← Alle Beiträge
Die Passage

Bagenkop – Grömitz

Tag 5. Laut Windy gibt es wenig Wind, und gegen Abend nicht einmal den. Schlimmer noch: Die nächsten zwei Tage sind praktisch windstill. Die einzige Hoffnung sind nächtliche Brisen. Ich stellte den Wecker auf 03:50, um mit dieser Hoffnung ein Stück weiterzukommen, verschlief aber und machte erst gegen fünf die Augen auf. Das Frühstück verschoben wir auf unterwegs.

Shipping Forecast verspricht stabile Bft 4. Ich schaue darauf, dann auf Windy. Einer von beiden lügt. Oder der Shipping Forecast meint die Vorhersage für die Nacht.

30.08.2024, 02 GZ, Western Baltic
NW, Bft 4, backing↺ W, decreasing⇩ to light later
on East locally showers⛆ squals


06:00. Wir legen ab. Mit uns verlassen noch etwa 4 Crews die Marina. Die Insel Langeland im Rücken, gehen wir auf Kurs. Der Windmesser zeigt 8 Knoten Wind, die Logge 3,8 Knoten Fahrt. Wir beschließen, den Spinnakerbaum zu setzen. Anton meldet sich begeistert, die ganze Arbeit allein zu machen. Mit ausgebaumter Genua gewinnen wir 0,5 Knoten.

Zum Frühstück gibt es Granola mit Milch, und ich erkläre Anton, wie man den Spinnaker im Salon klariert. Dann öffnen wir die Vorluke, rollen die Genua ein und führen Achterholer und Spinnakerfall unter die Luke, um sie an den Segelecken anzuschlagen. Als alles bereit ist, heißen wir ihn zügig. Das bringt noch einmal 0,5 Knoten obendrauf. Inzwischen sieht man bei allen Seglern ringsum Spinnaker.

Obwohl wir die Ostsee zwischen Dänemark und Deutschland überquerten, kamen wir nie in die Lage, dass auf keiner Seite Land zu sehen war. Dafür liefen wir mit dem Spinnaker richtig gut und holten nach und nach die Yachten vor uns ein. Eine davon fand ich besonders interessant. Ich war überzeugt, dass sie eine Frauencrew an Bord hatte, die etwa 20 Minuten vor uns aus Bagenkop ausgelaufen war. Auf gleicher Höhe waren wir erst in deutschen Gewässern bei Fehmarn. Zu meiner Überraschung steuerte ein Opa das Boot. Von Frauen keine Spur. Dafür begleitete uns ein Paar Schweinswale vor dem Bug.

Es ist 12:00. Anton schlägt vor weiterzusegeln. Mir ist das recht. So unterqueren wir unter Spinnaker die Brücke. Mit dem mitlaufenden Strom kommen wir auf fast 6 Knoten und überholen alle Boote ringsum. Unter Spi zu segeln ist ein Vergnügen: So viel Wind der Windmesser anzeigt, so viel Fahrt steht auf der Logge.

Gegen 18 Uhr werfen wir vor Grömitz Anker und prüfen mit Rückwärtsfahrt, ob er hält. Zum Abendessen gibt es Instant-Kartoffelbrei, Räucherwurst und Schiffszwieback. Wir verabreden, um 22:00 in die Nacht aufzubrechen. Mit der nächtlichen Brise haben wir eine Chance, Lübeck zu erreichen, bevor die Flaute kommt. Wecker gestellt, ab ins Bett.

47 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

#Passage
Original und DiskussionBeitrag in Telegram öffnen ↗