Rote Dächer und der Hafen von Christiansø
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Rassvet · Ohlson 29 / April 2025

Nach Bornholm und Christiansø

Frühjahrstörn ab Lübeck: Barhöft, Bornholm und das kleine Christiansø. Nebel, lange Passagen, Spaziergänge über die Inseln und die Rückkehr nach Kiel.

Reise beginnen ↓
Törndaten21. April 2025 – 30. April 2025
Zurückgelegt419 Seemeilen
UnterwegsDeutschland · Dänemark

In den Titeln der ursprünglichen Beiträge steht das Jahr 2024. Die Daten dieses Törns richten sich nach GPX und den Wettervorhersagen in der Serie selbst: April 2025. Der Originaltext bleibt unverändert.

Die Passage

Lübeck – Barhöft

21. April 2024. Nach zweieinhalb Monaten ohne einen freien Tag – tagsüber Code, am Wochenende Farbe – konnte ich endlich durchatmen. Drei Tage habe ich an Bord ausgeschlafen und bin wieder zu mir gekommen. Start in Lübeck, Kurs Nordost – nach Christiansø und Bornholm. Beim ersten Schlag will ich wenigstens bis Rügen kommen.

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Reise nach Bornholm. Teil 1. Lübeck – Barhöft

21. April 2024. Nach zweieinhalb Monaten ohne einen freien Tag – tagsüber Code, am Wochenende Pinsel – konnte ich endlich durchatmen. Drei Tage schlief ich mich auf dem Boot aus und kam wieder zu mir. Start in Lübeck, Kurs Nordost – nach Christiansø und Bornholm. Beim ersten Schlag will ich es wenigstens bis Rügen schaffen.

Nothäfen
• Da es der erste Törn der Saison ist, kann alles Mögliche passieren. Die nächsten Schutzhäfen in der Lübecker Bucht: Travemünde (7 Seemeilen) und Grömitz (20 Seemeilen).
• Wismarbucht – 25 Seemeilen (6–9 Stunden Fahrt), mit mehreren geeigneten Marinas.
• Danach Kühlungsborn (35 Seemeilen), Warnemünde (45 Seemeilen). Theoretisch käme ich bis Gedser (55 Seemeilen), aber dafür müsste ich das Verkehrstrennungsgebiet (TSS) queren.
• Dann eine lange Strecke ohne Schutzhafen. Nur Prerow bei Meile 70.
• Endziel: Barhöft, bei Meile 98.
Bei einem Schnitt von 4,5 Knoten dauert die Strecke etwa 20–22 Stunden.

Wetter
Windy (rot) versprach 3–11 Knoten Gegenwind.

Shipping Forecast
, 21.04.2025, 09:36 UTC
No warnings
Western Baltic: light and variable winds, at times misty with fog patches, later locally thunderstorms, sea below 0.5 meter.


Ich muss also unter Motor laufen – um unter Segeln die geplante Geschwindigkeit zu halten, bräuchte ich mindestens 15 Knoten von der Seite oder von achtern.

Die Passage
Die Fahrt verlief ruhig. Ich folgte der Route in Navionics und probierte Savvy Navvy aus, aber damit wurde ich nicht warm. An der Küste Schwäne, auf See Möwen. Nicht weit von Wismar begleiteten mich ein paar Minuten lang Schweinswale – sie sehen aus wie Delfine, nur kleiner. Ein gutes Zeichen. Ich las, trank Tee und war einfach im Moment.

Früher habe ich Spiritus immer nur in kleinen Mengen in den Kocher gefüllt – für eine Kanne Tee. Jetzt habe ich eine halbe Flasche reingekippt, um mir das Gefummel zu sparen. Praktisch.

Nach Sonnenuntergang wurde es kalt. Ich zog sieben Schichten Kleidung an, packte Wärmepads dazu und wickelte mich direkt im Cockpit in den Schlafsack. Auszuhalten, aber aus diesem Kokon wieder herauszukommen, ist eine Aufgabe für sich. Gibt es eigentlich vernünftige Thermounterwäsche für solche Bedingungen?

Nach zehn fing ich an zu dösen. Ich ging zum Intervallschlaf über: Alle 20 Minuten wache ich auf und prüfe Kurs und Lage. Manchmal öfter. Du weißt nie, ob der Autopilot aussteigt oder dir genau so ein Boot mit eingeschlafenem Skipper entgegenkommt. Ich sah eine Sternschnuppe.

