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Die Passage

Wismar – Timmendorf

Tag 3. Der Wecker stand auf 8. Am Vorabend hatte der Hafenmeister gesagt, ich müsse ihm die Schlüssel für die Sanitäranlagen um 09:30 zurückgeben. Milch über das Granola. In der Marina gewaschen. Schlüssel abgegeben. Dann noch ein Blick in den Shipping forecast:

05.10.2024, 03:26 UTC, Western Baltic
An extensive high 1023 over northern Germany moves towards the area east of Latvia.
light and variable winds,
first coastal tog patches,
sea 0,5 meter.


Kein Wind. Da lohnt es sich nicht einmal, die Segel zu setzen. In Navily suchte ich mir aus, wohin es gehen soll:
• Marina Timmendorf auf der Insel Poel, klein und mit Strand
• Marina Hohen Wieschendorf, klein und ruhig gelegen, dafür mit einem kleinen Italiener
• Marina Boltenhagen, recht groß, aber nicht mehr so ganz auf dem Weg
• Marina Poel im gleichnamigen Ort auf der gleichnamigen Insel, geräumig und bequem, aber weit ab vom Weg

Ich entschied mich für Timmendorf. Gemütlich unter Motor war ich in anderthalb Stunden dort. Unterwegs sah ich einen großen Schwarm Schwäne und den Kopf einer vorbeischwimmenden Robbe. Unweit der Marina liegt eine rot-weiße Tonne, die die Ansteuerung von See markiert. Auf die hielt ich zu. Etwa 70 Meter davor knallte es. Gefühlt sprang alles hoch, ich und die Wanten eingeschlossen. Offenbar lag in 1,6 Meter Tiefe ein Findling, den ich mit dem Kiel erwischt hatte. Innen ist nichts beschädigt. Ich hoffe, außen auch nicht.

Der Hafenmeister ist nur morgens und abends je eine Stunde da. Bis er kommt, muss man die öffentlichen Toiletten benutzen. Strom bezahlt man mit 50-Cent-Münzen am Automaten neben den Steckdosen. Ein netter Ort: jede Menge Imbissbuden, Cafés, Restaurants und Souvenirläden. In einem Bistro bestellte ich mir einen Burger, aber aus irgendeinem Grund war Remoulade drauf, die überhaupt nicht zum Fleisch passt. Am Nordufer gibt es einen Sandstrand, am Südufer einen steinigen. Läuft man ihn entlang, kann man auf die Steilküste steigen und durch den Wald zurückgehen. Dort spürte ich, dass ich mich endlich erholt und den täglichen Arbeitsstress abgeschüttelt hatte.

Am Abend fürchtete ich, der Elektroheizer würde den ganzen bezahlten Strom verbrauchen, und heizte die Yacht deshalb mit der Petroleumheizung von Wallas, die ich im Frühjahr repariert hatte. In weniger als einer Stunde war die Luft auf 23 Grad. Ich ging im Warmen schlafen.

6 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

#Passage
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