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Refit-Geschichte / Rassvet · Ohlson 29

Kein perfektes Einwassern: Frühling nach den Winterarbeiten

Über den Winter sollte die Werft in meiner Marina den Motor warten, Wellendichtung und Wanten erneuern und eine Bugplattform samt Kettenklüse montieren. Für das Frühjahr war der Plan einfach: morgens einwassern, bis Mittag den Mast stellen und gleich weiter nach Kiel.

Eintrag vom 26. Mai 2026

Zu Ende bringen, was die Werft nicht geschafft hat

Einen Tag vor dem Einwassern: keine Bugplattform, keine Anode, die Schnittkante unter der Klüse ungeschützt und der Handhebel der Kraftstoffpumpe abgebrochen. Die Anode musste ich nachschleifen, die Geber mit Essig abwaschen und mit Antifouling streichen.

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Kein perfektes Einwassern. Teil 1: Noch an Land

Schon im November hatte ich für DavidsWerft eine Liste mit Winterarbeiten geschrieben. Die Werft liegt direkt in meiner Marina, also wirkte die Idee bequem und fast beruhigend. Zu tun waren: Motorwartung, eine Bugplattform montieren, die Wellendichtung tauschen, eine neue Anode auf die Welle setzen, Wanten und Achterstag erneuern und ein Kettenrohr ins Deck einbauen, durch das die Ankerkette in die Vorpiek läuft.

Der Plan für das Frühjahr sah einfach aus. Freitag um 8 Uhr einwassern, bis 10 den Mast stellen und sofort los nach Kiel. Auf dem Papier eine saubere Route. In meinem Kopf schon eine Liste von Gründen, die ganze Woche nicht zu schlafen.

Ich wusste nicht, ob Wasser durch den Kiel sickern würde, ob die Wellendichtung leckt, ob sich das frisch mit Epoxid gefüllte Stück Bordwand verzieht und ob ich in die 8 Beaufort gerate, die für Samstag angesagt waren. Im Herbst, vor den Arbeiten, kannte ich den Zustand des Boots und seine Schwachstellen. Im Frühjahr, nach Arbeiten an kritischen Baugruppen, wusste ich nicht mehr genau, womit ich aus der Marina auslaufen würde.

Blieb noch der Plan selbst: das Boot einwassern und am selben Tag allein zu einer Passage von rund 80 Seemeilen nach Westen aufbrechen – in einem Revier, in dem der Wind auch gern aus Westen kommt. Optimismus in Reinform.

Einen Tag früher

Deshalb kam ich einen Tag früher zum Boot, am Donnerstagmorgen. Ich wollte remote arbeiten, an Bord übernachten und vor dem Einwassern in Ruhe alles prüfen. Mit der Ruhe war es vorbei, sobald mein Blick auf das Boot fiel.

Die Bugplattform war nicht montiert. Auf der Welle saß keine Anode. Die Bohrung für das Kettenrohr war nicht mit Epoxid versiegelt, obwohl genau das den Sandwichkern vor Feuchtigkeit schützen sollte. Besonders belebend nach der Wintergeschichte, als unter dem Motor rund fünf Liter Wasser stehen geblieben waren und die Pumpe darin festgefroren war.

Ich ging in die Werkstatt und sagte, dass das irgendwie fertig werden muss. Eine passende Anode hatten sie nicht. Die Plattform wurde eilig für den Ausschnitt angezeichnet. Während sich einer um die Plattform kümmerte, beschloss der zweite, den Kraftstoffvorfilter zu wechseln. Dabei brach er den Hebel an der Kraftstoffförderpumpe ab, fing dann an, die Pumpe vom Motor abzubauen, ließ Schraube und Schlüssel unter den Motor fallen und verkündete daraufhin, er müsse nach Hause.

Danach war ich allein mit dem Boot, einer halbfertigen Plattform, einer fehlenden Anode und einer Kraftstoffpumpe, die inzwischen ebenfalls auf der Arbeitsliste stand.

