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Die Passage

Reise nach Bornholm. Teil 2. Barhöft

Formalitäten
22. April 2024. Gleich nach dem Einlaufen in die Marina ging ich längsseits an die Dieseltankstelle – ich musste tanken, die Bezahlung für die „Rettung“ klären und herausfinden, wo ich über Nacht liegen konnte.

Die Marina ist fast leer – du kannst dir jeden Platz aussuchen. Es gibt zwei Arten festzumachen: längsseits am Fingersteg oder mit dem Heck an der Boje. Nach meinem epischen Kreiseln um die Bojen vor ein paar Jahren war die Wahl klar.

Am Steg lag ein Boot von Search & Rescue. Ich ging an Bord, fand die Crew und fragte, was mich ihre Hilfe kosten würde. Antwort: 200 € pro Stunde, aber die gute Nachricht – für mich hatten sie weniger als eine halbe Stunde gebraucht. Die Unterlagen gehen an das Büro in Bremen, von dort kommt die Rechnung per Post.

Dann ging ich zum Hafenmeister. Ein junger Kerl, der kein Englisch spricht. Wir verständigten uns mit einer Mischung aus meinem gebrochenen Deutsch, Gesten und allgemein bekannten englischen Wörtern. Er schaltete die Zapfsäule ein und wartete, bis ich Tank und Kanister gefüllt hatte. Diesel 2,20 €/l, ohne Bio-Beimischung. Trotzdem gab ich vorsorglich 25 ml Liqui Moly Marine Diesel Protection dazu.

Der Liegeplatz kostet 15,50 € für ein Boot bis 9 m plus 4 € pro Person. Dazu 20 € Pfand für die Karte zu den Sanitäranlagen. Zu meiner Überraschung ist die Dusche kostenlos und unbegrenzt. Eine Seltenheit in Deutschland.

Fisch
Auf dem Rückweg zum Boot sah ich einen Fischkutter anlegen. Die Crew lud Kisten mit frischem Fisch und Eis aus. Mir schoss durch den Kopf: Hätte ich auf Grund sitzend auf die gewartet, hätten sie mich vielleicht billiger abgeschleppt. Ich überlegte kurz, Fisch für eine Fischsuppe zu kaufen, aber die Müdigkeit siegte – ich legte mich schlafen.

Ein paar Stunden später wachte ich auf. Über dem Steg hing ein köstlicher Fischduft. Die Fischer räucherten schon die Reste ihres Fangs. Ein riesiger Hornhecht kostete nur 4 €. Allein schafft man den kaum, aber obendrauf bekam ich noch drei Stücke anderen Fisch geschenkt. Ich setzte mich an einen Tisch am Wasser und fing an zu essen. Der Fisch war grätig, leicht säuerlich und hatte grüne Gräten – so etwas hatte ich noch nie gesehen, schon gar nicht für so wenig Geld.

Die Gegend
Nach dem Mittagessen ging ich auf Erkundungstour. Im Osten ein Strand und ein Schild „Vorsicht. Wildnis“. Viel zu tun gibt es dort nicht.

Der Ort ist gemütlich: ein Dutzend Häuser, ein Restaurant, ein Café, ein paar Hotels und ein Campingplatz. Die Atmosphäre erinnert an ein sowjetisches Ferienheim.

Ich ging nach Westen – und lag damit richtig. Ein gepflegter Weg, zu beiden Seiten blühende wilde Pflaumen, die Luft voller süßem Duft. Doch überall war ein seltsames Summen zu hören, als käme es aus der Erde. Vorbei an einem geschlossenen Museum und einem Aussichtsturm (1 €) kam ich auf eine Aussichtsplattform über einem See. Vom Turm aus wurde es klar: Über jedem Busch und jedem Baum standen dichte Mückenschwärme. Schwarze „Flammenzungen“, die in der Luft tanzten. Beängstigend schön.

Das Feld
An einem Feld kam ich an eine Weggabelung. Ein Schild zeigte zurück zur Marina und geradeaus zu einer „Sehenswürdigkeit“. Ich ging weiter. Es kamen Büsche und mit ihnen Mückenwolken auf Kopfhöhe. Ich zögerte, duckte mich dann aber und rannte los. Die Mücken setzten sich in Haare, Augen und Kragen.

Am Ende des Weges erwartete mich eine zweite Aussichtsplattform über dem See – und drei ebensolche schwarze Wolken. Das war’s. Der Weg war zu Ende. Das Feld vermutlich voller Zecken, hinter mir die Mücken, vor mir eine Sackgasse. Ich fühlte mich in der Falle.

Zurück in der Marina duschte ich und verbrachte den Abend am Strand, mit Blick auf einen Regenbogen über dem Meer.

#Passage

Ort

Barhöft

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