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Durch das Wattenmeer. Teil 12. Spiekeroog – Büsum – Cuxhaven
Planung
14. August 2025. Das Auslaufen aus Spiekeroog verlangte Präzision: Bei Niedrigwasser ist die Insel über eine Untiefe mit Langeoog verbunden. Hochwasser war um 04:04. Um etwas länger zu schlafen, plante ich das Auslaufen für 5 Uhr morgens und wollte die Untiefe bis 06:30 hinter mir haben. Sonst droht eine harte Grundberührung. Ziel war Büsum. Den Beschreibungen nach ist die Schleuse dort ab einer Tidenhöhe von einem Meter und ohne starken Südwind geöffnet. Um 17:07 sollte die Tidenhöhe 3 Meter betragen, dazu Wind aus Nordwest mit 9 Knoten. Alles sah perfekt aus.
Hinaus in die Dunkelheit
Auf dem Wasser herrschte absolute Finsternis. Das Boot schien durchs All zu schweben. Kolyas Taschenlampe holte die Pricken aus dem Dunkel, die die Ränder des Fahrwassers markierten. Er gab vom Bug die Kommandos, ich hielt Kurs nach dem aufgezeichneten Track auf dem Plotter und schielte nervös aufs Echolot. Ringsum kein Licht, keine Spiegelung, nur glattes Schwarz.
Wind gab es keinen. Wir liefen unter Motor. Der Strom packte uns und beschleunigte uns auf 7,5 Knoten. Gegen sechs Uhr waren wir draußen auf offener See und nahmen Kurs auf Büsum. Unterwegs begegneten uns Yachten, Fischkutter und Containerschiffe. Der Himmel zog sich mit Altostratus zu – Wolken wie eine endlose graue Kuppel.
Begegnung mit der Front
Auf halber Strecke sanken die Wolken tiefer. Das ist meist ein Zeichen für eine aufziehende Front. Die Vorhersagen schwiegen dazu, aber Internet zum Nachsehen gab es schon keins mehr. Der Wind frischte auf 8 Knoten auf, dann auf 12, dann auf 18. Ich setzte die Genua und stellte den Motor ab. Je näher wir dem Fahrwasser von Büsum kamen, desto mehr drehte der Wind. Ein paar Meilen davor blies es schon mit 28 Knoten aus Nordost, und die Welle war auf zwei Meter angewachsen.
Ich rollte das Segel bis aufs zweite Reff ein und lief weiter nach Norden, um später von Osten ins Fahrwasser zu drehen. Aber das Bild wurde nur schlechter: Die Tonnen stimmten nicht mit der Karte überein, der Wind warf mich vom Kurs, und die See brodelte. Über das inReach fragte ich eine aktuelle Vorhersage ab: Laut den Daten waren es dort immer noch 9 Knoten – als gäbe es den Sturm nur für uns.
Ich rechnete mir aus, dass ich am nächsten Tag bei denselben Bedingungen nicht aus Büsum herauskommen würde, beschloss, nichts zu riskieren, und lief Cuxhaven an.
Kehrtwende in Richtung Sicherheit
Ein paar Stunden später ließ der Wind nach, die Wolken zogen ab, und die Sonne kam heraus, als wäre nichts gewesen. Die See war wieder glatt, und der Sturm von eben kam mir vor wie ein Traum. Der Motor zog das Boot munter voran. Gegen 17 Uhr lagen wir in Cuxhaven: 62 Seemeilen und 12 Stunden im Kielwasser.
Abend in der Stadt
Ein Spaziergang an der Uferpromenade löste die Anspannung. Die Sonne ging unter und verwandelte das Wasser in feine Lichtfäden. Am Horizont tauchte das Kreuzfahrtschiff AIDAb auf – über und über in bunten Lichtern. Die riesige schwimmende Stadt zog an der hölzernen Kugelbake vorbei, einem Seezeichen, das hier seit dem 18. Jahrhundert steht. Einst war sie die wichtigste Landmarke für alle, die in die Elbe einliefen, heute ist sie das Wahrzeichen von Cuxhaven. Ich blieb noch eine Weile an der Bake stehen, dann ging ich langsam zurück zum Boot.