Kleine Arbeiten, die nicht mehr klein sind

Allein mit dem Boot fing ich an, das zu erledigen, was ich selbst noch schaffen konnte. Zuerst musste die Wellenanode drauf. Ich hatte eine Anode mit 18 mm Breite, frei auf der Welle waren aber nur etwa 15 mm. Also griff ich zum Schleifer und nahm auf jeder Seite ungefähr 1,5 mm ab. Das kostete rund 40 Minuten und vier Scheiben.

Danach kümmerte ich mich um die Geber außen am Rumpf. In der ersten Saison hatte ich den Loggeber überhaupt nicht geschützt, und bis Juli wuchs darauf ein Klumpen Seepocken, fast so groß wie eine Faust. Letztes Jahr riet man mir zu Marinefett. Überraschenderweise zeigte die Logge fast bis September vernünftige Werte, obwohl der Geber beim Auskranen gleichmäßig mit Seepocken bedeckt war.

Dieses Jahr wollte ich ein spezielles Antifouling für Geber ausprobieren: Marlin Yacht Paint Eco Transducer Antifouling. Vor dem Auftragen spülte ich den Geber großzügig mit Essig ab. Nach etwa zehn Minuten hatte der Essig die Reste der Seepocken aufgeweicht, und sie ließen sich mit einem feuchten Lappen abwischen. Zurück blieb sauberer Kunststoff.

Zum Schluss drückte ich etwas Epoxid aus der Spritze und strich mit einem Pinsel die offene Schnittkante in der Bohrung für das Kettenrohr ein. Schön war das nicht, eher ein Minimalschutz gegen künftige Feuchtigkeit.

Bis zum Abend war meine Seite der Liste abgearbeitet. Von der Liste der anderen Seite konnte ich das nicht behaupten.

#Wartung
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Eintrag vom 28. Mai 2026

Einwassern, Mast und zu lange Wanten

Seeventile, Kielbolzen und Welle mit Papiertüchern geprüft, ein gerissener Wantenhalter an der Saling und neue Wanten ohne Spannreserve. Die Passage nach Kiel fiel aus, der Mast wurde zwei Wochen später gestellt.

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Kein perfektes Einwassern. Teil 2: Wanten bis aufs Deck

Am Freitag um 7 Uhr morgens machten die Werftleute mit der Bugplattform weiter. Nebenbei schweißten sie den Hebel wieder an die Kraftstoffförderpumpe und fischten ihr Werkzeug unter dem Motor hervor. Fertig waren sie erst um 10 Uhr.

Gegen Mittag kam das Boot ins Wasser. Als Erstes habe ich es mir nicht etwa von außen angesehen und mich gefreut, dass es wieder schwimmt. Ich nahm eine Packung Papiertücher und ging alle Stellen ab, an denen Wasser einem schnell die Laune verderben kann: Seeventile, Kielbolzen und Welle. An jede Verbindung hielt ich ein Tuch und schaute, ob es trocken blieb. Das dauerte fünf, vielleicht zehn Minuten, aber danach war klar: Zumindest will das Boot nicht gleich von innen zurück an Land. Den Mastkran hatte ich für 13 Uhr gebucht, also war der ursprüngliche Plan im Grunde schon erfüllt – in einer künstlerisch freien Fassung. Praktisch lag ich immer noch in der Marina, aber immerhin schon im Wasser.

Vor dem Ablegen mussten noch der Mast und die neuen Wanten aufs Boot. Nach all den Winterarbeiten wirkte gerade dieser Schritt wie eine Formsache. Die Wanten waren nach dem Muster der alten bestellt. Der Mast lag an Deck. Der Kran stand bereit. Eigentlich musste man nur noch alles wieder zusammensetzen.

Der Mast an Land

Zur vereinbarten Zeit hoben wir den Mast vom Boot und legten ihn an Land auf Böcke. Die Werftleute begannen, die neuen Wanten anzuschlagen. Ich kümmerte mich um den Masttopp und montierte Windmesser, UKW-Antenne, Verklicker und Radarreflektoren.

