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Gegen Mittag kam das Boot ins Wasser. Als Erstes habe ich es mir nicht etwa von außen angesehen und mich gefreut, dass es wieder schwimmt. Ich nahm eine Packung Papiertücher und ging alle Stellen ab, an denen Wasser einem schnell die Laune verderben kann: Seeventile, Kielbolzen und Welle. An jede Verbindung hielt ich ein Tuch und schaute, ob es trocken blieb. Das dauerte fünf, vielleicht zehn Minuten, aber danach war klar: Zumindest will das Boot nicht gleich von innen zurück an Land. Den Mastkran hatte ich für 13 Uhr gebucht, also war der ursprüngliche Plan im Grunde schon erfüllt – in einer künstlerisch freien Fassung. Praktisch lag ich immer noch in der Marina, aber immerhin schon im Wasser.
Vor dem Ablegen mussten noch der Mast und die neuen Wanten aufs Boot. Nach all den Winterarbeiten wirkte gerade dieser Schritt wie eine Formsache. Die Wanten waren nach dem Muster der alten bestellt. Der Mast lag an Deck. Der Kran stand bereit. Eigentlich musste man nur noch alles wieder zusammensetzen.
Der Mast an Land
Zur vereinbarten Zeit hoben wir den Mast vom Boot und legten ihn an Land auf Böcke. Die Werftleute begannen, die neuen Wanten anzuschlagen. Ich kümmerte mich um den Masttopp und montierte Windmesser, UKW-Antenne, Verklicker und Radarreflektoren.
Plötzlich bekam der Wantenhalter aus Aluminium am Salingnock einen Riss. Dieses Teil hält die Want am Ende der Saling in der richtigen Position und verhindert, dass sie dort wandert, wo die Last sauber geführt werden muss. Die Werftleute nahmen Maß und schnitten ein neues Teil aus gepresstem Kunststoff. Sie meinten, es halte nicht schlechter als das alte.
Ich habe daraus kein eigenes Drama gemacht. Nach allem, was vorher war, wirkte das fast schon wie Routine. Kaputt, gemessen, ersetzt, wieder eingebaut.
Fast fertig
Gegen zwei Uhr nachmittags begannen wir, den Mast zu stellen. Ich nahm ihn unten im Salon in Empfang und hielt den Mastfuß fest, damit er nicht gegen die Möbel schlug. Gleichzeitig lief im Kopf wieder die Rechnung: Schaffe ich es heute wenigstens noch bis Grömitz?
Der Mast stand schon fast an seinem Platz, als es von oben hieß: «Andrei, probably we have a problem».
Ich fragte, während ich den Mast noch festhielt: «What kind of problem?»
Die Antwort war kurz: «It seems the new shrouds are too long».
Ich sicherte den Mastfuß und stieg an Deck. Die Wantenspanner lagen auf dem Deck. Die neuen Wanten waren so lang, dass sie praktisch bis an die Püttinge reichten, ohne jede Reserve zum Spannen. Nachziehen ging nicht mehr.
Wenn ein Fehler hilft
Ich fragte, was wir jetzt damit machen. Die Werft gab zu, dass es ihr Fehler war, schließlich hatte sie die Wanten bestellt. Sie bot an, die Wanten abzunehmen, an den Hersteller zurückzuschicken, danach wieder anzuschlagen und den Mast auf eigene Kosten zu stellen. Außerdem wollte sie mit dem Hafenmeister klären, dass das Boot bis zum Ende der Arbeiten kostenlos in der Marina liegen kann.
Ich war einverstanden. Ehrlich gesagt war ich nach dieser Nachricht sogar ein bisschen erleichtert. Die Passage nach Kiel fiel aus – nicht wegen meiner Angst, nicht wegen der Vorhersage und nicht wegen Zweifeln am Boot, sondern aus einem rein technischen Grund, an dem kein Weg vorbeiführte.
Der Plan „einwassern, Mast stellen und sofort 80 Seemeilen los“ war endgültig geplatzt. Mit ihm platzte aber auch die Illusion, man könne ein Boot nach einer großen Reparatur einfach abholen wie ein Auto aus der Werkstatt und gleich weiterfahren.
Nach Arbeiten an kritischen Baugruppen braucht es keine heldenhafte Eile, sondern eine kurze Prüfphase. Den Rumpf nach dem Einwassern kontrollieren. Die Wellendichtung unter Last prüfen. Sicherstellen, dass der Motor ohne Kraftstoff- und Luftlecks läuft. Das Rigg einstellen. Schauen, was sich verändert hat, und erst dann weit hinausfahren.
Den Mast stellten sie erst zwei Wochen später. In dieser Zeit wurde klar, dass die Verzögerung nicht nur ein Problem war, sondern auch eine Pause zum Prüfen. Nach Arbeiten an Rumpf, Welle, Motor und Rigg tut es dem Boot gut, erst ein paar Tage in der Marina zu verbringen, statt gleich zu einer langen Passage aufzubrechen.
#Wartung