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Die Passage

Reise durchs Skagerrak. Teil 7. Fuglevik → Oslo

Reise durchs Skagerrak. Teil 7. Fuglevik → Oslo

Falsche Vorhersage


Für den 23. Juni sagte die Vorhersage ein Hoch und so gut wie keinen Wind an. Ich hatte mich schon auf acht Stunden Motoren bis Oslo eingestellt.

Am Morgen stellte sich heraus, dass die Vorhersage uns ein kleines Geschenk hinterlassen hatte. Fast die ganze Passage über hielt sich achterlicher Wind und schob die Rassvet zeitweise auf 6 Knoten. Zu beiden Seiten des Fjords zogen sich Felsrücken entlang, und Großschifffahrt gab es überraschend wenig. Auf 35 Seemeilen begegneten uns eine Fähre, ein Frachter und ein Kreuzfahrtschiff. Zum Vergleich: In Kiel oder im Solent wären in derselben Zeit Dutzende Schiffe an uns vorbeigezogen.

Die einheimischen Yachten segelten ganz entspannt näher an der Mitte des Fahrwassers. An diesem Tag wirkte das ganz natürlich, trotzdem behielt ich AIS und die Sektoren achteraus im Blick. Unterwegs sahen wir eine Rettungsübung: Aus einem Hubschrauber wurde jemand auf ein Boot abgeseilt.

Mitten in der Stadt


Nach acht Stunden waren wir in Oslo und machten in einer Marina mitten im Zentrum fest. Am Steg empfing uns eine Mitarbeiterin, was sich nach dem ewigen Selbermachen mit Muringleinen, Ringen und Fingerstegen fast wie Service anfühlte.

Der Liegeplatz kostete 18 norwegische Kronen pro Fuß. Für ein 29-Fuß-Boot waren das etwa 50 Euro pro Nacht. Zuerst kam mir der Preis überzogen vor. Dann rechnete ich die Fahrten von einer Marina am Stadtrand dagegen, dazu kostenlose Duschen und Waschmaschinen, einen Laden um die Ecke und zehn Minuten zu Fuß bis zu den Museen. Vielleicht hätte ich sonst sogar mehr ausgegeben.

Nebenbei testeten wir das norwegische Grundsortiment. Die Limonade Solo erinnerte an eine Mischung aus Fanta und Vitamin-C-Brausetablette. Die Schokolade Kvikk entpuppte sich als enge Verwandte von KitKat. Der Käse Brunost schmeckte wie eingekochte Kondensmilch mit Karamellnote und passte am besten zu Polarbrød. Nach dem dritten Stück war klar, warum man ihn so dünn schneidet.

Der Schlitten


Am nächsten Morgen entdeckte ich, dass am Steuerbord-Genuaschlitten der Arretierstift ausgerissen war. Ohne ihn ließ sich der Schlitten auf der Schiene nicht feststellen, und damit konnte ich die Position des Holepunkts nicht vernünftig einstellen.

Das erste nützliche Werkzeug war der Messschieber. Ich maß Breite und Profil der Schiene, die Lochdurchmesser und die Abmessungen des Schlittens und schickte alles an die Händler. Nach einigem Hin und Her fand sich ein Schlitten für die J70 für 800 NOK.

Auf die Schiene passte er nicht.

Ich musste mit dem Dremel vorsichtig etwas Metall an den Kanten abtragen. Die Sonnenbrille schützte die Augen vor den gröberen Spänen, aber im Nachhinein gehören zu so einer Arbeit eine geschlossene Schutzbrille und eine Maske. Dann stellte sich heraus, dass auch der alte Block nicht auf den neuen Schlitten passte. Es folgten eine weitere Fahrt quer durch die Osloer Randbezirke und der Kauf eines Harken-Blocks.

Alles in allem dauerte die Reparatur etwa sechs Stunden und kostete rund 200 Euro. Im Programm enthalten: die halbe Stadt, Metallspäne, zwei Fahrten in den Laden und zwei Hotdogs mit Cola an der Tankstelle.

Das war kein Original-Ersatzteil, sondern ein Kompromiss, um die Baugruppe wieder zum Laufen zu bringen. Nach dem Einbau prüfte ich, dass der Schlitten frei auf der Schiene läuft, der Stift vollständig in die Löcher greift und Block und Beschläge unter Last nicht klemmen.

Rund 380 Meilen aus Deutschland zu segeln, in Oslo anzukommen und den ersten vollen Tag mit der Suche nach einem Genuaschlitten zu verbringen, war eine ganz folgerichtige Entwicklung dieser Reise. Die nächste kleine Panne wurde auf die übliche Seglerart gelöst: mit Geld, Zeit und einem Werkzeug, das bis dahin überflüssig schien.

#Passage
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