Plötzlich bekam der Wantenhalter aus Aluminium am Salingnock einen Riss. Dieses Teil hält die Want am Ende der Saling in der richtigen Position und verhindert, dass sie dort wandert, wo die Last sauber geführt werden muss. Die Werftleute nahmen Maß und schnitten ein neues Teil aus gepresstem Kunststoff. Sie meinten, es halte nicht schlechter als das alte.

Ich habe daraus kein eigenes Drama gemacht. Nach allem, was vorher war, wirkte das fast schon wie Routine. Kaputt, gemessen, ersetzt, wieder eingebaut.

Fast fertig

Gegen zwei Uhr nachmittags begannen wir, den Mast zu stellen. Ich nahm ihn unten im Salon in Empfang und hielt den Mastfuß fest, damit er nicht gegen die Möbel schlug. Gleichzeitig lief im Kopf wieder die Rechnung: Schaffe ich es heute wenigstens noch bis Grömitz?

Der Mast stand schon fast an seinem Platz, als es von oben hieß: «Andrei, probably we have a problem».

Ich fragte, während ich den Mast noch festhielt: «What kind of problem?»

Die Antwort war kurz: «It seems the new shrouds are too long».

Ich sicherte den Mastfuß und stieg an Deck. Die Wantenspanner lagen auf dem Deck. Die neuen Wanten waren so lang, dass sie praktisch bis an die Püttinge reichten, ohne jede Reserve zum Spannen. Nachziehen ging nicht mehr.

Wenn ein Fehler hilft

Ich fragte, was wir jetzt damit machen. Die Werft gab zu, dass es ihr Fehler war, schließlich hatte sie die Wanten bestellt. Sie bot an, die Wanten abzunehmen, an den Hersteller zurückzuschicken, danach wieder anzuschlagen und den Mast auf eigene Kosten zu stellen. Außerdem wollte sie mit dem Hafenmeister klären, dass das Boot bis zum Ende der Arbeiten kostenlos in der Marina liegen kann.

Ich war einverstanden. Ehrlich gesagt war ich nach dieser Nachricht sogar ein bisschen erleichtert. Die Passage nach Kiel fiel aus – nicht wegen meiner Angst, nicht wegen der Vorhersage und nicht wegen Zweifeln am Boot, sondern aus einem rein technischen Grund, an dem kein Weg vorbeiführte.

Der Plan „einwassern, Mast stellen und sofort 80 Seemeilen los“ war endgültig geplatzt. Mit ihm platzte aber auch die Illusion, man könne ein Boot nach einer großen Reparatur einfach abholen wie ein Auto aus der Werkstatt und gleich weiterfahren.

Nach Arbeiten an kritischen Baugruppen braucht es keine heldenhafte Eile, sondern eine kurze Prüfphase. Den Rumpf nach dem Einwassern kontrollieren. Die Wellendichtung unter Last prüfen. Sicherstellen, dass der Motor ohne Kraftstoff- und Luftlecks läuft. Das Rigg einstellen. Schauen, was sich verändert hat, und erst dann weit hinausfahren.

Den Mast stellten sie erst zwei Wochen später. In dieser Zeit wurde klar, dass die Verzögerung nicht nur ein Problem war, sondern auch eine Pause zum Prüfen. Nach Arbeiten an Rumpf, Welle, Motor und Rigg tut es dem Boot gut, erst ein paar Tage in der Marina zu verbringen, statt gleich zu einer langen Passage aufzubrechen.

#Wartung
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Laut letztem Eintrag

Wie die Geschichte ausging

Anode, Geber und die Schnittkante unter der Klüse habe ich selbst fertig gemacht. Nach dem Einwassern war das Boot dicht, aber die neuen Wanten waren zu lang: Die Werft gab den Fehler zu, und der Mast stand erst zwei Wochen später. Nach Arbeiten an kritischen Baugruppen braucht es erst eine Erprobungspause in der Marina, nicht gleich eine lange Passage.

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