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Und das alles, so schien es, nur, um die Randbezirke nach einem Genuaschlitten für 200 Euro abzuklappern, der dann auch noch nicht ordentlich in die Schiene wollte.
Unersättlich, wie ich bin, wollte ich mich wenigstens in den Museen schadlos halten und die kulturelle Größe der nordischen Hauptstadt spüren. Allerdings war ich schon vor ein paar Jahren in Oslo gewesen und hatte das Nationalmuseum, das Munch-Museum und das Astrup Fearnley besucht. Deshalb fuhr ich diesmal nach Bygdøy, wo drei weitere Museen liegen.
Norsk Folkemuseum entpuppte sich als Kleinstadt mitten in der Großstadt. Dort sind Häuser und Interieurs aus verschiedenen Epochen versammelt, von alten Bauernhöfen bis zu Wohnungen, Läden, Tankstellen und mehrstöckigen Straßentoiletten.
Im Fram-Museum steht mitten im Gebäude das echte hölzerne Polarschiff, mit dem Nansen, Sverdrup und Amundsen unterwegs waren. Man kann an Bord gehen und sich ansehen, unter welchen Bedingungen Menschen dorthin aufbrachen, wo auf der Karte noch viel zu viel Weiß war.
Am meisten gepackt hat mich aber die „Kon-Tiki“.
Die Geschichte von Thor Heyerdahl hatte ich erst einen Monat zuvor zum ersten Mal von Grischa gehört, als wir mit zwei Yachten durch Dänemark segelten. Damals klang sie wie ein gutes Seemannsgarn, das ruhig ein bisschen unglaubwürdig sein darf. Jetzt lag das Floß selbst vor mir.
Heyerdahl stellte die Hypothese auf, dass Polynesien nicht nur von Menschen aus dem Westen besiedelt worden sein könnte, sondern auch von Leuten aus Südamerika. Die Wissenschaft nahm die Idee ohne große Begeisterung auf. Einer der Einwände lautete, dass man mit den Wasserfahrzeugen, die den Menschen damals zur Verfügung standen, den Pazifik schlicht nicht überqueren könne.
Heyerdahl beschloss, auf eine Weise zu antworten, die in keine gewöhnliche wissenschaftliche Debatte passt: ein Floß bauen und es ausprobieren.
Er trommelte fünf weitere Männer zusammen, bekam vom US-Militär Funkgeräte und Trockenrationen, holte sich in Peru die Unterstützung des Präsidenten persönlich und baute ein Floß aus Balsastämmen. 1947 lief die Crew mit einem Rahsegel, einer kleinen Hütte an Deck und einem Papagei aus dem Hafen von Callao aus. Nach 101 Tagen erreichten sie das Atoll Raroia in Französisch-Polynesien.
Im Museum liegt ein Nachbau der „Kon-Tiki“ in Originalgröße. Im Grunde ist es ein Floß aus zusammengebundenen Stämmen, einer winzigen Hütte und einem Segel. Auf so einem Gebilde verbrachten sechs Menschen mehr als drei Monate auf dem Pazifik, gerieten in Stürme, begegneten Haien und stellten regelmäßig fest, dass das nächste Problem in der Konstruktion nicht vorgesehen war.
Heyerdahl hat über seine Reise ein Buch geschrieben, und nach dem Museum bekam ich Lust, es zu lesen. Weniger wegen seiner Theorie als wegen des Alltags auf der Passage. Mich interessiert, ab wann die Teilnehmer, denen alle einen qualvollen Tod vorhergesagt hatten, die Expedition nicht mehr als wissenschaftliches Experiment sahen, sondern begriffen, dass sie jetzt einfach irgendwie ankommen mussten.
Am Ende der Ausstellung saß eine Wachsfigur des alten Heyerdahl. Normalerweise wirken solche Figuren etwas peinlich. Aber nach dem Floß, den Fotos und der Geschichte der Überfahrt stand ich lange davor und betrachtete einen Menschen, in dem sich auf erstaunliche Weise akademische Wissenschaft und waghalsiges Abenteuer vereinten.
Abends kam ich müde und völlig erledigt zurück auf die Rassvet.
Nastja sah mich an und sagte:
„Irgendwie habe ich hier genug. Ich will so schnell wie möglich abhauen.“
„Legen wir jetzt ab?“
„Ja, los.“
#Passage