Gegen vier Uhr morgens begann es zu dämmern. Stellenweise Nebel und Niesel. Alles voller Kondenswasser. Dafür ein fantastischer Sonnenaufgang.

Gegen sieben erreichte ich Rügen – eine Insel unter Naturschutz, mit engen Fahrwassern und Untiefen ringsum. Konzentrieren fällt schwer: überall Vögel und Landschaft. Am liebsten wäre ich den ganzen Urlaub hier geblieben.

Auf Grund
Schon vor der Marina wurde mir mulmig – die Fender waren noch nicht draußen. 200 Meter davor stoppte ich und lief nach vorn zum Bug, um alles vorzubereiten. In der Zeit hatte der Wind das Boot aus dem Fahrwasser gedrückt. Kaum hielt ich auf die nächste Tonne zu, wurde das Heck abrupt angehoben, und das Boot stand. Auf Grund.

Rückwärtsgang – nichts. Ich versuchte, das Boot freizuschaukeln, rollte das Segel aus – alles zwecklos. Das Boot hatte sich fest eingegraben. Ich rief den Hafenmeister an – er hatte mich schon gesehen und die Seenotretter alarmiert.

Vom großen Rettungsboot legte ein kleines Beiboot ab. Zwei Leute an Bord. Höflich, aber bestimmt baten sie mich, zuerst ein Formular auszufüllen. Danach gaben sie mir eine Leine, die ich am Bug belegen sollte. Ein paar Minuten später war die Yacht wieder im Fahrwasser.

Bilanz
Zurückgelegt 98 Seemeilen in 22 Stunden. 23 Liter Diesel verbraucht.

#Passage

Wetter auf der Passage

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Liegeplatz

Pause in Barhöft

22. April 2024. Nach dem Einlaufen in die Marina machte ich als Erstes längsseits an der Dieselzapfsäule fest – ich musste tanken, die Bezahlung für die „Rettung“ klären und herausfinden, wo ich über Nacht liegen kann. Die Marina ist fast leer – man kann sich jeden Platz aussuchen. Zwei Arten festzumachen: längsseits an den Fingerstegen oder mit dem Heck an der Boje.

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Reise nach Bornholm. Teil 2. Barhöft

Formalitäten
22. April 2024. Gleich nach dem Einlaufen in die Marina ging ich längsseits an die Dieseltankstelle – ich musste tanken, die Bezahlung für die „Rettung“ klären und herausfinden, wo ich über Nacht liegen konnte.

Die Marina ist fast leer – du kannst dir jeden Platz aussuchen. Es gibt zwei Arten festzumachen: längsseits am Fingersteg oder mit dem Heck an der Boje. Nach meinem epischen Kreiseln um die Bojen vor ein paar Jahren war die Wahl klar.

Am Steg lag ein Boot von Search & Rescue. Ich ging an Bord, fand die Crew und fragte, was mich ihre Hilfe kosten würde. Antwort: 200 € pro Stunde, aber die gute Nachricht – für mich hatten sie weniger als eine halbe Stunde gebraucht. Die Unterlagen gehen an das Büro in Bremen, von dort kommt die Rechnung per Post.

Dann ging ich zum Hafenmeister. Ein junger Kerl, der kein Englisch spricht. Wir verständigten uns mit einer Mischung aus meinem gebrochenen Deutsch, Gesten und allgemein bekannten englischen Wörtern. Er schaltete die Zapfsäule ein und wartete, bis ich Tank und Kanister gefüllt hatte. Diesel 2,20 €/l, ohne Bio-Beimischung. Trotzdem gab ich vorsorglich 25 ml Liqui Moly Marine Diesel Protection dazu.

Der Liegeplatz kostet 15,50 € für ein Boot bis 9 m plus 4 € pro Person. Dazu 20 € Pfand für die Karte zu den Sanitäranlagen. Zu meiner Überraschung ist die Dusche kostenlos und unbegrenzt. Eine Seltenheit in Deutschland.

Fisch
Auf dem Rückweg zum Boot sah ich einen Fischkutter anlegen. Die Crew lud Kisten mit frischem Fisch und Eis aus. Mir schoss durch den Kopf: Hätte ich auf Grund sitzend auf die gewartet, hätten sie mich vielleicht billiger abgeschleppt. Ich überlegte kurz, Fisch für eine Fischsuppe zu kaufen, aber die Müdigkeit siegte – ich legte mich schlafen.

