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Planung und Auslaufen
8. August 2025. Wind 5 Beaufort aus Südsüdwest. Alle friesischen Inseln liegen im Südwesten, und die Morgenflut drohte das Boot noch weiter nach Osten zu versetzen. Dazu musste ein Verkehrstrennungsgebiet gequert werden. Keine einfache Passage.
Ziel: Wangerooge, 30 Seemeilen südlich. Alles weiter westlich war schon nicht mehr zu schaffen. Wir mussten so hoch am Wind laufen wie nur möglich. Laut den Bewertungen auf Navily kommt man dort nur von −2 bis +2 Stunden um Hochwasser hinein. Und Hochwasser war um 12:04. Bei 5 Knoten hätten wir um sechs Uhr morgens los müssen. Aber wir würden kreuzen müssen. Und schlafen mussten wir auch noch. Um 04:40 verließen wir Helgoland.
Die Passage
Die Sonne ging strahlend auf. Der Wind erreichte bis zu 24 Knoten. Großsegel im zweiten Reff, Genua im ersten. Etwa anderthalb Meter Welle, bis zu 30° Krängung. Das Boot lief 6 Knoten, und es kam sogar das Gefühl auf, Wangerooge sei doch zu schaffen. Das GPS bestätigte die Hoffnung.
Doch der Strom nahm zu, und wir wurden immer weiter nach Osten versetzt. Also Motor an, um höher an den Wind zu kommen.
Ansteuerung
Gegen elf kam die Einfahrt in Sicht. Autopilot aus, Steuern von Hand. Die Route führte an Lateralzeichen entlang. Hinter der Sandbarre gab ich die Pinne an Kolja ab und kümmerte mich ums Großsegel. Den Weg in die Marina markierten Pricken, in den Grund gesteckte Zweige: Zweige nach oben – rot, nach unten – grün. Gleich daneben schwamm in aller Ruhe ein Seehund an uns vorbei.
Der Hafen war rappelvoll. Auf dem Steg ruderte ein Mann mit den Armen und wies die Ankommenden ein. Nach fünf Minuten zeigte er uns das Boot, an dem wir längsseits gehen sollten. Etwas später machte ein drittes Segelboot neben uns fest, und wir kamen mit seinem Eigner ins Gespräch.
Die Geheimnisse des Watts
Der Eigner gab zu, dass er fast nie auf die Nordsee hinausgeht. Zwischen Festland und Inseln gibt es eine ganz eigene Welt – das Wattenmeer. Unterwegs sein kann man dort nur mit der Flut, dafür gibt es kaum Welle und kaum starken Wind. Aber die Yacht muss besonders sein: höchstens 90 cm Tiefgang und eine Kühlung über einen Außenkreislauf, sonst setzt das sandige Wasser den Motor zu. Solche Boote baut man in den Niederlanden.
Wasser im Salon
Als ich in die Kajüte hinunterstieg, sah ich den nassen Teppich. Mir lief es kalt den Rücken hinunter: Zu frisch war noch die Geschichte mit dem Wassereinbruch. Ich nahm eine Probe. Salzig. Das Wasser stand unter beiden Kojen. Während ich lenzte, suchte Kostja nach der Ursache. Der Übeltäter war die Stopfbuchse der Welle. Durch sie sickerte Wasser in einem dünnen Rinnsal in den Raum unter dem Motor. Bei Krängung sprang die Pumpe nicht immer an, und ein Teil lief in den Salon über. Vor Ort lässt sich das nicht reparieren. Die Lösung ist provisorisch: den Pegel im Auge behalten und die Stopfbuchse im Winter tauschen. Hauptsache, wir gehen vorher nicht unter.
Die wandernde Insel
Die Nacht kostete 22 Euro. Zwei Toilettenkabinen und zwei Duschen mit unbegrenzt Wasser. In den Ort sind es 5 km zu Fuß oder mit dem Fahrrad, das man gleich vor Ort leihen kann. Oder man steigt am Hafen in die winzige Inselbahn. Autos sind verboten.
Wangerooge sieht aus wie endlose Felder, zwischen denen drei Leuchttürme stehen. Der älteste, ein Backsteinturm aus dem 19. Jahrhundert, dient heute als Aussichtsturm und … als Trauzimmer.
Der Weg über die Pfade war erstaunlich schön. Hasen zupften gleich neben uns Gras und beachteten uns gar nicht. Und noch eine Besonderheit: Jeder Sturm trägt den Westteil ab und spült im Osten Sand an. Die Insel steht nicht still – sie wandert ständig.
#Passage
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