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Die Passage

Durch das Wattenmeer. Teil 7. Wangerooge – Norderney

Durch das Wattenmeer. Teil 7. Wangerooge – Norderney

Die Dieselfrage

9. August 2025. Am Vortag waren alle 30 Liter aus den Kanistern in den 40-Liter-Dieseltank gewandert. Um das Tanken mussten wir uns also bald kümmern.

Wir liefen um 10 Uhr aus, drei Stunden vor Hochwasser. Das Ablegen war nicht einfach: Auf beiden Seiten lagen Boote. Wir mussten uns an einer Leine verholen, um das Heck um 45 Grad herumzubringen. Zum Glück halfen die Nachbarn.

Entlang der Sandbänke

Zwischen Wangerooge und Spiekeroog fällt die Tiefe auf einen halben Meter. Karte und Tonnen stimmen nicht immer überein, deshalb fuhren wir sehr vorsichtig an den roten Tonnen entlang. Ohne Zwischenfälle kamen wir auf See. Leichter Südwestwind, wolkenloser Himmel. Segel hoch, Motor dazu, Kurs gesetzt, Autopilot an, T-Shirts aus und ab ins Cockpit.

Minimalziel: Spiekeroog, Maximalziel: Norderney. Ich glich ständig Geschwindigkeit, ETA und Gezeitentabelle ab. Alles sprach dafür, dass wir Norderney schaffen. Die Passage war ruhig: Eine Insel verschwand achteraus, voraus wuchs die nächste aus dem Meer, und so immer weiter.

31 Seemeilen in 6,5 Stunden.

Ankunft und das Diesel-Dilemma

In Norderney stand sofort eine To-do-Liste an: Diesel, Wasser, Route. Für den Liegeplatz zahlten wir €20. Auf die Frage nach Diesel antwortete der Hafenmeister: nur in Kanistern, nur B7 (also mit Bioanteil). Biodiesel will ich aber eigentlich nicht im Tank haben.

Wir gingen zu Edeka, kauften jeder ein Brötchen und Wasser und setzten uns an die Tische. Ich öffnete Google Maps, ChatGPT, Navionics … Den letzten Diesel ohne Bioanteil hatte es in Cuxhaven gegeben. Das nächste GTL (Gas-to-Liquid) gibt es in Lauwersoog in den Niederlanden.

Zurück an Bord erzählte ich den Nachbarn von meinem Problem. Ihr Rat war ein echtes Geschenk: über Delfzijl in die Niederlande, durch Groningen und in Lauwersoog wieder raus. An einem Tag machbar, der Mast muss nicht gelegt werden, und Wind ist in den Kanälen kein Problem. Das hat mich begeistert. Die Kanäle waren schon lange mein Traum. Fehlte nur noch die rot-weiß-blaue Gastlandflagge. Der Hafenmeister hatte genau so eine – für €5. Holland, wir kommen!

Stadt und Fest

Danach ging es zum Abendspaziergang. Auf einer Wiese Dutzende Hasen, daneben grasten Pferde, und zwischen ihren Beinen hoppelten noch mehr Langohren herum. Ein lustiger Anblick. Im Zentrum war Weinfest. Die deutschen Würstchen kamen gerade recht. An der Promenade färbte der Sonnenuntergang das Wasser, und die Stadt wirkte besonders gemütlich: viele Cafés und Restaurants, leichtes festliches Treiben.

Tee auf ostfriesische Art

Im Laden kaufte ich Kluntjes – Kandiszucker, eine lokale Spezialität. Ostfriesland ist für seine Teekultur berühmt. Es heißt, Hitler habe versucht, das Land auf Kaffee umzustellen, aber die Friesen hätten so lautstark rebelliert, dass er sie lieber in Ruhe ließ. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber die Geschichte ist hübsch.

Das Teeritual ist einfach: Man brüht eine kräftige Mischung aus Assam und Darjeeling auf und gießt sie in eine Tasse, auf deren Boden ein Kluntje liegt; obendrauf kommt vorsichtig eine Schicht Sahne. Umrühren ist verboten. Man trinkt in Schichten: erst die Sahne, dann den herben Tee, dann die Süße. Und die wichtigste Regel: drei Tassen hintereinander. Unter drei machen es die Friesen nicht.

#Passage
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