← Alle Beiträge
Die Passage

Durch das Wattenmeer. Teil 1. Kiel – Rendsburg

Am 1. August 2025 begann eine neue Route: hinaus auf die Nordsee zu den Inseln des Wattenmeers. In der Marina meinten die Nachbarn: „Da fahren wir nicht hin, viel zu gefährlich“. Aber mich selbst auf die Probe zu stellen reizte mich mehr, als mir die Ängste anderer anzuhören.

Was ist das Wattenmeer?
Das Wattenmeer – das sind Flachwasserzonen, Sandbänke und Inseln entlang der Küsten von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Hier ändert sich alles im Stundentakt: Die Lagune vom Morgen kann mittags schon eine Wüste sein. Für Segler ist das eine Wissenschaft für sich. Die Fahrwasser sind nur bei Flut passierbar, und wer sich bei Zeit oder Kurs verschätzt, sitzt auf Grund – und wartet lange auf das nächste Hochwasser. Währenddessen schlagen die Wellen das Boot gnadenlos auf den Grund. Kein Wunder, dass die Region auf der UNESCO-Liste steht: Diese Verbindung aus wilder Natur und ständig bewegtem Meer ist für sich schon einzigartig.

Die ersten Meilen im Kanal
Mittags verließ das Boot Kiel. Auf UKW-Kanal 12 der Funkverkehr der Verkehrszentrale des Nord-Ostsee-Kanals. Das war schon meine fünfte Schleusung in dieser Saison, alles eingespielt: keine Überraschungen. Weiter ging es Richtung Rendsburg, wo am Abend mein Mitsegler Konstantin zusteigen sollte.

Das Wetter machte uns munter: 25 Knoten Gegenwind und Regenschauer, die geradezu auf den ungünstigsten Moment zu warten schienen. Im Kanal ist das Wasser allerdings ruhig, wir konnten volle Fahrt laufen. Die Ufer waren grün zugewachsen, über dem Wasser kreisten Möwen und Kormorane. Angler gab es reichlich, wir mussten ihnen ausweichen, und jedes Mal fragte ich mich, wer hier eigentlich Vorrang hat: das Boot mit Motor oder der Mann mit der Angel.

Die Stadt mit der blauen Linie
Bis Rendsburg waren es rund 21 Seemeilen und fünf Stunden. Auf der Karte sieht die Route wie eine gerade Linie aus, in Erinnerung bleiben aber die Details: Regen auf dem Deck, der Geruch des Waldes am Kanal, entgegenkommende Schiffe. Am Abend ein Café, warmes Essen und das Treffen mit Konstantin, angereist mit dem Bus aus Hamburg.

Und Rendsburg selbst? Ein Städtchen mit 30.000 Einwohnern. Alte Häuser, Brücken und Uferpromenaden. Ein schönes Detail: Durch die Innenstadt zieht sich eine blaue Linie, die an allen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Praktisch – du gehst wie auf einer Route auf der Karte und landest nach und nach mitten in der Geschichte. Ein einfacher Spaziergang, aber genau solche Kleinigkeiten machen eine Stadt unvergesslich.

#Passage
Original und DiskussionBeitrag in Telegram öffnen ↗