Hafen im goldenen Abendlicht
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Rassvet · Ohlson 29 / Oktober 2024

Wochenende in der Mecklenburger Bucht

Vier Tage von Lübeck nach Wismar und zurück. Herbstliche Ostsee, vertraute Häfen und ein Zwischenstopp auf der Insel Poel.

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Törndaten3. Oktober 2024 – 6. Oktober 2024
Zurückgelegt92 Seemeilen
UnterwegsDeutschland

Die Passage

Lübeck – Grömitz

Der 3. Oktober ist in Deutschland der Tag der Deutschen Einheit – der Nationalfeiertag zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Dieses Jahr fiel er auf einen Donnerstag, also nahm ich mir ein paar Tage frei für einen weiteren Segeltörn.

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Lübeck – Grömitz

Der 3. Oktober ist in Deutschland der Tag der Deutschen Einheit – der Nationalfeiertag zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Dieses Jahr fiel er auf einen Donnerstag, also nahm ich mir ein paar Tage frei für einen weiteren Segeltörn.

Hochfliegende Pläne: über Fehmarn nach Gedser in Dänemark, dort ein Fahrrad leihen, zu Biltema radeln, das laufende Gut erneuern, dann zurück nach Deutschland, aber nach Warnemünde bei Rostock, Wismar besuchen und zurück nach Lübeck. Eine Reise durch die ganze Mecklenburger Bucht.

Tag 1. Um 6 aufgestanden, um 11 an der Yacht. Umgezogen, die Zeiten für ☀️ Sonnenaufgang (07:30) und 🌒 Sonnenuntergang (19:00) notiert, dann noch ein Blick in den Shipping forecast:

03.10.2024, 0531 UTC, Western Baltic
until friday morning in the Western Baltic area strong winds are expected
NE 5 to 6, decreasing 4
sea first 1,5 meter


Um 12 ging es los. In Travemünde war gerade Drachenfest. Ich band in beide Segel das 2. Reff ein. Anfangs bliesen mir Böen bis 28 Knoten ins Gesicht. Mit der Besegelung war ich zufrieden. Die Pinne musste ich kaum anfassen, das Ruderblatt war völlig ohne Druck. Die Geschwindigkeit hielt sich bei 5,5–6 Knoten.

Ich kreuzte. Die Wellen liefen nicht mit dem Wind. Auf dem Schlag nach Nordwest nahm ich die Kämme an Steuerbord, auf dem Schlag nach Osten bohrte sich der Bug hinein, und das kostete einen halben Knoten.

Der Wind ließ allmählich nach. Erst auf 22 Knoten. Dann auf 18. Schließlich auf 13. Stellenweise auf 10. Ich rollte die Genua ganz aus, um wenigstens irgendwie 5 Knoten Fahrt zu halten.

Wegen des Kreuzens kam ich auf dem Generalkurs nicht besonders weit. Im Kopf spielte ich verschiedene Routenänderungen durch, auch die Möglichkeit, in die Nacht hineinzusegeln. Den Ausschlag gab aber ein Faktor, an den ich gar nicht gedacht hatte. Um 18:30 ging die Sonne unter und hielt die Kälte nicht mehr zurück, die durch 3 Lagen Kleidung und ein Wärmepad drang. Ich bog eilig in die nächste Marina ab, nach Grömitz.

Die Marina ist groß, geschützt und komfortabel. Leider kann man nur beim Hafenmeister bezahlen, und der arbeitet von 8 bis 16 Uhr. Zum Glück sind die Sanitäranlagen kostenlos, heiße Duschen ohne Limit inklusive.

30 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

#Passage

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Die Passage

Grömitz – Wismar

Tag 2. Der Wecker klingelte um 6 Uhr. Zum Frühstück Granola mit Milch. Nach dem Waschen in der Marina sah ich noch einmal nach: Der Hafenmeister war immer noch nicht aufgetaucht. Ich würde auslaufen müssen, ohne die Nacht bezahlt zu haben.

