Refit-Geschichte / Rassvet · Ohlson 29
Warum das Boot unter Motor langsam wurde
Die Suche nach dem Grund für die geringe Geschwindigkeit führte über das Kühlsystem, den Diesel und Gespräche mit Werkstätten. Die Auflösung lag unter Wasser.
Eintrag vom 13. September 2023
Kühlung prüfen
Undichtes Belüftungsventil und Einbau eines Seewasserfilters.
Alle Bilder dieser Etappe3 Fotos · 5 Videos
Ganzen Beitrag lesenBeitrag einklappen
Direkt hinter dem Motor sitzt im Rumpfboden das Einlassventil. Von dort führt ein Schlauch zum Impeller. Danach fließt das Wasser zum Belüftungsventil (siphon breaker), das oberhalb der Wasserlinie sitzt und verhindert, dass Wasser aus dem Motor zurückläuft. Vom Belüftungsventil gelangt das Wasser direkt in den inneren Kühlkreislauf. Dort vermischt es sich mit den Abgasen und läuft durch ein Rohr in den Wassersammler/Schalldämpfer (die grüne Box im Video). Dann geht es in die Backskiste, durch einen bogenförmigen Schwanenhals und schließlich außenbords. Der Schwanenhals verhindert, dass Wasser durch das Auslassventil zurückläuft, was bei Krängung und Wellengang wichtig ist. Außerdem hat der Wassersammler einen zweiten Ausgang zum Ablassen. Und im Motor selbst sitzt noch ein Ausgleichsbehälter (expansion tank) mit Frostschutzmittel.
Bei der Inspektion zeigten sich zwei Probleme:
– im Betrieb sickert Wasser aus dem Belüftungsventil
– es fehlt ein Seewasserfilter, der Algen und anderen Dreck aus dem System heraushält
Das Belüftungsventil baute ich aus, reinigte es, befestigte es neu und richtete den Deckel. Keine Ahnung, was davon geholfen hat, aber das Leck war weg.
Den Seewasserfilter bestellte ich bei Amazon für 20,34 €. Der Einbau ist ziemlich simpel, und schon nach ein paar Ausfahrten fand ich darin eine Alge und ein schwarzes Stück Plastik – womit ich sehr zufrieden war.
#Wartung
Eintrag vom 15. September 2023
Kraftstoff prüfen
Probelauf aus einem Kanister mit frischem Diesel und Motorcheck in der Marina.
Alle Bilder dieser Etappe1 Foto · 5 Videos
Ganzen Beitrag lesenBeitrag einklappen
Die Jungs aus der Werkstatt meiner Marina prüften den Motor und meinten, im Großen und Ganzen sei alles okay. Sie spannten den Keilriemen der Lichtmaschine nach und stellten den Gaszug vom Schalthebel nach. Auf die Drehzahl hatte das keinerlei Einfluss.
Alexei und Jewgenija schlugen vor, schmutzigen Diesel als Ursache auszuschließen und den Motor aus einem Kanister laufen zu lassen. In modernem Biokraftstoff aus Kompost können sich Mikroorganismen prächtig vermehren; wenn sie absterben, setzen sie sich als Schleim am Tankboden ab. Die Voraussetzungen dafür waren gegeben, schließlich hatte das Boot fast 2 Monate unbewegt in der Marina gelegen.
Ich sperrte den Dieseltank ab, zog Vor- und Rücklaufleitung ab, steckte beide in einen Kanister mit frischem Diesel und startete den Motor. Nachdem er etwa 15 Minuten mit erhöhter Drehzahl gelaufen war, machte ich meine Messungen. Ergebnis: nichts.
Ob irgendetwas davon geholfen hat, weiß ich nicht, aber bei Flaute lief die Yacht jetzt 3,5 Knoten statt 2,5. Etwas besser als nichts, immerhin.
#Wartung
Eintrag vom 18. September 2023
Boot kranen und auf dem Wasser prüfen
Unterwasserschiff vom Bewuchs befreit und der erste Schlag nach dem Einwassern.
Alle Bilder dieser Etappe2 Fotos · 8 Videos
Ganzen Beitrag lesenBeitrag einklappen
Mit der Nachbarmarina hatte ich alle Arbeiten für 300 € vereinbart, nahm mir einen Tag frei und kam schon am Vorabend zum Übernachten aufs Boot. Um 7 Uhr schnappte ich mir Zahnbürste und Zahnpasta, zog meine Regenjacke an, steckte Handy, Geldbörse und Schlüssel hinein und stieg ins Cockpit. Alle Flächen waren mit morgendlichem Kondenswasser überzogen. Vorsichtig setzte ich einen Fuß auf den Steg. Beim Nachziehen des zweiten rutschte ich aus und plumpste rücklings ins Wasser.
Nachdem ich mich an einer Festmacherleine herausgezogen und alles Nötige erledigt hatte, legte ich ab. Mir kam eine andere Yacht entgegen, deren Skipper genüsslich seinen Kaffee schlürfte. Klatschnass und durchgefroren, wie ich war, beneidete ich ihn.
Aus dem Auspuff kam weißer Dunst. Meine Laune sank noch weiter. Mein Glaube an bremsende Seepocken löste sich in diesen weißen Wölkchen auf. Natürlich konnte es auch Dampf sein, schließlich war es draußen ziemlich kalt. Sicherheitshalber nahm ich Drehzahl weg.
Das Kranen war ein Kinderspiel: Achterstag, Dirk und Lazy Jacks lösen, die Gurte am Kran einhaken und an Land gehen. Die Jungs kratzten die Seepocken mit einer flachen Schaufel ab und gingen mit dem Spachtel über Propeller und Ruder. Dann kam der Kärcher mit seinem Hochdruckstrahl zum Einsatz. Nach etwa einer Stunde berührte die Rassvet wieder das Wasser. Ich befestigte das Achterstag, startete den Motor und legte ab.
Was dann passierte, lässt sich kaum in Worte fassen. Die Yacht fuhr nicht, sie glitt sanft dahin. Aus dem Tuckern des Motors wurde ein weiches Schnurren. Gleichmäßig und harmonisch. Selbst bei niedriger Drehzahl glitt das Boot mit an die 3 Knoten dahin, und mit mehr Gas bekam ich ganze 5,5. Dabei hatte die Drehzahl nichts damit zu tun: laut Drehzahlmesser dieselben 2400 U/min unter Last und 4000 ohne. Wenn das kein Glück ist!
#Wartung #Verschiedenes
Laut letztem Eintrag
Wie die Geschichte ausging
Nach der Reinigung von Rumpf und Propeller stieg die Geschwindigkeit auf 5,5 Knoten. Die Drehzahl unter Last blieb dabei unverändert.
Letzte Etappe öffnen ↗