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Die Passage

Reise durchs Skagerrak. Teil 11. Die erste Woche Remote-Arbeit

Reise durchs Skagerrak. Teil 11. Die erste Woche Remote-Arbeit

Nach Feierabend


Nach drei Nächten in Strömstad war der Sturm vorbei, und damit begann der eigentliche Test meines Plans.

Um 16 Uhr klappte ich den Laptop zu, warf die Leinen los, und wir liefen nach Havstenssund. Nur 13 Seemeilen, fast komplett unter Motor gegen den Wind.

Der Nordwesten Schwedens ist umwerfend. Man kann stundenlang zwischen Felsinseln und Schären hindurchfahren, ständig den Kurs ändern und die nächste Durchfahrt mustern, die eine Minute vorher noch gar nicht zu sehen war.

In Havstenssund machten wir bei einem kleinen Fischerdorf längsseits fest. Ich wäre gern länger geblieben, aber hinterher kam schon die nächste Starkwindphase, also war beim Zeitplan vorerst keine Luft drin.

Abends sah ich beim Spaziergang über den Steg ein Platschen. Dann noch eins. Fische sprangen direkt aus dem Wasser, und das wiederholte sich alle paar Minuten.

Ich holte die Spinnrute vom Boot und fing im Nachglühen der schon untergegangenen Sonne an, vom Steg aus einen Blinker zu werfen. Zweimal holte ich einen kleinen Hering von etwa zwanzig Zentimetern aus dem Wasser, und beide Male riss er sich fast sofort wieder los. Wahrscheinlich war der Haken zu groß. Trotzdem war es der erste Fisch, den ich seit ungefähr zwanzig Jahren in die Luft bekommen habe. Sagen wir: Teilerfolg.

Nebenbei hatte der Motor seit dem Einbau der neuen Wellendichtung etwa 80 Betriebsstunden erreicht. Ich gab etwas Fett nach und trug die Wartung ins Logbuch ein.

110 Euro für eine schöne Aussicht


Am nächsten Tag warfen wir nach Feierabend wieder die Leinen los und liefen nach Hamburgsund.

Das Dorf liegt an einem schmalen Sund zwischen felsigen Ufern. Ein ungewöhnliches Gefühl: ringsum Seeyachten, Salzwasser, Granit, aber der Liegeplatz selbst wirkt eher wie ein Fluss.

Hier wollten wir den nächsten Sturm abwettern. Nur waren die Gastplätze alle belegt.

Ich entdeckte einen völlig leeren Steg vor einem Restaurant und dachte, die Segler mieden ihn wegen des umständlichen Anlegens mit Heckboje.

Nachdem 110 Euro von meiner Karte abgebucht waren, stellte sich heraus, dass der Grund vielleicht ein etwas anderer war. Teurer als ein Liegeplatz mitten in Oslo. Bezahlt wurde über Dockspot. Dafür war der Platz wirklich schön.

Meeresleuchten


Schon draußen auf See waren mir ein paar Mal lange braunrote Streifen auf der Wasseroberfläche aufgefallen. In den Marinas sammelten sie sich am Ufer und sahen eher nach Dreck oder Algenblüte aus.

Abends fing es an zu nieseln.

Ich ging raus und sah, wie jeder Tropfen, der neben dem Boot ins Wasser fiel, für einen Augenblick blau aufblitzte. Von ihm breitete sich ein leuchtender Ring aus, dann fiel der nächste Tropfen und noch einer. Nach ein paar Sekunden war die ganze Wasserfläche vor mir eine kleine kosmische Bühne.

So sah ich zum ersten Mal mareld, das schwedische „Meeresfeuer“.

Ich stand ziemlich lange einfach im Regen und schaute aufs Wasser. Manchmal reichen Plankton und schlechtes Wetter für einen gelungenen Abend.

Am nächsten Tag fuhr ich mit der örtlichen Seilfähre. Beim Anfahren und Bremsen spannte sich das Stahlseil und kam stellenweise aus dem Wasser. Danach wollte ich mir meine eigene Yacht im falschen Moment direkt darüber lieber nicht vorstellen.

Woche Nummer eins


So ging langsam die erste Woche Remote-Arbeit zu Ende.

Vor dem Experiment hatte mich eine ziemlich banale Frage beschäftigt. In vielen Marinas muss man den Gastplatz gegen Mittag räumen, sonst zahlt man einen weiteren Tag. Ich kann aber schlicht nicht um 12 los, weil ich bis 16 oder 17 Uhr am Laptop sitze.

Heraus kam eine seltsame Art zu reisen: Morgens arbeitest du in der Kajüte, nachmittags klappst du den Laptop zu, fährst 10–20 Meilen, legst abends an einem neuen Ort an, und am nächsten Morgen klappst du denselben Laptop wieder auf.

In der ersten Woche hat mich kein einziger Hafenmeister gebeten, vor Feierabend abzulegen, und keiner wollte für die paar zusätzlichen Stunden einen weiteren Tag kassieren.

Fürs Erste funktionierte das Konzept also.

Außerdem habe ich Datteln mit Coca-Cola-Geschmack gekauft. Wenn du welche in Nordeuropa entdeckst: zugreifen. Mit Remote-Arbeit auf einer Yacht hat das nichts zu tun, aber nicht jede nützliche Information muss sich um Yachten drehen.

#Passage
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