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Die Passage

Reise durchs Skagerrak. Teil 4. Munkholmen und Dannemark

Reise durchs Skagerrak. Teil 4. Munkholmen und Dannemark

Hafenhandbuch und Versuchung


Als wir in Grenaa lagen, schrieb mir ein Nachbar eine Liste mit 12 Orten an der schwedischen Westküste, die er anlaufen würde. Außerdem lieh er mir das Hafenhandbuch Hamnguiden 5 von Hanne und Jørn Engevik.

Das Hafenhandbuch erwies sich als gefährliches Ding. Im guten Sinne. Auf den Luftbildern sah man Schären, Ansteuerungen, Wassertiefen, Boote als Maßstab und Festmacherringe, die direkt in den Fels gesetzt waren. Mal konnte man dort beim Liegen am Ufer die Leinen belegen, mal das Boot daran abspannen. Alles sah so einleuchtend aus, dass ich schnell Lust bekam, an einer dieser Felseninseln festzumachen.

Am 19. Juni segelten wir eine ruhige Passage von 16 Seemeilen zu einer Schäre namens Munkholmen.

Erster Versuch


Zuerst steuerten wir die nördlichen Ringe an. Ein stiller, geschützter Platz, kein Wind, sehr malerisch. Genau mit solchen Bildern wird einem die Idee vom Festmachen am Fels verkauft.

Aber in der Nacht sollten Böen aus Süd mit etwa 20 Knoten kommen, also rutschte die Schönheit schnell auf Platz zwei. Platz eins blieb die Sicherheit des Liegeplatzes.

Ich stieg auf den Fels über und bemerkte sofort den ersten Nachteil: Fast die ganze Fläche war mit Vogeldreck bedeckt. Man bewegte sich wie durch ein Minenfeld.

Wir brachten Bug- und Heckleine aus. Das Boot lag etwa einen halben Meter vom Fels entfernt, aber näher heranziehen ließ es sich nicht. Warum, verstand ich nicht sofort. Dann kam von irgendwoher eine kleine Welle, und statt sanft zu schaukeln, richtete sich das Boot ruckartig auf. Die Fallen schlugen gegen den Mast.

Das war ein sehr teures Geräusch.

Offenbar lag der Kiel seitlich an einem Granitvorsprung an und berührte ihn in der Welle. Das reichte, damit der Platz im Norden für die Nacht nicht mehr infrage kam.

Zweiter Versuch


Danach verholten wir zu den südlichen Ringen und spannten das Boot dort ab. Zwischen den Ringen lag eine Mulde, deshalb berührten nur Bug und Heck den Fels. Die Fender an diesen Stellen wirkten eher dekorativ als schützend. Bei ruhigem Wetter konnte man das noch hinnehmen. Bei Schwell in der Nacht wollte ich lieber nicht testen, wie überlegen der gelbe Rumpf einem Granitfelsen von der Höhe eines fünfstöckigen Hauses wirklich ist.

Wir beschlossen, ein paar Stunden zu bleiben, aber nicht über Nacht.

Liegeplatz für den Tag


Danach wurde es fast genau das, wofür solche Schären überhaupt existieren. Ich ließ die Drohne fliegen. Nastja zeichnete. Wir aßen Obstsalat mit Joghurt und veranstalteten einen Grundkurs für Nachwuchsangler.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich eine Spinnrute, einen Wobbler und einen Blinker in der Hand. Nastja entpuppte sich als erfahrene Anglerin und zeigte mir, wie man die Rute hält, wie man auswirft und worin sich ein Blinker von einem Wobbler unterscheidet. Gefangen haben wir nichts, aber ein paar kleinen Fischen bin ich ordentlich auf die Nerven gegangen. Das Set von AliExpress für 35 Euro funktioniert. Die Fische halten noch die Stellung.

Als die Sonne unterging, kühlte der Fels schnell ab. Aus kleinen Spalten krochen große Tausendfüßer, anderthalb Finger breit und mit Chitinpanzer. Damit bekam der Liegeplatz eine psychologische Zugabe.

Ich stellte mir vor, wie sie über die Leinen an Bord krabbeln. So überzeugend, dass ich vorschlug, die Leinen loszuwerfen und in die kleine Bucht Dannemark bei der Insel Ulön zu verholen.

Die Variante für die Nacht


In der Bucht gab es fünf Festmacherbojen. Vier waren schon belegt, von Booten unter norwegischer, schwedischer, französischer und dänischer Flagge. Unsere deutsche Flagge machte die kleine internationale Runde komplett.

Wir nahmen die freie Boje. Nach dem Fels vertraute ich ihr deutlich mehr als einem Anker auf unbekanntem Grund. Anchor Alarm auf dem Handy habe ich trotzdem eingeschaltet.

Nachts frischte es ordentlich auf, und ich stand mehrmals auf, um die Peilung zu prüfen und sicherzugehen, dass wir an Ort und Stelle blieben. Irgendwann dachte ich sogar, dass ich zur Beruhigung lieber zwei Leinen statt einer an der Boje hätte festmachen sollen. Vielleicht war das schon übervorsichtig.

Die Nacht verlief entspannt.

Die praktische Lehre aus Munkholmen ist einfach: Festmacherringe im Hafenhandbuch ersetzen nicht den prüfenden Blick vor Ort. Du musst die Wassertiefe unter dem Kiel checken, die Form des Felsens, die Windrichtung in der Nacht, wie die Fender arbeiten und wie sich das Boot verhält, und zwar nicht in perfekter Stille, sondern bei einer zufälligen Welle.

#Passage
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