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Grömitz – Wismar

Tag 2. Der Wecker klingelte um 6. Granola mit Milch zum Frühstück. Nach dem Waschen in der Marina sah ich noch einmal nach: Der Hafenmeister war immer noch nicht aufgetaucht. Ich würde ablegen müssen, ohne die Nacht bezahlt zu haben. Dann noch ein Blick in den Shipping forecast:

04.10.2024, 0341 UTC, Western Baltic
An extensive high 1023 over the northern North Sea moves towards northern Germany and
weakens somewhat
NE 3 to 4, abating
for a time coastal fog patches
sea first 1 meter


Laut Windy legt sich morgen ein Hoch über die gesamte westliche Ostsee. Wind wird es keinen geben. Ich werfe meine Pläne über den Haufen. Statt nach Dänemark segle ich direkt nach Wismar und sehe mir die Wismarer Bucht genauer an.

Um 08:00 verließ ich Grömitz, setzte volles Tuch und nahm Kurs Südost. Die Passage war ruhig. Die Einfahrt in die Bucht ist auf beiden Seiten von Untiefen begrenzt. Als ich mich näherte, schlug mein AIS ständig Alarm. Eine ganze Kette von Yachten kam mir entgegen und verließ das Revier.

Kurz vor der Stadt barg ich die Segel und hängte die Fender raus. Drinnen sollten mich 3 Marinas erwarten. Ich wollte in die, die 15 Gehminuten vom Zentrum entfernt liegt. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich an Steuerbord einen 40-Fuß-Segler. Laut Karte lag er im Flachwasser. Der Mann am Bug winkte mir zu. Ich winkte zurück. Doch er winkte noch einmal, diesmal nachdrücklicher. Ich ahnte, warum. Vorsichtig fuhr ich näher heran und wurde gebeten, es mit Freischleppen zu versuchen. Sie warfen mir ihre Bugleine zu, die ich an meiner Heckklampe belegte. Etwa 15 Minuten zog ich in verschiedene Richtungen und auf verschiedene Weise, aber meine 14 Pferdchen waren dieser Last nicht gewachsen. Dann kam ein großes Ausflugsschiff mit Touristen vorbei, und sein Kapitän bot seine Hilfe an. Die Crew bedankte sich bei mir, und ich ergatterte den letzten freien Platz in der Marina. Angelegt wurde an Fingerstegen, was man in Deutschland selten findet.

Der Liegeplatz kostete 18 Euro pro Nacht. Dusche und Waschmaschine kosten extra, dafür gibt es eine Küche. Wismar ist eine schöne historische Stadt, die im Krieg kaum beschädigt wurde. Sie gehört eindeutig zu meinen persönlichen Top-Zielen in Deutschland für einen Tagesausflug.

25 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

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Die Passage

Zur Insel Poel: Timmendorf

Tag 3. Den Wecker hatte ich auf 8 gestellt. Am Vorabend hatte der Hafenmeister gesagt, die Schlüssel für die Sanitäranlagen müsse ich bis 9:30 Uhr abgeben. Milch aufs Granola. In der Marina gewaschen. Schlüssel abgegeben. Den Shipping forecast abgeglichen: 05.10.2024, 03:26 UTC, Western Baltic An extensive high 1023 over northern Germany moves towards the area east of Latvia. light and variable winds, first coastal tog patches, sea 0,5 meter.

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Wismar – Timmendorf

Tag 3. Der Wecker stand auf 8. Am Vorabend hatte der Hafenmeister gesagt, ich müsse ihm die Schlüssel für die Sanitäranlagen um 09:30 zurückgeben. Milch über das Granola. In der Marina gewaschen. Schlüssel abgegeben. Dann noch ein Blick in den Shipping forecast:

05.10.2024, 03:26 UTC, Western Baltic
An extensive high 1023 over northern Germany moves towards the area east of Latvia.
light and variable winds,
first coastal tog patches,
sea 0,5 meter.


Kein Wind. Da lohnt es sich nicht einmal, die Segel zu setzen. In Navily suchte ich mir aus, wohin es gehen soll:
• Marina Timmendorf auf der Insel Poel, klein und mit Strand
• Marina Hohen Wieschendorf, klein und ruhig gelegen, dafür mit einem kleinen Italiener
• Marina Boltenhagen, recht groß, aber nicht mehr so ganz auf dem Weg
• Marina Poel im gleichnamigen Ort auf der gleichnamigen Insel, geräumig und bequem, aber weit ab vom Weg

Ich entschied mich für Timmendorf. Gemütlich unter Motor war ich in anderthalb Stunden dort. Unterwegs sah ich einen großen Schwarm Schwäne und den Kopf einer vorbeischwimmenden Robbe. Unweit der Marina liegt eine rot-weiße Tonne, die die Ansteuerung von See markiert. Auf die hielt ich zu. Etwa 70 Meter davor knallte es. Gefühlt sprang alles hoch, ich und die Wanten eingeschlossen. Offenbar lag in 1,6 Meter Tiefe ein Findling, den ich mit dem Kiel erwischt hatte. Innen ist nichts beschädigt. Ich hoffe, außen auch nicht.