Ein paar Stunden später wachte ich auf. Über dem Steg hing ein köstlicher Fischduft. Die Fischer räucherten schon die Reste ihres Fangs. Ein riesiger Hornhecht kostete nur 4 €. Allein schafft man den kaum, aber obendrauf bekam ich noch drei Stücke anderen Fisch geschenkt. Ich setzte mich an einen Tisch am Wasser und fing an zu essen. Der Fisch war grätig, leicht säuerlich und hatte grüne Gräten – so etwas hatte ich noch nie gesehen, schon gar nicht für so wenig Geld.

Die Gegend
Nach dem Mittagessen ging ich auf Erkundungstour. Im Osten ein Strand und ein Schild „Vorsicht. Wildnis“. Viel zu tun gibt es dort nicht.

Der Ort ist gemütlich: ein Dutzend Häuser, ein Restaurant, ein Café, ein paar Hotels und ein Campingplatz. Die Atmosphäre erinnert an ein sowjetisches Ferienheim.

Ich ging nach Westen – und lag damit richtig. Ein gepflegter Weg, zu beiden Seiten blühende wilde Pflaumen, die Luft voller süßem Duft. Doch überall war ein seltsames Summen zu hören, als käme es aus der Erde. Vorbei an einem geschlossenen Museum und einem Aussichtsturm (1 €) kam ich auf eine Aussichtsplattform über einem See. Vom Turm aus wurde es klar: Über jedem Busch und jedem Baum standen dichte Mückenschwärme. Schwarze „Flammenzungen“, die in der Luft tanzten. Beängstigend schön.

Das Feld
An einem Feld kam ich an eine Weggabelung. Ein Schild zeigte zurück zur Marina und geradeaus zu einer „Sehenswürdigkeit“. Ich ging weiter. Es kamen Büsche und mit ihnen Mückenwolken auf Kopfhöhe. Ich zögerte, duckte mich dann aber und rannte los. Die Mücken setzten sich in Haare, Augen und Kragen.

Am Ende des Weges erwartete mich eine zweite Aussichtsplattform über dem See – und drei ebensolche schwarze Wolken. Das war’s. Der Weg war zu Ende. Das Feld vermutlich voller Zecken, hinter mir die Mücken, vor mir eine Sackgasse. Ich fühlte mich in der Falle.

Zurück in der Marina duschte ich und verbrachte den Abend am Strand, mit Blick auf einen Regenbogen über dem Meer.

#Passage
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Die Passage

Über die Ostsee nach Rønne

23. April 2024. Zum Frühstück gab es vier Eier, Jamón, Gemüse, zwei Brötchen und Kaffee. Alles für 10 Euro im Café an der Marina. Ich setzte mich mit dem Handy hin und begann, die Passage zu planen. Kurs Nordost, Richtung Rønne. Im Notfall bleibt nur, vor Rügen zu ankern. Unterwegs liegen mehrere Windparks.

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Reise nach Bornholm. Teil 3. Barhöft – Rønne

Planung
23. April 2024. Zum Frühstück gab es vier Eier, Jamón, Gemüse, zwei Brötchen und Kaffee. Alles für 10 Euro im Café an der Marina. Ich setzte mich mit dem Handy hin und begann, die Passage zu planen.

Kurs Nordost, Richtung Rønne. Falls etwas schiefgeht, bleibt nur, vor Rügen zu ankern. Unterwegs liegen mehrere Windparks. Ich beschloss, sie im Norden zu umfahren, das ist sicherer.

Shipping Forecast
, 23.04.2025, 10:11 UTC
No warnings
Southern Baltic: light and variable winds, later northeast 4–5, at times misty with fog patches, sea later 1 meter.


Windy zeigte für die erste Tageshälfte schwachen Halbwind mit 5–8 Knoten. Danach Flaute unter einem festsitzenden Hoch. Bis Rønne rund 75 Seemeilen. Um sie in weniger als 20 Stunden zu schaffen, musste der Motor fast die ganze Zeit laufen.

Ablegen
Seit ich auf Grund gelaufen war, passte ich extrem auf. Ich hielt mich die ganze Zeit in der Mitte des Fahrwassers. Die GPS-Geschwindigkeit erreichte 6 Knoten – ein Zeichen für Strömung, wie sie in der Ostsee selten ist. So etwas erlebe ich erst zum zweiten Mal, das erste Mal war bei Fehmarn.

