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Die Passage

Reise durchs Skagerrak. Teil 10. Eine neue Etappe


Wieder in Schweden.

28. Juni 2026. Von Fredrikstad liefen wir Richtung Strömstad aus. Fast die ganze Passage segelten wir gegen den Wind, hoch am Wind und kreuzend. Welle gab es kaum, die Sonne brannte, und so war die Passage trotz der Windrichtung überraschend angenehm.

Das Fischereigerät war natürlich immer noch da. Manchmal lagen vier hintereinander, und an Entspannung war kaum zu denken: Du entdeckst eine Boje, suchst sofort die zweite und versuchst herauszufinden, wo dazwischen das Netz verläuft.

Irgendwann musste ich weiter auf See hinaus, um einen besseren Winkel zum Wind zu bekommen und möglichst lange auf einem Bug zu bleiben. Parallel zu uns segelte eine andere Yacht mit fast mittschiffs dichtgeholtem Großsegel und Selbstwendefock.

Wir überholten sie. Nach einer Weile wendete ihr Skipper, holte Abstand heraus und hielt wieder auf die Küste zu. So hoch an den Wind wie die Rassvet kam sein Boot nicht, also fiel er etwas ab, nahm Fahrt auf und kreuzte unseren Kurs etwa fünfzig Meter vor unserem Bug.

Dann machte er dasselbe noch einmal.

Und beim dritten Mal hielt er nach der Wende direkt auf uns zu.

Ich hatte schon das Horn in der Hand. Der Abstand schrumpfte, und seine Absichten wurden ungefähr null Komma null klarer. Etwa fünfzehn Meter vor uns fiel er endlich scharf ab, fast auf Raumschotskurs, und ging hinter unserem Heck durch.

Seit diesem Tag habe ich gewisse Vorurteile gegen Selbstwendefocks. Vielleicht völlig ungerechtfertigt. Aber wenn es jemanden nichts kostet, jede halbe Stunde zu wenden, müssen alle anderen ringsum die Folgen dieser Bequemlichkeit im Auge behalten.

Ein neuer Rhythmus

Ich wäre gern noch einen Tag im kostenlosen Fredrikstad geblieben, aber die Vorhersage kündigte eine deutliche Wetterverschlechterung an. In Strömstad wollten wir drei Nächte bleiben und den Starkwind abwettern. Außerdem hoffte ich, dass Schweden nach Norwegen etwas günstiger sein würde.

Aber die größte Prüfung der nächsten Tage sollte nicht der Wind werden.

Mein Urlaub war zu Ende.

Der ursprüngliche Reiseplan war um ein ziemlich fragwürdiges Experiment herum gebaut. Die ersten zwei Wochen Urlaub sollten dazu dienen, weit nach Norden zu kommen. Danach wollte ich drei Wochen remote arbeiten und mich in kurzen Passagen langsam zurückbewegen. Und dann blieben noch einmal zwei Wochen Urlaub für richtiges Segeln und die Rückkehr nach Kiel ohne Wettlauf gegen die Zeit.

Jetzt fingen genau diese drei Wochen an.

Von 7:00 bis 16:00 muss ich arbeiten. Danach kann ich den Laptop zuklappen, die Leinen loswerfen und noch 10–25 Meilen bis zum nächsten Liegeplatz schaffen. Vielleicht nicht jeden Tag, denn die Aussicht, mehrere Wochen am Stück jeden Arbeitstag mit einer Passage zu beenden, verliert schnell ihre Romantik.

Ich hatte ein bisschen Lampenfieber. Bisher war die Yacht entweder Verkehrsmittel oder Urlaubsort gewesen. Jetzt sollte sie auch noch mein Büro werden.

Starlink

Genau für diesen Teil der Reise hatte ich Starlink gekauft. Meine Flatrate kostete 99 Euro im Monat, und ich war damit beim Arbeiten an keine bestimmte Marina gebunden.

In den folgenden Wochen kam eine kleine Statistik zusammen:

• Download meist 100–150 Mbit/s;
• Upload um 20 Mbit/s;
• Ping 30–50 ms;
• in einer vollen Arbeitswoche verbrauchte ich etwa 100 GB Datenvolumen;
• ab und zu fror die Verbindung für zwei, drei Sekunden ein;
• schon zwei parallele Videokonferenzen konnten das Netz ins Stocken bringen, deshalb stimmten Nastja und ich wichtige Calls vorher miteinander ab.

Ansonsten lief das System so gut, dass es ziemlich schnell nichts Besonderes mehr war. Morgens klappte ich den Laptop im Cockpit oder in der Kajüte auf und wählte mich in die Meetings ein, ungefähr so wie von zu Hause.

Den Strom bezog ich über einen 12-Volt-Anschluss. Nach meinen Beobachtungen lag der Verbrauch bei bis zu etwa 5 A, sodass Starlink ein spürbarer Posten in der Energiebilanz des Bootes wurde. Einfach die Antenne aufstellen und vergessen ging nicht, vor allem an bewölkten Tagen, wenn die Solarpaneele weniger lieferten.

In Strömstad kamen wir nicht mehr nur als Reisende an, die den nächsten Sturm abwettern.

Am nächsten Morgen um sieben musste ich bei der Arbeit sein.

#Passage
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