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Die Passage

Durch das Wattenmeer. Teil 11. Borkum – Spiekeroog

Durch das Wattenmeer. Teil 11. Borkum – Spiekeroog

Planung

13. August 2025. Ziel des Tages: rund 50 Seemeilen von Borkum nach Spiekeroog. Dafür sollten etwa 10 Stunden draufgehen. Die größte Schwierigkeit ist die Sandbarre vor der Einfahrt. Dort ist es nur 20 cm tief, und bei Springniedrigwasser fällt der Grund sogar trocken. Bei Flut steigt das Wasser hier aber um 3,5 Meter. Laut meiner Rechnung war Hochwasser um 15:29, also mussten wir spätestens um sechs Uhr morgens los, um nicht gegen die Ebbe anzukämpfen. Aus Borkum kann man jederzeit auslaufen: Die Tiefen reichen, und die Flut setzt erst um 8:39 ein.

Der Wind kam schwach aus Ost, nur 5–7 Knoten. Wir mussten auf den Motor setzen und das Segel nur zur Kursstabilisierung nutzen.

Die Passage

Unterwegs begegneten uns jede Menge Fischkutter. So viele habe ich nirgends sonst gesehen. Überrascht hat mich auch der Salzbelag: Das ganze Deck war mit einem weißen Film überzogen, als hätte jemand das Boot mit Mehl bestäubt. Ansonsten war die Passage ruhig: leichter Wind, kaum Welle.

Schon kurz vor Spiekeroog kam ein Moment wie im Kino. Ich ging zum Mast, um das Segel zu bergen, und ließ Kostya an der Pinne. Das Fall glitt mir durch die Hände, und genau in dem Moment, als das letzte Stück Segel herunterkam, öffnete sich ein unerwarteter Blick: Direkt auf uns zu hielt ein Fischkutter, nur dreihundert Meter entfernt. An beiden Seiten zog er Netze, und hinter dem Heck kreisten Möwen. Ich schrie: „Kostya! Abdrehen! Schnell!“ Erst verstand er nicht, legte dann aber rechtzeitig die Pinne. Wir kamen buchstäblich in fünfzig Metern Abstand aneinander vorbei. Die Schrauben haben die Netze zum Glück nicht erwischt. Die Fischer änderten dabei weder Kurs noch Geschwindigkeit. Wahre Könige der Meere. Gut, dass alles glimpflich ausging.

Spiekeroog

In der Marina waren genug Plätze frei. Wir legten in Ruhe an, zahlten 21 Euro und gingen spazieren.

Die Insel ist ein Ferienort und sehr gepflegt. Hübsche Häuschen mit Namen, Blumen auf den Fensterbänken, ordentliche Gassen. Überall Cafés, Restaurants, Läden und Souvenirgeschäfte. Hinter dem Ort beginnen die Dünen und die Skulptur De Utkieker („Der Ausgucker“), von der aus man einen atemberaubenden Blick über die Weite des Watts hat. Dahinter breite Strände, Sand und Dünen, durch die man wunderbar barfuß streifen kann. Erst der zweite Ort nach Helgoland, den ich wirklich schön nennen möchte.

Eine Überraschung aus dem Watt

Als ich zum Boot zurückkam, erstarrte ich vor Staunen. Im Hafen war fast kein Wasser mehr. Die Yachten standen auf dem Grund, eingesunken im Schlick, ringsum nur Pfützen. Selbst die Kaimauer lag frei. Noch nie hatte ich gesehen, wie eine Marina mitsamt dem Wasser buchstäblich verschwindet.

Atmosphäre

Spiekeroog hat mich nicht nur mit seiner Schönheit überrascht. Die Luft war erfüllt vom Duft der Wiesenkräuter, als liefe man durch eine riesige Naturapotheke. Das wirkte fast heilsam und half, die Müdigkeit zu vergessen und die angespannten Momente des Tages zu verdauen. Ein großartiger Abschluss unserer Passagen durch Ostfriesland. Hierher komme ich bestimmt zurück, dann aber für länger.

#Passage
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