Bald tauchte eine graue Nebelwand auf. Ausweichen ging nicht – ich fuhr hinein, und der Nebel schloss sich allmählich von allen Seiten. Der Wind schlief endgültig ein. Wäre da nicht eine leichte Dünung gewesen, die von irgendwo weit her heranrollte, hätte die See wie ein Spiegel gewirkt. Drei solche Abschnitte gab es. In jedem war ich zwei Stunden unterwegs.

Etwa auf halber Strecke drehte die Strömung gegen mich. Die GPS-Geschwindigkeit fiel auf vier Knoten, die Logge zeigte weiter 4,9. Mit gesetzten Segeln konnte ich das ein wenig ausgleichen.

Die Drohne
In einer der nebligen Flauten beschloss ich, meine alte DJI Mini SE aufsteigen zu lassen. Ich wollte ein paar Aufnahmen mit gesetzten Segeln inmitten endlosen Wassers. Alles lief nach Plan, bis die Drohne sich plötzlich nicht mehr bewegte. Kamera und Drehung ließen sich noch steuern, aber die Drohne selbst stand wie festgenagelt in der Luft. Das Boot fuhr weiter, sie blieb zurück. Die Verbindung zum Handy wurde schwächer, der Akku leerte sich. Noch 15 Minuten Flugzeit. Panik.

Ich fierte die Schoten auf, startete den Motor und drehte das Boot um. Anhand des Kamerabilds auf dem Display orientierte ich mich, wo sie war. Ich musste vorsichtig heranfahren, um sie nicht mit Mast oder Achterstag zu erwischen. Ich legte den Rückwärtsgang ein und kam näher. Packte sie am Gehäuse.

Die Drohne zappelte in meiner Hand und wollte sich losreißen. Mit einer Hand drückte ich die Sticks nach unten, mit der anderen hielt ich sie fest. Die Rotoren erwischten ein paar Mal meine Finger, Blut spritzte übers Cockpit. Ich klebte Pflaster drauf, desinfizierte mit Alkohol, schaltete die Drohne aus und legte sie vorsichtig zusammen. Aufnahmen im Kasten, Hände zittern.

Die Passage
Die Windräder auf See waren beeindruckend. Im Nebel wirkten sie unwirklich hoch, fast außerirdisch. Ich genoss den Sonnenuntergang, packte mich in sieben Schichten Kleidung und ging in den Intervallschlaf. Bis Rønne würde es noch bis tief in die Nacht dauern, ich musste mich ausruhen.

Gegen Mitternacht wachte ich auf. Auf dem AIS zogen Containerschiffe vorbei. Im Dunkeln fand ich die Hafeneinfahrt – Orientierung gaben zwei grüne Lichter. Stockfinster, Steine in der Nähe. Die Einfahrt war verwinkelt und nicht gerade freundlich, aber ich kam durch. Eine Alternative hatte ich ohnehin nicht.

Fazit
Zurückgelegt 76 Seemeilen in 16 Stunden. 15 Liter Diesel verbraucht.

#Passage

Wetter auf der Passage

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Liegeplatz

Inseltag in Rønne

24.–25. April 2024. Gegen zwei Uhr nachts machte ich an den Fingerstegen fest und schloss den Landstrom an. Sofort ging ich die Sanitäranlagen inspizieren. Unterwegs fiel mir ein Dieseltank mit Selbstbedienungsterminal auf. Später kam ich mit den Kanistern zurück: Pfand 80 Euro, Diesel 16,29 dänische Kronen pro Liter.

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Reise nach Bornholm. Teil 4. Rønne

Formalitäten
24.–25. April 2024. Gegen zwei Uhr nachts machte ich am Fingersteg fest und schloss den Strom an. Dann ging ich gleich los, um die Sanitäranlagen zu begutachten. Unterwegs entdeckte ich einen Dieseltank mit Selbstbedienungsterminal. Später kam ich mit Kanistern zurück: Kaution 80 Euro, Diesel 16,29 dänische Kronen pro Liter. Die Kaution kam fast sofort zurück.

Auch der Liegeplatz wird am Terminal bezahlt. Alle Häfen der Insel sind in einem Netz zusammengeschlossen: Wenn du einen bezahlst, kannst du gleich auch andere vorab buchen. Bleibst du insgesamt länger als fünf Tage, gibt es Gratisnächte. Für zwei Tage wurden 532 Kronen abgebucht. Das Terminal spuckte einen Aufkleber mit den Codes für Dusche und Toilette aus. Duschen ohne Limit – besonders angenehm.

Nach der Dusche schlief ich schnell ein.

