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Die Passage

Durch das Wattenmeer. Teil 5. Helgoland

Der große Knall
Im 19. Jahrhundert gehörte Helgoland zu Großbritannien und diente als Flottenstützpunkt. 1890 wurde es gegen deutsche Kolonien in Afrika getauscht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel zur Seefestung. Nach dem Krieg versuchten die Briten, die Befestigungen dem Erdboden gleichzumachen: 1947 wurden 6700 Tonnen Sprengstoff in den Fels gepackt. Die Sprengung ging als Operation „Big Bang“ in die Geschichte ein – die größte nichtnukleare Explosion Europas. Doch die Insel hielt stand, zurück blieben nur riesige Krater auf dem Oberland.

Die rote Perle der Nordsee
Gleich nach dem Anlegen machten wir uns daran, Helgoland gegen den Uhrzeigersinn zu erkunden. Zuerst kamen ein Sandstrand und eine gewaltige Wand aus rotem Sandstein. Wie immer zog ich die Schuhe aus und ging barfuß. Die Leute ringsum suchten etwas. Ich ging zu einer Frau und fragte, was sie da machen. Es stellte sich heraus, dass man hier einzigartigen roten Feuerstein finden kann. Sofort packte uns das „Goldfieber“, und der Blick wanderte ständig nach unten.

Am Ende des Strandes führte eine Treppe nach oben. Von dort sahen wir grüne Hügel und einen Pfad. Nach etwa 10 Minuten tauchte die Nordspitze mit einer 47 Meter hohen Felssäule auf – die Lange Anna. Das Wahrzeichen Helgolands, beliebt bei Touristen und … bei Vögeln.

Hier liegt einer der wichtigsten Orte Nordeuropas, um Zugvögel zu beobachten. Im Herbst rasten hier Hunderttausende auf ihrem langen Flug von Sibirien nach Afrika. Selbst im August summte die Küste vor Leben. Auf der Westseite empfingen uns Kolonien von Basstölpeln. Diese großen Vögel fliegen bis zu 100 km/h schnell und tauchen 40 Meter tief nach Fisch. Es waren so viele, dass man die Hand ausstrecken und sie berühren konnte.

Der Ort
Hinter dem Leuchtturm beginnt der Ort. Enge Gassen, Häuser im norddeutschen Stil, eine Stille, die nur vom Geschrei der Möwen und vom Rauschen der Brandung unterbrochen wird. Autos gibt es hier per Gesetz nicht. Weiter hinten werden die Straßen zu einer endlosen Reihe von Läden und Restaurants. Helgoland ist zollfrei: Die Preise liegen 19 % niedriger, und für Alkohol und Zigaretten kommen bis heute Fähren aus Hamburg herüber.

Am Straßenrand stand ein Schulmädchen und verkaufte Steinchen – genau die aus rotem Feuerstein. Ganz allein, aber mit sturer Zuversicht. Ich blieb wie von selbst stehen, und eine Minute später steckte ein Stein für drei Euro in meiner Tasche.

Düne
Am Abend brachte uns die Fähre in fünf Minuten zur Nachbarinsel Düne. Eine Sandinsel, die ständig ihre Form ändert. Feste Einwohner gibt es nicht: nur Strände, ein paar Cafés und einen Sonnenschirmverleih. Der Abendspaziergang endete mit einer unerwarteten Begegnung. Direkt am Strand lag eine Gruppe Robben. Sie beobachteten die Menschen träge, ohne sich zu rühren. Ein seltener Moment ganz nah an der wilden Natur – danach kann man gar nicht anders, als sich in diesen Ort zu verlieben.

Unangenehme Überraschung
Ganz ohne kleinen „Fuckup“ ging es nicht. Auf Passagen benutze ich oft Wärmepads für die Füße. Eines riss beim Anlegen, und der Inhalt, der wie Sand aussah, verteilte sich übers Deck. Erst schien das eine Kleinigkeit. Doch später zeigten sich Rostflecken. Der „Sand“ war Eisenpulver, das sich sofort in den Lack fraß. Mit Wasser ging es nicht ab. Darum muss ich mich dann in Kiel kümmern.

#Passage
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