Der Hafenmeister ist nur morgens und abends je eine Stunde da. Bis er kommt, muss man die öffentlichen Toiletten benutzen. Strom bezahlt man mit 50-Cent-Münzen am Automaten neben den Steckdosen. Ein netter Ort: jede Menge Imbissbuden, Cafés, Restaurants und Souvenirläden. In einem Bistro bestellte ich mir einen Burger, aber aus irgendeinem Grund war Remoulade drauf, die überhaupt nicht zum Fleisch passt. Am Nordufer gibt es einen Sandstrand, am Südufer einen steinigen. Läuft man ihn entlang, kann man auf die Steilküste steigen und durch den Wald zurückgehen. Dort spürte ich, dass ich mich endlich erholt und den täglichen Arbeitsstress abgeschüttelt hatte.

Am Abend fürchtete ich, der Elektroheizer würde den ganzen bezahlten Strom verbrauchen, und heizte die Yacht deshalb mit der Petroleumheizung von Wallas, die ich im Frühjahr repariert hatte. In weniger als einer Stunde war die Luft auf 23 Grad. Ich ging im Warmen schlafen.

6 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

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Die Passage

Rückkehr nach Lübeck

Tag 4. Um 6 aufgestanden. Granola, Zahnpasta, Shipping forecast, umziehen und den Motor anlassen. Der Atem dampfte nur so. Es fror leicht. 06.10.2024, 0316 UTC, Western Baltic light and variable winds, later SE 4, at times coastal fog patches, sea 0,5 meter. Ich lief aus und hielt mich so senkrecht wie möglich zur Küstenlinie, um nicht noch einen Stein zu erwischen.

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Timmendorf – Lübeck

Tag 4. Um 6 aufgestanden. Granola, Zahnpasta, Shipping forecast, umziehen und den Motor anlassen. Der Atem dampfte nur so. Es fror leicht.

06.10.2024, 0316 UTC, Western Baltic
light and variable winds, later SE 4,
at times coastal fog patches,
sea 0,5 meter.


Ich lief aus und hielt mich möglichst senkrecht zur Küstenlinie, um nicht noch einen Stein mitzunehmen. Volles Tuch gesetzt. Der Wind kam und ging. Trotzdem überholte ich aus irgendeinem Grund alle Boote ringsum. Ganz entspannt und ohne Zwischenfälle kam ich in der Marina an.

An diesem Tag waren es 26 Seemeilen. Den Track gibt es hier.

Damit endete meine kurze Reise durch die Lübecker und die Wismarer Bucht. Das Revier um Wismar hat mir gefallen. Mehrere kleine, malerische Marinas, jeweils ein paar Stunden Segeln voneinander entfernt. Ideal für einen Familienurlaub mit unerfahrener Crew – wenn man davon absieht, dass es von Lübeck aus 26 Seemeilen oder 6–8 Stunden unter Segeln sind.

Insgesamt kamen in 4 Tagen 88 Seemeilen zusammen. Das Wetter war zauberhaft, eher wie im Hochsommer als Anfang Oktober. Die Routenkarte findest du bei SailTies.

P.S. Dieser Post beschreibt den 6. Oktober, erscheint aber am 31. – an meinem 35. Geburtstag 🎂. Liebe Grüße aus Kopenhagen! Danke, dass ihr lest, kommentiert und reagiert. Eure Reaktionen und Rückmeldungen geben meiner ganzen Arbeit mehr Sinn und spornen mich an, mir immer größere Herausforderungen zu suchen und meine Art zu erzählen ständig zu verbessern. Ich hoffe, ihr lest meine Geschichten gern, und ich gebe mir Mühe, dass sie künftig noch spannender werden.

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Die Leinen sind los. Die Geschichte bleibt.

Dann kommen andere Gewässer.

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