Strand
Kurz vor dem Urlaub schlug mir mein Bekannter Denis vor, mich bei einer Seglerfamilie zu melden, die schon lange auf der Insel lebt. Er gab mir Annas Kontakt. Wir schrieben uns, und sie empfahl mir ein paar interessante Orte in Rønne.

Ich begann mit einem Spaziergang nach Norden – durch einen Park zu einem breiten, menschenleeren Strand. Der Tag war bewölkt und windig. Ich zog die Schuhe aus, krempelte die Jeans hoch und lief barfuß über den kühlen Sand. Ohne Sonne ging jedes Zeitgefühl verloren. Ich lief einfach, schweigend, ganz in Gedanken. Der perfekte Ort, um mit sich allein zu sein. Mitgenommen habe ich einen Stein mit rostorangem Belag.

Museum
Als großer Museumsfan konnte ich am Stadtmuseum nicht vorbeigehen. Überrascht hat mich, dass sich drinnen ganze drei Etagen Ausstellung verbergen. Es gab Fundstücke aus der Wikingerzeit und die Geschichte des örtlichen Trolls Krølle Bølle – eines frechen Märchenjungen. Ein eigener Saal ist der Besetzung der Insel durch sowjetische Truppen gewidmet. Und sogar Schönschreibhefte, die verdächtig denen ähnelten, mit denen ich selbst schreiben gelernt habe. Der Besuch hat sich definitiv gelohnt.

Der Ort
Rønne ist die größte Stadt auf Bornholm, aber du kannst sie in ein paar Stunden komplett ablaufen. Gepflegte Häuschen, Ziegeldächer, Kopfsteinpflaster unter den Füßen. Ich hatte Lust, einfach in ein Café zu gehen, einen Kaffee zu trinken und ein Croissant zu essen. Der Barista machte einen so aromatischen Kaffee, dass ich nicht widerstehen konnte und fragte, was das für eine Sorte sei. Man zeigte mir eine Packung BAYA 100% Arabica mit Schokoladennoten. Muss ich mir merken.

In der Hauptstraße gibt es viele Restaurants und Cafés. Auf Empfehlung schaute ich bei Aroy Dee Thai Takeaway vorbei. Schnell und lecker.

Ich bummelte durch die Straßen und machte ein Foto von mir an den beiden Leuchttürmen beim Handelshafen. Nahe der Marina liegt ein Einkaufszentrum, wo du bequem Lebensmittel auffüllen und Kleidung kaufen kannst. Ich versuchte, Produkte aus der Region zu nehmen. Den Busfahrplan habe ich mir auch angesehen: Die Busse fahren selten, 4–6 Mal am Tag. Pass also gut auf, sonst übernachtest du an der Haltestelle.

Zurück an Bord stellte ich fest, dass die mittlere Relingsstütze herausgerissen war. Offenbar hatten die Fender zu eifrig am Steg gescheuert.

Besuch
Am Abend kam Anna mit ihrer Freundin Julia zu Besuch. Wir quatschten lange: tauschten Seglergeschichten aus, sprachen über das Leben im Ausland und unsere Lieblingsecken auf der Insel. Als Geschenk bekam ich ein Set Postkarten von Christiansø, wo Anna einige Jahre gelebt hatte. Jede Karte war eine kleine Schnitzeljagd: Finde diesen Ort und sieh ihn dir selbst an. Es war richtig herzlich und warm. Am liebsten wäre ich mindestens eine Woche geblieben. Ein paar Tage sind viel zu wenig für so eine Insel.

#Passage
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Die Passage

Das kleine Christiansø

26. April 2024. Schweren Herzens verließ ich Rønne. Ich wollte überhaupt nicht weg und hätte gern wenigstens noch ein paar seiner Rätsel gesehen. Ursprünglich wollte ich Bornholm im Süden runden und den Rückweg über die Nordseite antreten. Aber Anna und Julia überredeten mich zu einer anderen Route – entlang des felsigen Nordens.

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Reise nach Bornholm. Teil 5. Christiansø

Passage Rønne – Christiansø
26. April 2024. Schweren Herzens verließ ich Rønne. Ich wollte überhaupt nicht weg und hätte gern noch wenigstens ein paar seiner Geheimnisse entdeckt. Ursprünglich hatte ich vor, Bornholm im Süden zu runden und den Rückweg über die Nordseite anzutreten. Doch Anna und Julia überredeten mich, anders zu fahren – an der felsigen Nordküste entlang. Dort gibt es einen Leuchtturm, Klippen und den Blick auf Hammershus, eine der ältesten erhaltenen Burgen Skandinaviens.

