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Die Passage

Reise nach Bornholm. Teil 1. Lübeck – Barhöft

21. April 2024. Nach zweieinhalb Monaten ohne einen freien Tag – tagsüber Code, am Wochenende Pinsel – konnte ich endlich durchatmen. Drei Tage schlief ich mich auf dem Boot aus und kam wieder zu mir. Start in Lübeck, Kurs Nordost – nach Christiansø und Bornholm. Beim ersten Schlag will ich es wenigstens bis Rügen schaffen.

Nothäfen
• Da es der erste Törn der Saison ist, kann alles Mögliche passieren. Die nächsten Schutzhäfen in der Lübecker Bucht: Travemünde (7 Seemeilen) und Grömitz (20 Seemeilen).
• Wismarbucht – 25 Seemeilen (6–9 Stunden Fahrt), mit mehreren geeigneten Marinas.
• Danach Kühlungsborn (35 Seemeilen), Warnemünde (45 Seemeilen). Theoretisch käme ich bis Gedser (55 Seemeilen), aber dafür müsste ich das Verkehrstrennungsgebiet (TSS) queren.
• Dann eine lange Strecke ohne Schutzhafen. Nur Prerow bei Meile 70.
• Endziel: Barhöft, bei Meile 98.
Bei einem Schnitt von 4,5 Knoten dauert die Strecke etwa 20–22 Stunden.

Wetter
Windy (rot) versprach 3–11 Knoten Gegenwind.

Shipping Forecast
, 21.04.2025, 09:36 UTC
No warnings
Western Baltic: light and variable winds, at times misty with fog patches, later locally thunderstorms, sea below 0.5 meter.


Ich muss also unter Motor laufen – um unter Segeln die geplante Geschwindigkeit zu halten, bräuchte ich mindestens 15 Knoten von der Seite oder von achtern.

Die Passage
Die Fahrt verlief ruhig. Ich folgte der Route in Navionics und probierte Savvy Navvy aus, aber damit wurde ich nicht warm. An der Küste Schwäne, auf See Möwen. Nicht weit von Wismar begleiteten mich ein paar Minuten lang Schweinswale – sie sehen aus wie Delfine, nur kleiner. Ein gutes Zeichen. Ich las, trank Tee und war einfach im Moment.

Früher habe ich Spiritus immer nur in kleinen Mengen in den Kocher gefüllt – für eine Kanne Tee. Jetzt habe ich eine halbe Flasche reingekippt, um mir das Gefummel zu sparen. Praktisch.

Nach Sonnenuntergang wurde es kalt. Ich zog sieben Schichten Kleidung an, packte Wärmepads dazu und wickelte mich direkt im Cockpit in den Schlafsack. Auszuhalten, aber aus diesem Kokon wieder herauszukommen, ist eine Aufgabe für sich. Gibt es eigentlich vernünftige Thermounterwäsche für solche Bedingungen?

Nach zehn fing ich an zu dösen. Ich ging zum Intervallschlaf über: Alle 20 Minuten wache ich auf und prüfe Kurs und Lage. Manchmal öfter. Du weißt nie, ob der Autopilot aussteigt oder dir genau so ein Boot mit eingeschlafenem Skipper entgegenkommt. Ich sah eine Sternschnuppe.

Gegen vier Uhr morgens begann es zu dämmern. Stellenweise Nebel und Niesel. Alles voller Kondenswasser. Dafür ein fantastischer Sonnenaufgang.

Gegen sieben erreichte ich Rügen – eine Insel unter Naturschutz, mit engen Fahrwassern und Untiefen ringsum. Konzentrieren fällt schwer: überall Vögel und Landschaft. Am liebsten wäre ich den ganzen Urlaub hier geblieben.

Auf Grund
Schon vor der Marina wurde mir mulmig – die Fender waren noch nicht draußen. 200 Meter davor stoppte ich und lief nach vorn zum Bug, um alles vorzubereiten. In der Zeit hatte der Wind das Boot aus dem Fahrwasser gedrückt. Kaum hielt ich auf die nächste Tonne zu, wurde das Heck abrupt angehoben, und das Boot stand. Auf Grund.

Rückwärtsgang – nichts. Ich versuchte, das Boot freizuschaukeln, rollte das Segel aus – alles zwecklos. Das Boot hatte sich fest eingegraben. Ich rief den Hafenmeister an – er hatte mich schon gesehen und die Seenotretter alarmiert.

Vom großen Rettungsboot legte ein kleines Beiboot ab. Zwei Leute an Bord. Höflich, aber bestimmt baten sie mich, zuerst ein Formular auszufüllen. Danach gaben sie mir eine Leine, die ich am Bug belegen sollte. Ein paar Minuten später war die Yacht wieder im Fahrwasser.

Bilanz
Zurückgelegt 98 Seemeilen in 22 Stunden. 23 Liter Diesel verbraucht.

#Passage
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