In diesem Beitrag9 Fotos · 1 Video
Planung
7. August 2025. Auf diesen Tag hatten wir besonders ungeduldig gewartet: Nach drei Tagen Zwangspause im Hafen ging es endlich wieder auf See. Die Vorhersage versprach keinen Spaziergang – Südwest bis 24 Knoten, also den ganzen Weg gegenan. Auf offener See übersteigt der Strom selten 1,5 Knoten, aber unter Land kann man bis zu 3–5 Knoten gegen sich haben.
Aus Cuxhaven mussten wir mit der Ebbe auslaufen und die rund 15 Seemeilen durchs Watt schaffen, bevor die Flut einsetzt. Die Schwierigkeit lag im Zeitplan: die erste Ebbe um 01:46, die zweite erst um 13:49. Viel Auswahl gab es nicht – vor fünf Uhr morgens los, um die Elbe rechtzeitig zu verlassen. Bei Helgoland ist es einfacher: Anlaufen kann man jederzeit, es gibt keine starken Strömungen und keine trockenfallenden Hafenzufahrten.
Die Passage
Um 04:45 legten wir ab und verließen die Stadt. Die Vorgabe war knallhart: 15 Seemeilen bis acht Uhr morgens. Und dann die Überraschung – fast kein Wind, das Meer glatt wie ein Spiegel. Also unter Motor. Der Plotter zeigte 9,8 Knoten, die Logge nur 5. Fast 10 Knoten über Grund. Für die «Rassvet» ist das ein Rekord. Schade nur, dass der Ruhm nicht dem Motor gebührt, sondern dem Strom.
Pünktlich um acht lag die Elbe hinter uns. Der Wind frischte auf, die Welle erreichte anderthalb Meter – das Echolot zeichnete die Wellenkämme sauber nach. Großsegel im zweiten Reff, Genua im ersten. Die nächsten 15 Seemeilen ging es auf einem Schlag, Rumpf und Segel gegen die Welle gestemmt. Irgendwann saß mir ein Kloß im Hals, ich wurde seekrank, und alle Aufmerksamkeit schrumpfte auf einfache Dinge: tief atmen, den Wind ins Gesicht nehmen, Kurs halten.
37 Seemeilen in 7 Stunden.
Die Insel
Helgoland taucht plötzlich auf: Aus dem graugrünen Horizont wächst ein roter Fels, wie ein Leuchtfeuer aus einer anderen Welt. Beim Näherkommen spürt man eine ganz besondere Aufregung. Einst war dieser winzige Archipel ein britischer Marinestützpunkt, später ging er an Deutschland. Heute ist er ein ruhiger Kurort mit einzigartiger Natur, ohne Autos, die Luft voller Meeresgeruch und Vogelgeschrei. Nach dem Geschaukel in der Welle hier anzukommen ist fast, als träte man in einen anderen Lebensrhythmus.
Anlegen
Wir liefen Helgoland von Süden an. Erst drehten wir vor den Wind und rollten die Genua ein, dann in den Wind, um das Großsegel zu bergen. Bei dieser Welle ist das immer ein Abenteuer. Als Erstes schauten wir in den Südhafen: Dort lagen große Yachten ab 40 Fuß, im Päckchen zu zweit oder zu dritt. Die Entscheidung lag auf der Hand – ab in den Nordhafen, der für Boote unter 10 Metern gedacht ist. Und das war richtig: Freie Plätze gab es genug.
Die «Rassvet» hat keine Mittelklampe, deshalb ist eine Spring nicht so einfach zu legen. Ich musste mir eine eigene Methode ausdenken: Die Leine wird am Steg belegt, läuft durch den Fockschlitten, von dort auf die Winsch und in den Stopper. Das hat sich als praktisch erwiesen und funktioniert zuverlässig.
Bezahlt wird nur von 17:00 bis 18:00, der Liegeplatz kostete 30 Euro. Während wir auf den Hafenmeister warteten, verrieten uns die Nachbarn den Code für Dusche und Toilette. Danach zogen wir los, die Insel zu erkunden.
#Passage
Original und DiskussionBeitrag in Telegram öffnen ↗