Die Vorhersage versprach ein Hochdruckgebiet genau zwischen den Inseln. Wind gab es kaum. Also wieder ohne Segel.

Shipping Forecast
, 26.04.2025, 15.26 UTC
No warnings
Southern Baltic: variable winds about 3, at times fog patches, sea 0.5 meter.


Die Passage verlief ruhig. Ich bereute nicht, auf den Rat gehört zu haben und an der Nordküste entlanggefahren zu sein. Die See still, der Himmel klar, und die Landschaft wie aus einem alten Buch. Zurückgelegt 28 Seemeilen in 6 Stunden, 6 Liter Diesel verbraucht.

Formalitäten
Christiansø besteht aus zwei Inseln, die durch eine anderthalb Jahrhunderte alte Hängebrücke verbunden sind. Die Hafeneinfahrt liegt im Süden, eine andere gibt es nicht. An der Ostseite ist Platz für 4–5 Boote. Es gibt nur eine Stromsäule, nicht weit von der Brücke. Wenn du nicht als Erster anlegst, brauchst du ein langes Kabel.

Bezahlt wird per QR-Code. Für Boote bis 10 m 220 dänische Kronen pro Nacht. Toiletten kostenlos, Duschen mit Münzen. Gegen zwei Uhr nachmittags lag ich fest und machte mich auf, die Insel zu erkunden.

Die Insel
Christiansø war ein echtes Märchen. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen – so stark waren die Gefühle, die mich packten. Steinerne Befestigungen, alte Häuschen mit Ziegeldächern und schwarzen Dachböden, Enten und Möwen, die direkt neben den Wegen brüten, Grün, Felsen und Meer. Alles sah aus wie Szenen aus dem Spiel Alba, in dem ein Mädchen auf einer Insel Tiere fotografiert.

Am Ostufer setzte ich mich auf eine Bank. Vor mir die Brandung, die sich an den Steinen bricht, und die Schreie der Möwen, die der Wind davonträgt. Ich wünschte mir, dieser Moment würde für immer bei mir bleiben. Ich holte die Postkarten heraus und begann, die Orte zu suchen, die darauf abgebildet waren. So wurde der Spaziergang zu einem stillen, ganz persönlichen Abenteuer.

Die Läden haben hier nur ein paar Stunden geöffnet, etwa von 11 bis 13 Uhr. Auf den Leuchtturm kam ich nicht: Er wird bis Mitte Juni restauriert. Dafür öffnete um 17:30 das Restaurant der Insel – für genau eine Stunde. Die Karte ist schlicht: Salzkartoffeln mit Sauce hollandaise, Rote-Bete-Würfel und knuspriger Schweinebauch. Der Geschmack war kräftig, intensiv und erstaunlich ausgewogen.

Wie es weitergeht
Ich hatte den entferntesten Punkt meiner Route erreicht. Zu gern wäre ich wenigstens noch ein paar Tage geblieben. Aber laut Vorhersage setzt in vier Tagen ein langer Sturm mit Böen bis 50 Knoten ein. Dann wird es schwer, nach Kiel zurückzukommen. Der Rückweg ist rund 200 Seemeilen lang. Morgen soll es Wind geben, mit dem ich segeln kann. Danach wieder Gegenwind. Also muss ich gleich morgens los.

Zum Abschied ging ich noch einmal über die Insel. Ich musste lächeln über die seltsamen Laute der Eiderenten – als würden sie Luft schlucken. Ich entdeckte eine gelbe Quietscheente, die am Steg festgebunden war. Und schaute dem feurigen Sonnenuntergang nach, der den Ort in Gold tauchte.

Hierher lohnt es sich auf jeden Fall zurückzukommen.

#Passage

Wetter auf der Passage

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Die Passage

Christiansø – Gedser

27. April 2024. Um fünf Uhr morgens aufgewacht. Gewaschen, gefrühstückt, Wetter gecheckt, Route angepasst. Shipping Forecast, 27.04.2025, 09.26 UTC No warnings Southern Baltic: southeasterly winds about 3, shifting southwest, increasing 4 to 5, sea northeastern part later 1,5 meter.

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Reise nach Bornholm. Teil 6. Christiansø — Gedser

Planung
27. April 2024. Um fünf Uhr morgens aufgewacht. Gewaschen, gefrühstückt, das Wetter gecheckt, die Route angepasst.

