In diesem Beitrag8 Fotos · 2 Videos
Tag 2. 9. Juli 2024. Aufgestanden um 6. Roland hat, wie versprochen, die ganze Nacht geschnarcht. Zum Frühstück Croissants und Toast mit Marmelade. Wir prüften den Ölstand und die Bilge und füllten den Wassertank auf.
Ich legte ab. In England ist das gar nicht so einfach. Man muss das Loswerfen jeder einzelnen Leine nach dem aktuellen Strom und Wind planen.
Beim Auslaufen aus Yarmouth ließ Clive uns die Bojen anlaufen. Jeder von uns fuhr eine davon an. Phil und ich brauchten je 1 Versuch, Jen und Roland je 2. Danach das Gleiche unter Segeln. Ich brauchte 2 Versuche, Jen und Phil je 3, und Roland warf einen angebundenen Eimer übers Heck und lag sofort fest.
Ich holte meinen Plan heraus und verteilte die Rollen. Fast sofort erwischte uns strömender Regen. Die Sicht schrumpfte auf 100 Meter. Wir navigierten nach Kompass und erreichten jedes Mal den gewünschten Wegpunkt. Dabei gerieten wir in den Gezeitenwechsel. Unterwegs gab es Tomaten-Bohnen-Suppe aus dem Becher.
Am letzten Wegpunkt, nachdem wir auf Motor umgestellt hatten und in grober Dünung (swell) lagen, passierte etwas Seltsames mit mir. Kopfschmerzen. Das Licht blendete. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Man schickte mich zum Hinlegen in den Salon. Dort verpasste ich die Fahrt durch die Engstellen bei St Helens und das Ankern. Roland machte sich an den Passageplan nach Portsmouth. Man schlug mir vor, rauszukommen und auf den Horizont zu schauen. Als ich mit zitternden Beinen im Regen stand, wurde mir klar: Jede Bewegung würde mein Innerstes nach außen kehren. Zum ersten Mal hatte mich die Seekrankheit erwischt.
Als er fertig war, stellte Roland mich ans Ruder. An der Pinne ließ die Übelkeit langsam nach. Wir liefen raumschots durch schwere See. Irgendwann gerieten wir wieder in einen Wolkenbruch und verloren jede Orientierung. Ich hielt einfach den Kurs. Jede Abweichung hätte uns auf Grund laufen lassen können. Nach etwa 15 Minuten zog die Wolke ab und gab den Blick auf eine Bucht frei, die von 3 gegenläufigen Strömungen brodelte.
Ich legte das Boot rückwärts längsseits an. Zum Abendessen gab es Curry mit Reis und Kuchen. Danach hielt der Ausbilder die Manöverkritik.
Ein bisschen Terminologie:
Slip = cast off = gently release (bezogen auf eine Festmacherleine)
32 Seemeilen. Den Track gibt es hier.
#Ausbildung #boss #Passage
Ich legte ab. In England ist das gar nicht so einfach. Man muss das Loswerfen jeder einzelnen Leine nach dem aktuellen Strom und Wind planen.
Beim Auslaufen aus Yarmouth ließ Clive uns die Bojen anlaufen. Jeder von uns fuhr eine davon an. Phil und ich brauchten je 1 Versuch, Jen und Roland je 2. Danach das Gleiche unter Segeln. Ich brauchte 2 Versuche, Jen und Phil je 3, und Roland warf einen angebundenen Eimer übers Heck und lag sofort fest.
Ich holte meinen Plan heraus und verteilte die Rollen. Fast sofort erwischte uns strömender Regen. Die Sicht schrumpfte auf 100 Meter. Wir navigierten nach Kompass und erreichten jedes Mal den gewünschten Wegpunkt. Dabei gerieten wir in den Gezeitenwechsel. Unterwegs gab es Tomaten-Bohnen-Suppe aus dem Becher.
Am letzten Wegpunkt, nachdem wir auf Motor umgestellt hatten und in grober Dünung (swell) lagen, passierte etwas Seltsames mit mir. Kopfschmerzen. Das Licht blendete. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Man schickte mich zum Hinlegen in den Salon. Dort verpasste ich die Fahrt durch die Engstellen bei St Helens und das Ankern. Roland machte sich an den Passageplan nach Portsmouth. Man schlug mir vor, rauszukommen und auf den Horizont zu schauen. Als ich mit zitternden Beinen im Regen stand, wurde mir klar: Jede Bewegung würde mein Innerstes nach außen kehren. Zum ersten Mal hatte mich die Seekrankheit erwischt.
Als er fertig war, stellte Roland mich ans Ruder. An der Pinne ließ die Übelkeit langsam nach. Wir liefen raumschots durch schwere See. Irgendwann gerieten wir wieder in einen Wolkenbruch und verloren jede Orientierung. Ich hielt einfach den Kurs. Jede Abweichung hätte uns auf Grund laufen lassen können. Nach etwa 15 Minuten zog die Wolke ab und gab den Blick auf eine Bucht frei, die von 3 gegenläufigen Strömungen brodelte.
Ich legte das Boot rückwärts längsseits an. Zum Abendessen gab es Curry mit Reis und Kuchen. Danach hielt der Ausbilder die Manöverkritik.
Ein bisschen Terminologie:
Slip = cast off = gently release (bezogen auf eine Festmacherleine)
32 Seemeilen. Den Track gibt es hier.
#Ausbildung #boss #Passage
Original und DiskussionBeitrag in Telegram öffnen ↗