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Die Passage

Zurück nach Lübeck. Teil 1. Kiel – Heiligenhafen

Zurück nach Lübeck. Teil 1. Kiel — Heiligenhafen

Vorbereitung auf die Passage

Diesen Winter soll mein Boot die letzten Monate an Land an der Trave verbringen, auf halbem Weg nach Lübeck. Deshalb plante ich Anfang Oktober die Rückkehr in diese Stadt.
Beim Durchscrollen des Segler-Chats von Wadim Luppo fiel mir die Nachricht eines jungen Mannes auf, der vor Kurzem nach Deutschland gezogen war. Segelerfahrung hatte er keine, aber er träumte davon, sich eine Yacht zu kaufen. Der Wunsch kam mir ziemlich waghalsig vor, und ich bot ihm an, als Passagier mitzukommen – und dabei gleich zu prüfen, wie gut die Romantik des Meeres zur Realität passt.

Planung

Das Ablegen setzte ich für Montag, den 6. Oktober, an. Das ganze Wochenende davor tobte ein Sturm mit bis zu fünfzig Knoten, aber bis Montagmittag sollte der Wind abflauen. Der Plan war einfach: Ablegen um 11:00, um 12:00 raus aufs Meer und abends festmachen in Heiligenhafen. Ich wollte unbedingt vor der Dunkelheit ankommen. Vor einem Jahr, um dieselbe Zeit, war es so kalt, dass ich weder steuern noch im Cockpit stehen konnte, nicht einmal in mehreren Lagen Kleidung.

Die Vorhersage versprach raumen Wind bis zwanzig Knoten, abends abnehmend. Ich entschied mich für die volle Genua ohne Großsegel: Bei achterlichem Wind nimmt das Groß dem Vorsegel nur den Wind weg.

Ablegen

Ich war um zehn Uhr morgens am Boot. David steckte im Stau und kam erst um zwei Uhr nachmittags. Ich habe ihn der Ordnung halber ein bisschen ausgeschimpft, aber dann ging es doch los. Im Frühjahr, auf der Passage nach Bornholm, hatte ich so gefroren, dass ich mir gleich danach bei AliExpress für 65 Euro ein Set beheizbare Thermounterwäsche mit Powerbank-Anschluss gekauft hatte. Jetzt war der Moment gekommen, sie zu testen. Wind achtzehn Knoten, Luft +12, Wasser +11. Schon auf der kleinsten Heizstufe war es angenehm.

Die Yacht lief munter und kam auf bis zu sechs Knoten. David übernahm die Pinne und spürte, so schien es, zum ersten Mal im Leben, was Windkraft ist. In den Böen legte sich das Boot etwa fünfundzwanzig Grad auf die Seite. Anfangs war er angespannt, aber bald fing er sogar an zu lächeln. Ich erklärte ihm das Zusammenspiel von Segeln und Kiel, und er hörte zu, ohne zu blinzeln.

Die Ostsee nach der Nordsee

Gegen fünf Uhr abends erreichten wir das Schießgebiet Todendorf. Normalerweise muss man außen herum, aber um diese Zeit war es für die Schifffahrt freigegeben – Glück gehabt. Nach der Nordsee wirkte die Ostsee wie ein stiller See. Alles ruhig, berechenbar und auf menschliche Art freundlich.

Mond und Seekrankheit

Gegen sieben Uhr abends verschwand die Sonne hinter dem Horizont und machte einem riesigen Mond Platz. Fast voll, übergoss er das Meer mit Silber. Die Wellen glitzerten im Widerschein und legten eine Straße aus Licht um das Boot. Der Wind wurde warm, als wollte sich der Abend für den kalten Tag entschuldigen.
David saß schweigend da und starrte auf einen Punkt. Nach ein paar Minuten sagte er leise: „Mir ist schlecht.“ Ein paar Minuten später hatte sein Entschluss, Seemann zu werden, merklich nachgelassen. So segelten wir weiter: ich genoss den sanften Wind und die nächtliche Ruhe, er fütterte die Fische und dachte noch einmal gründlich über seine Träume von der Freiheit auf See nach.

Heiligenhafen

Gegen elf Uhr abends erreichten wir Heiligenhafen. Die Einfahrt ist lang und schmal, die Tonnen sind unbeleuchtet. Nur Richtfeuer, und in völliger Dunkelheit brachte ich sie übereinander in Deckung und versuchte, mich nicht zu vertun. Als wir festgemacht hatten, atmete ich erleichtert auf. Wir zahlten zwanzig Euro für die Nacht per QR-Code, duschten und gingen sofort schlafen.

Den nächsten Tag haben wir uns zum Ausruhen genommen. Das Städtchen ist klein, aber gemütlich. Ich schlenderte über die Promenade und sah mir die Yachten an, und David kochte zu meiner Überraschung Borschtsch – den ersten Borschtsch auf meinem Boot. Und wohl das erste Mal, dass ich nach einer Passage kein Dosenfleisch gegessen habe, sondern etwas Selbstgekochtes.

#Passage
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