Shipping Forecast,
27.04.2025, 09.26 UTC
No warnings
Southern Baltic: southeasterly winds about 3, shifting southwest, increasing 4 to 5, sea northeastern part later 1,5 meter.


Das Wetter erlaubte es zu segeln. Weit nach Norden durfte ich nicht – dort liegt das Verkehrstrennungsgebiet (TSS). Im Süden Windparks. Ich musste den Kurs exakt halten, egal woher der Wind kam. Es war der einzige Tag mit Ostwind. Den musste ich voll ausnutzen. Ziel: Gedser.

Schaukelpartie
Um 6:30 lief ich aus Christiansø aus. Der Wind kam aus Süd. Bis zur Nordspitze von Bornholm lief alles glatt. Doch kaum hatte ich das Kap gerundet, drehte der Wind auf Südwest. Offenbar hatte er beim Umströmen der Insel die Richtung geändert. Großsegel und Genua begannen zu schlagen. Ich musste die Segel bergen und den Motor anwerfen. Die Fahrt lag bei 4–5 Knoten. Nach meiner Rechnung würde ich in vier Stunden wieder segeln können.

Doch der Wind frischte auf 17 Knoten auf, und es baute sich eine anderthalb Meter hohe Welle auf. Die Fahrt sank auf 2–3 Knoten. Die Wellen schlugen gegen den Bug, die Yacht schaukelte und wurde immer wieder ausgebremst. Mir wurde übel. Ich atmete tief, schaute auf den Horizont und ging dann runter, um Tabletten gegen Seekrankheit zu holen. Alles, was in diesem Moment zählte: durchhalten. Und ich hielt durch.

Als der Wind weiter auf Süd drehte, setzte ich wieder Segel. Die Fahrt stieg auf 5–6 Knoten. Das Boot schnitt jetzt leichter durch die Welle und krängte gleichmäßig. Und mir ging es auch besser.

Nachtwache
Nach 21:00 wurde es dunkel. Ich wechselte in den Intervallschlaf. Nach Annas Erzählungen war mir klar geworden, dass ich nicht im Cockpit schlafen muss. Ich schaltete die Wallas-Petroleumheizung ein, machte es mir im Salon bequem und stellte den Timer. Ich nahm an, dass es entlang des TSS mitten in der Ostsee sicher genug sein würde. Alle 30 Minuten stieg ich nach oben, checkte Horizont, Kurs und AIS – und legte mich wieder hin.

So ging es bis ein Uhr nachts. Wieder mal hoch. Ich komme raus – und genau voraus, keinen Kilometer entfernt, zieht ein Frachter vorbei und zeigt mir seine Backbordseite. Eine eiskalte Welle lief mir durch den Körper. Wir liefen klar aneinander vorbei, aber ich hätte ihn früher bemerken müssen. Ich verkürzte die Intervalle auf 20 Minuten, das Einschlafen fiel jetzt schwerer.

Querung des TSS
Gegen 3:00 erreichte ich das Verkehrstrennungsgebiet. Auf dem AIS-Bildschirm waren etwa zwanzig Schiffe. Vielleicht waren es mehr, aber ich sah nur die, die in Empfangsreichweite waren. Sie liefen zwischen 9 und 15 Knoten. Das Gebiet ist vier Seemeilen breit. Ich hielt mich an seiner Ostgrenze und wartete auf eine Lücke.

Sobald sich eine Lücke auftat, begann ich mit der Querung. Eine halbe Stunde später, genau in der Mitte, zeigte das AIS Begegnungen mit fünf Schiffen. Sofort rollte ich die Segel ein, warf den Motor an und nahm Gas weg. Ich ließ alle passieren und setzte dann wieder Segel.

Gedser
Gegen sieben Uhr morgens war ich in Gedser. Die Marina war leer. Das Anlegen zwischen Pfählen freute mich: Sie halten das Boot auf Abstand zum Steg und zu den Nachbarn. Das Längsseitsliegen in den Häfen davor hatte mich eine gebrochene Relingsstütze und einen Fender gekostet, und an der Bordwand waren schwarze Abriebspuren von Reifenfendern geblieben.

Der Liegeplatz kostete 245 DKK pro Nacht. Duschen extra. Außerdem tankte ich 24 Liter Diesel zu 15,75 DKK pro Liter. Unschön: Der Automat verlangte 300 Euro Kaution, die erst nach vier Tagen zurückkamen. Ich bummelte durch den Ort und kaufte Lebensmittel ein. Gedser war fast menschenleer. Leere Straßen, Stille, als wäre der Ort ausgestorben. Ich saß eine Weile auf einer Parkbank, trank kalten Kaffee und ging zurück zur Marina.

