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Die Passage

Ærøskøbing – Bagenkop

Tag 4. Aufstehen um 05:50. Die Strecke ist kurz – da ist eine Stunde mehr Schlaf drin. Morgens das übliche Programm: 3-in-1-Kaffee, Granola, Milch, Thermoskanne und Wasserkessel rausholen, dann Notizen zum Shipping Forecast.

29.08.2024, 0306 UTC, Belts and Sound
H1029 from English Channel to Western Baltic Sea
SE veering↻ NW, Bft 4 for a time decreasing⇩ a little
later thundery↯ gust, sea 0.5 meter


An Deck genieße ich eine leichte Brise, die genau Richtung Hafenausfahrt weht. Ich würde gern ohne Motor ablegen. Nach ein paar Minuten Überlegen beschließe ich, es zu wagen. Wir lösen die Bugleinen und geben dem Boot mit sanftem Zug an den Heckleinen den Schwung aus der Box. Ich drehe vor den Wind und lasse ein kleines Stück Genua raus. In völliger Stille gleiten wir an den Nachbarbooten vorbei hinaus aufs offene Meer.

Anton geht in den Salon hinunter zu seiner Online-Deutschstunde. Ich rolle die Genua aus und gehe auf Kurs. Westlich der Insel Langeland zu segeln ist unheimlich: überall Flachwasser und große Steine unter der Oberfläche. Um abzukürzen, querte ich eine dieser flachen Stellen mit 3 Metern Tiefe. Ohne Zwischenfälle.

Am Fahrwasser musste ich den Motor anwerfen, weil der Südostwind genau von vorn kam und die Segel nur noch killten. Vor Marstal war die ganze Wasseroberfläche mit Schwänen übersät. Ein herrliches Bild. Je näher wir der Stadt kamen, desto mehr duftete die Luft nach Räucherfisch. Grigori vom Meerbär erzählte mir später, dass es dort eine der besten Räuchereien gibt, die ihm je untergekommen sind.

Leider wurde der Wind immer schwächer, je weiter wir kamen. Anton schlug vor, die Flaute einfach zu genießen. So trieben wir fast 4 Stunden auf einem Meer, das aussah wie eine Ölpfütze. Wir knabberten Chips zu dänischer Apfelschorle, ich las ein Buch, später gab es Suppe mit Schiffszwieback. Immer wieder motorten Yachten an uns vorbei Richtung Bagenkop. Das beunruhigte mich, und ich beschloss, es ihnen nachzumachen.

Im Ort waren kaum noch Liegeplätze frei. Wir hatten Glück und fanden die letzten drei schmalen Boxen, je 2,9 Meter breit. Obwohl Schilder mit der Breite dranstanden, wurde am Automaten nach Länge bezahlt. Strom ist im Preis inbegriffen, Duschen unbegrenzt. Vom Turm an der Marina beobachteten wir, wie ankommende Yachten nach einem Platz suchten. Einer versuchte, sich in die Box neben uns zu quetschen, passte aber nicht zwischen die Holzpfähle; ein anderer fragte die Nachbarn und ging bei ihnen längsseits; und mancher zog unverrichteter Dinge wieder ab.

Viel zu tun gibt es nicht. Ein Dorf eben. Dafür ist der Strand nah. Wir besuchten die katholische Kirche und aßen Instant-Kartoffelbrei mit Räucherwürstchen.

22 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

#Passage
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