#Passage
Planung
14. August 2025. Das Auslaufen aus Spiekeroog verlangte Präzision: Bei Niedrigwasser ist die Insel über eine Untiefe mit Langeoog verbunden. Hochwasser war um 04:04. Um etwas länger zu schlafen, plante ich das Auslaufen für 5 Uhr morgens und wollte die Untiefe bis 06:30 hinter mir haben. Sonst droht eine harte Grundberührung. Ziel war Büsum. Den Beschreibungen nach ist die Schleuse dort ab einer Tidenhöhe von einem Meter und ohne starken Südwind geöffnet. Um 17:07 sollte die Tidenhöhe 3 Meter betragen, dazu Wind aus Nordwest mit 9 Knoten. Alles sah perfekt aus.
Hinaus in die Dunkelheit
Auf dem Wasser herrschte absolute Finsternis. Das Boot schien durchs All zu schweben. Kolyas Taschenlampe holte die Pricken aus dem Dunkel, die die Ränder des Fahrwassers markierten. Er gab vom Bug die Kommandos, ich hielt Kurs nach dem aufgezeichneten Track auf dem Plotter und schielte nervös aufs Echolot. Ringsum kein Licht, keine Spiegelung, nur glattes Schwarz.
Wind gab es keinen. Wir liefen unter Motor. Der Strom packte uns und beschleunigte uns auf 7,5 Knoten. Gegen sechs Uhr waren wir draußen auf offener See und nahmen Kurs auf Büsum. Unterwegs begegneten uns Yachten, Fischkutter und Containerschiffe. Der Himmel zog sich mit Altostratus zu – Wolken wie eine endlose graue Kuppel.
Begegnung mit der Front
Auf halber Strecke sanken die Wolken tiefer. Das ist meist ein Zeichen für eine aufziehende Front. Die Vorhersagen schwiegen dazu, aber Internet zum Nachsehen gab es schon keins mehr. Der Wind frischte auf 8 Knoten auf, dann auf 12, dann auf 18. Ich setzte die Genua und stellte den Motor ab. Je näher wir dem Fahrwasser von Büsum kamen, desto mehr drehte der Wind. Ein paar Meilen davor blies es schon mit 28 Knoten aus Nordost, und die Welle war auf zwei Meter angewachsen.
Ich rollte das Segel bis aufs zweite Reff ein und lief weiter nach Norden, um später von Osten ins Fahrwasser zu drehen. Aber das Bild wurde nur schlechter: Die Tonnen stimmten nicht mit der Karte überein, der Wind warf mich vom Kurs, und die See brodelte. Über das inReach fragte ich eine aktuelle Vorhersage ab: Laut den Daten waren es dort immer noch 9 Knoten – als gäbe es den Sturm nur für uns.
Ich rechnete mir aus, dass ich am nächsten Tag bei denselben Bedingungen nicht aus Büsum herauskommen würde, beschloss, nichts zu riskieren, und lief Cuxhaven an.
Kehrtwende in Richtung Sicherheit
Ein paar Stunden später ließ der Wind nach, die Wolken zogen ab, und die Sonne kam heraus, als wäre nichts gewesen. Die See war wieder glatt, und der Sturm von eben kam mir vor wie ein Traum. Der Motor zog das Boot munter voran. Gegen 17 Uhr lagen wir in Cuxhaven: 62 Seemeilen und 12 Stunden im Kielwasser.
Abend in der Stadt
Ein Spaziergang an der Uferpromenade löste die Anspannung. Die Sonne ging unter und verwandelte das Wasser in feine Lichtfäden. Am Horizont tauchte das Kreuzfahrtschiff AIDAb auf – über und über in bunten Lichtern. Die riesige schwimmende Stadt zog an der hölzernen Kugelbake vorbei, einem Seezeichen, das hier seit dem 18. Jahrhundert steht. Einst war sie die wichtigste Landmarke für alle, die in die Elbe einliefen, heute ist sie das Wahrzeichen von Cuxhaven. Ich blieb noch eine Weile an der Bake stehen, dann ging ich langsam zurück zum Boot.
#Passage
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