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Die Passage

Sechs Anläufe und zehn Kratzer

Der Nord-Ostsee-Kanal ist nicht nur ein Wunder der Technik, das Ostsee und Nordsee verbindet, sondern auch ein Ort mit erstaunlich ruhiger Atmosphäre. An den Ufern ziehen sich Pfade entlang, die sich im Grün verlieren. Abends ist es hier besonders still: nur das Rascheln der Blätter, ab und zu eine Möwe und das gedämpfte Brummen vorbeifahrender Schiffe.

Hin und wieder brach der Wind hinter dem Gebüsch hervor und frischte auf 20 Knoten auf. Die Fahrt fiel auf vier, und das Boot glitt nur widerwillig voran. Der Kanal ist stellenweise 250 Meter breit, aber selbst am Ufer bleibt die Tiefe stabil – rund drei Meter. Alles ist mit deutscher Gründlichkeit organisiert: Die Frachter halten sich strikt an das Limit von 12 km/h und machen kaum Welle. Die reinste Wohltat.

Irres Festmachen
Etwa auf halbem Weg zwischen Kiel und Rendsburg liegt der Flemhuder See. Auf der Karte sah er aus wie der perfekte Platz für die Nacht. Der Wind sollte zunehmen, also schien es keine gute Idee, im Schilf zu ankern. Die Lösung: an den Festmachetonnen mitten im See festmachen.

Auf dem Plan sah alles logisch aus: drei dicke Zylinder, zwischen die man das Boot ordentlich legen sollte. In der Praxis war es weit weniger idyllisch. Statt der gewohnten Poller gab es raffinierte, nach innen gebogene Stahlhaken, wie eigens erfunden, um das Zerkratzen der Bordwand zu üben.

Der Wind ließ keine Chance auf ein präzises Anfahren: Das Boot trieb wie ein Span genau auf diese Haken zu. Mindestens sechs Anläufe brauchte ich, bis ich fest war – und auch das nicht ohne Verluste: Die frischen Kratzer im Lack erinnern jetzt an ein heroisches Ballett mit Eisen.

Das eigentliche Problem zeigte sich erst, als die Heckleinen ausgebracht waren. Der Abstand zwischen den Tonnen betrug nur 9 Meter, die Bootslänge 8,8. Knapp kalkuliert, gelinde gesagt. Gerettet hat mich nur der Rückwärtsgang, der das Boot nach hinten zog. Also war Erfindungsgeist gefragt: Beide Heckleinen legte ich um die gegenüberliegenden Seiten der Tonnen, um wenigstens etwas Abstand zu gewinnen und die Bugtonne nicht zu berühren. Herausgekommen ist kein Festmachen, sondern maritimes Origami aus drei Leinen und ein paar nervösen Seufzern.

Spät am Abend, erledigt, aber zufrieden, aß ich zu Abend, kroch in den Schlafsack, schlug ein Buch auf und las, bis die Zeilen vor den Augen verschwammen und ich einschlief.

Der Rückweg
Am Morgen kam der Wind von achtern, und die Fahrt stieg auf 5,5 Knoten. Vor der Schleuse das Standardprogramm: treiben lassen, Fender, Leinen, Funk auf Kanal 12. Die Signalanlage ist hier nicht so auffällig wie auf der Seeseite, funktioniert aber nach demselben Prinzip. Bei Rot-Weiß strömten ein Dutzend Boote und ein Containerschiff aus der Schleuse.

Eines der Boote kam näher – an Bord war Oleksandr, ein Skipper, mit dem ich kürzlich ins Gespräch gekommen war. Ich machte ein Foto von ihm, und er gestand, dass es sein erstes Foto auf einer Yacht sei.

Sobald das weiße Licht anging, hieß es: rein. Festmachen am nördlichen Steg, diesmal an Backbord. Alles lief ruhig, sogar einhand. Ein Kontrolleur kam vorbei und fragte nach der Bezahlung. Ich sagte, ich hätte die MMSI eingetragen und online bezahlt. Er nickte, wünschte gute Fahrt und verschwand Richtung Schleusenhäuschen. Die Tore öffneten sich, und das Boot fuhr weiter – in den Heimathafen.

Nachwort
Der Nord-Ostsee-Kanal ist nicht nur nützlich, sondern auch eine erstaunlich gemütliche Route. Hier möchte ich öfter fahren, besonders bei schlechtem Wetter – wenn draußen das Meer tobt und du über spiegelglattes Wasser gleitest, eingerahmt von Grün. 21 Seemeilen im Kielwasser und ein paar neue Narben an der Bordwand – ein fairer Preis für eine Erfahrung, die ich nicht mehr vergesse.

#Passage
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