auf offenem Wasser werde es dann ruhiger. Ich hatte in der Vorhersage etwa zwei Meter gesehen und bedankte mich einfach.

Irgendwie wollte das Gespräch nicht enden. Man merkte, dass er mir etwas sagen wollte, ohne den Oberlehrer zu spielen.

Schließlich rückte er doch damit heraus:

„An deiner Stelle würde ich heute nicht auslaufen.“

Ich antwortete, dass 18 Knoten und zwei Meter Welle ganz erträglich klingen. Außerdem hatte ich wirklich keine Lust, noch einmal 50 Euro für eine Nacht zu zahlen.

Wir lächelten uns an und wünschten uns viel Glück.

Dahin, wo ich nicht hinwollte

Zwischen den Felsen war alles ruhig. Fast kein Wind. Ich dachte schon, der Nachbar sei einfach übervorsichtig gewesen.

Vor der nächsten Biegung tauchte rechts eine Engstelle auf, in der sich die Wellen donnernd an den Felsen brachen. Mir schoss durch den Kopf:

„Bloß nicht da lang.“

Hundert Meter weiter schlug Navionics vor, genau dort abzubiegen.

Auf beiden Seiten ragten Felsen auf. Die Wellen schlugen dagegen und schleuderten die Gischt hoch in die Luft. Ich musste ungefähr in der Mitte der Durchfahrt bleiben und direkt gegen die anrollende See halten.

Nach den angesagten zwei Metern sah das überhaupt nicht aus.

Das Echolot sprang alle paar Sekunden von etwa 10 auf 18 Meter und zurück. Das Boot stieg, der Bug zeigte eine Weile in den Himmel, dann fielen wir nach unten. Jeder dieser Zyklen schnürte mir die Brust zu.

Am liebsten hätte ich umgedreht.

Aber noch weniger wollte ich mit der Breitseite zu dieser Welle liegen.

Also hielt ich Kurs und sagte mir die Worte des Nachbarn vor: Erst kommen große Wellen, dann werden sie kleiner.

In meiner Erinnerung dauerte diese Durchfahrt etwa eine Stunde. Der Navionics-Track behauptet, es waren zehn Minuten. In dieser Frage sind wir uns nicht einig geworden.

Nur Wellen und Himmel

Danach wurde es tatsächlich leichter. Aber mir fiel schnell etwas anderes auf: Sobald die Route sich flacherem Wasser näherte, wurde die Welle wieder höher und steiler. Ich musste unterwegs umplanen und die Stellen mit geringer Wassertiefe umfahren.

Als wir etwa 50 Meter unter dem Kiel hatten, beruhigte sich die See merklich.

Nach ungefähr einer Stunde gewöhnte ich mich daran. Das Boot lag stabil. Die Wellen reichten etwa bis auf Höhe des Großbaums. Dazwischen sah man nichts als Wasser. Auf dem Kamm tauchten für ein paar Sekunden die Küste, die Brandung und die Seezeichen auf. Dann blieben wieder nur Wellen und Himmel.

Und irgendwann fing es sogar an, mir Spaß zu machen.

Ausfall

Dann legte der Autopilot die Pinne langsam bis zum Anschlag nach Steuerbord, danach bis zum Anschlag nach Backbord und schaltete sich ab.

Das war's.

Nastja und ich wechselten uns jetzt alle zehn Minuten an der Pinne ab. Nach ein paar Wechseln war klar, dass wir das keine fünf Stunden mehr durchhalten würden.

In meinen zehnminütigen Pausen ging ich die nächstgelegenen Schutzhäfen durch. Ich entschied mich für Malmön. Es lag relativ nah, aber vor allem waren wir ein paar Wochen vorher schon dort gewesen und kannten die Ansteuerung. Gerade jetzt wollte ich mich wirklich nicht gleichzeitig mit schwerer See, Handsteuerung und einer fremden Marina herumschlagen.

Die nächsten zwei Stunden wechselten wir uns alle zehn Minuten ab und arbeiteten uns langsam bis zum vertrauten Steg vor.

Kaum waren wir fest, machte ich mich auf die Suche nach der Ursache. Falls der ST2000+ selbst gestorben war, hatte ich keine Ahnung, wo ich schnell Ersatz herbekommen sollte.

Zum Glück war eine Sicherung der Übeltäter.

In der Leitung saß eine 8-Ampere-Sicherung statt der für den ST2000+ empfohlenen 12 Ampere. Offenbar hatten ihr ein paar Stunden Dauerbetrieb in schwerer See den Rest gegeben.

Ich setzte eine neue Sicherung ein.

Der Autopilot piepte kurz.

Ich glaube, das war das schönste Geräusch des ganzen Tages.

#Passage
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