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Ausbildung

RYA Coastal Skipper: der vierte Tag und eine Nachtpassage

Tag 4. 11. Juli 2024. Aufgestanden um 7. Es gab Toast und Croissants. Ich trug Wetter und Gezeitenzeiten ins Logbuch ein.

Wir schlugen die zerrissene Genua für den Segelmacher ab. Während wir auf das neue Segel warteten, hielt der Ausbilder einen Vortrag über eingeschränkte Sicht: Nebelarten, wie man sie in der Planung berücksichtigt, Schallsignale und Wachen. Zum Beispiel stellt man den Ausguck aufs Vorschiff – dort ist es leiser. Nur einen – zu zweit fangen sie an zu quatschen. Alle 20 Minuten wechseln – vom langen Horchen und Starren fängt man an, Dinge zu sehen und zu hören, die nicht da sind. Danach ging es fließend über zu Schwerwettertechniken.

Jemand klopfte an den Rumpf. Das Segel war da. Beim Anschlagen sorgte mein schneller Palstek für Furore. Darüber setzten wir vorübergehend noch die Sturmfock und sprachen über sie.

Dann übten wir das Längsseitsanlegen mit Anfahrt im 90-Grad-Winkel. Ich erwischte genau den Höhepunkt des Gezeitenstroms. Erstaunlich, wie sehr sich das vom Anlegen in der Ostsee unterscheidet. Wie bei starkem Wind.

Roland sollte uns zum Teetrinken in die Osborne Bay bringen. Mit dem frischen Segel zu laufen war ein Genuss. Ich ließ den Anker fallen. Dort hörten wir auch einen Mayday-Ruf (im Video). Und genau in dem Moment zog eine regenbogenfarbene Wolke über uns hinweg – ein ziemlich seltenes Naturphänomen.

Clive zeigte, wie man das Vorsegel ausbaumt. Er ließ mich ablegen und auf raumen Kurs gehen. Unterwegs setzten wir den Baum und einen Bullenstander am Groß. Wir segelten raumschots, luvten bis hoch am Wind an, fielen wieder ab und bargen dann alles. Jen bestimmte unsere Position und plante die Route in die Osborne Bay so, dass bei Niedrigwasser ein Meter unter dem Kiel blieb.

Kaum war sie mit ihrer Route fertig, bekam ich die Aufgabe, eine Nachtpassage nach Southampton in die Ocean Village Marina zu planen. Mit einer Pause fürs Abendessen – Pasta mit Tomatensoße und Chorizo – war der Plan um 21 Uhr fertig. Geholfen hat, was mir vom Praxistörn zum Day Skipper noch im Kopf geblieben war. Das Echolot zeigte genau einen Meter unter dem Kiel. Ich sollte die Bramble Bank bei Nacht queren. Fast die ganze Strecke über die Untiefe peilte ich fälschlich ein blinkendes Gebäude statt der Tonne an. Ein grandioser Reinfall. Gemerkt habe ich es erst, als die Crew die richtige Tonne querab entdeckte. Ansonsten kamen wir ruhig an. Für das perfekte Anlegen gab es Applaus. Das war schön und peinlich zugleich. Die Uhr zeigte 01:00.

Wort des Tages: slack – hängt ohne Spannung durch (bei einer Festmacherleine)

22 Seemeilen geschafft. Den Track gibt es hier.

#Ausbildung #boss #Passage
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