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Die Passage

Durch das Wattenmeer. Teil 2. Rendsburg – Glückstadt

Nord-Ostsee-Kanal
2. August 2025. Ablegen in Rendsburg um 07:30. Gleich zu Beginn der Blick auf riesige Reparaturdocks. Etwas weiter die Brücke mit der Schwebefähre. Ich hätte sie zu gern in Aktion gesehen, aber die Ampel zeigte Rot.

Nach einer Weile fiel mir etwas Merkwürdiges auf: Das Wasser im Kanal hatte die Farbe gewechselt. Das Smaragdgrün wich nach und nach einem weinroten Ton. Wir hatten die Kanalmitte passiert, und es kam mir vor wie das erste Zeichen, dass wir uns der Nordseenähern. Das dichte Grün vor dem dunklen Wasser sah eindrucksvoll aus.

Gegen zwei Uhr nachmittags erreichten wir die Schleusen. Anders als im Osten gibt es hier zwei Paare – für große und für kleine Schiffe. Etwa eine Stunde warteten wir auf die Öffnung. Zuerst das grüne Signal – die Lastkähne fahren ein. Dann wechselt das Licht auf Weiß, und die Yachten dürfen hinterher. Der Schleusenwärter wartet geduldig, bis alle drin sind, und schließt erst dann das Tor. Auf der anderen Seite fahren die Schiffe streng der Reihe nach aus: zuerst die erste Yacht, dann eine nach der anderen.

Elbe
Kaum waren wir aus der Schleuse, schlug uns ein kräftiger Westwind entgegen. Das fiel mit Niedrigwasser zusammen: Die Flut drängte nach Osten Richtung Hamburg. Die Welle stieg auf anderthalb Meter. Das Meer empfing uns hart, und direkt dagegen anzukämpfen hatte keinen Sinn. Wir beschlossen, mit dem Strom nach Osten zu laufen. Genua hoch, und das Boot machte 8 Knoten – eine Seltenheit für diesen Rumpf. Am Abend erreichten wir Glückstadt.

Das Anlegen war spannend: Der Strom war so stark, dass das Boot bei langsamer Fahrt auf der Stelle stand. Wir konnten drehen und einen Ferry Glide fast wie aus dem Lehrbuch fahren. An Land empfing uns der Hafenmeister und nahm 12 Euro für die Nacht. An diesem Tag: 50 Seemeilen in 10 Stunden.

Unverhoffte Begegnung
Neben uns lag ein Boot, auf dem ein junger Mann Russisch sprach. Ihr Motor war gleich nach dem Kanal ausgegangen, und sie hatten unter Segeln anlegen müssen. Er wartete auf einen Mechaniker, und wir kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er in Lübecküberwintert hatte, nicht weit von meiner Marina, und in diesem Winter seinen Saildrive repariert hatte. Da machte es bei mir klick: Genau letzten Winter hatte ich einem Bekannten eine Werkstatt und ein paar Marinas in der Nähe empfohlen. Ich frage: „Sag mal, ist das nicht zufällig dein Kumpel?“ Er nickt: „Ja, wir segeln zusammen. Er ist gerade nach Berlin gefahren“. Einen Moment lang konnte ich es nicht glauben. Solche Zufälle scheint das Meer absichtlich einzustreuen, um uns zu erinnern: Der Kreis der Leute hier ist ziemlich klein.

Die Stadt des Glücks
Glückstadt – eine kleine, gemütliche Stadt mit reicher Geschichte. Sie wurde 1617 als Hafen an der Elbe unterhalb von Hamburg gegründet und hat sich seither das Gesicht einer alten Handelsstadt bewahrt. Enge Gassen, Giebelhäuser, Kanäle. Viele Lokale tragen das Wort Glück im Namen. Wir spazierten über die Promenade und durch die Altstadt und schauten in den Park, der einst ein königlicher Garten war. Ein Abendessen im Dönerladen um die Ecke beschloss den Tag.

Manöverkritik
Das Tidenrevier beginnt direkt hinter den Schleusen, und das solltest du ernst nehmen. Der Strom erreicht 3–4 Knoten, die Welle bis zu 2 Meter. Schon vor dem Auslaufen aus dem Kanal heißt es: Vorhersage und Gezeitentafeln prüfen, Zeitpunkt und Ziel wählen. Unser Glück, dass wir rechtzeitig auf die Idee kamen, nach Glückstadtauszuweichen, aber auf Zufall darf man sich in solchen Gewässern nicht verlassen.

#Passage
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