Zurückgelegt 130 Seemeilen in 24 Stunden.

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Wetter auf der Passage

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Die Passage

Nach Heiligenhafen

28. April 2024. Um fünf aufgestanden. Windy versprach 11–17 Knoten aus West. Ich musste nach Südwest, hart am Wind. Theoretisch hätte ich bis zur Insel Fehmarn kommen können. Savvy Navvy schlug aus irgendeinem Grund eine Route durch die Windparks und über eine Untiefe vor, aber ich wollte nichts riskieren und nahm den direkten Weg.

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Reise nach Bornholm. Teil 7. Gedser — Heiligenhafen

Planung

28. April 2024. Um fünf Uhr morgens aufgestanden. Windy versprach 11–17 Knoten aus West. Ich musste nach Südwesten, hoch am Wind. Theoretisch konnte ich es bis zur Insel Fehmarn schaffen. Savvy Navvy schlug aus irgendeinem Grund eine Route durch Windparks und über eine Untiefe vor, aber ich wollte nichts riskieren und nahm den direkten Weg.

Shipping Forecast
, 28.04.2025, 10.36 UTC
No warnings
Western Baltic: light and variable winds, shifting west to northwest 3 to 4, for a time locally misty, sea 0,5 meter.


Die Passage
Morgens war es sonnig und still. Die Segel voll, das Boot stemmt sich in den Wind, die Sonne wärmt das Gesicht. Ich lief hoch am Wind und versuchte, alles herauszuholen, was er hergab.

Beim Queren des TSS war ich etwas nervös, aber alles lief ruhig. Die See wirkte friedlich. Plötzlich hörte ich ein typisches „pfff“, als hätte jemand ganz in der Nähe ausgeatmet. Ich drehte mich um und traute meinen Augen nicht.

Eine Schule Schweinswale war ans Boot gekommen. Sechs schnelle Schatten mit Finnen. Sie tauchten auf, sprangen und glitten an der Bordwand entlang. Ich ging nach vorn zum Bug: Einige schossen direkt vor dem Vorsteven aus dem Wasser. In mir flammte Begeisterung auf. Sie begleiteten mich mehr als eine Stunde, als wollten sie mir für die letzte Etappe noch eine Extraportion gute Laune mitgeben.

Kaum war ich auf Höhe der Insel, drehte der Wind genau auf die Nase. Segel runter, Motor an. Ein paar Minuten später kam das nächste Problem: Der Autopilot verweigerte den Dienst. Kein Signal, keine Reaktion. Ich musste selbst an die Pinne. Ärgerlich, denn vor mir lagen noch einige Stunden. Im Kopf rechnete ich schon die Kosten für einen neuen Autopiloten durch, als der alte nach zehn Minuten plötzlich wieder zum Leben erwachte. Was das war, habe ich nie herausgefunden.

Als ich mich der Brücke zwischen Festland und Fehmarn näherte, sah ich, wie von einem Ponton langsam ein riesiger Kran ins Wasser abgesenkt wurde. Irgendwo in mir regte sich das Gefühl, heimzukommen. Ich näherte mich wieder vertrauten Küsten.

Heiligenhafen
Die Marina war die größte, die ich je gesehen hatte: tausend Liegeplätze. Ich machte zwischen den Pfählen gegenüber einem grünen Schild fest, das einen freien Platz anzeigt. Am Ende des Stegs stand eine Tafel mit QR-Code. 20 Euro pro Nacht bezahlt. Duschen kosten extra, aber daran bin ich inzwischen gewöhnt.

Es war richtig schön, wieder in Deutschland zu sein. Alles vertraut: Architektur, Lebensart und Sprache. Das Städtchen war erstaunlich gemütlich. Ein traditionsreicher Badeort mit Strand, Cafés und Restaurants. Ich schlenderte über die Promenade, schaute ins Zentrum und aß in einer Bar einen Burger. Alles lud zum Ausspannen ein. Ein unerwarteter, aber sehr gelungener Zwischenstopp. Kann ich nur empfehlen.

Zurückgelegt 40 Seemeilen in 9 Stunden.

#Passage

Wetter auf der Passage

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Die Passage

Letzte Passage: Kiel

29. April 2024. Morgens lag dichter Nebel über der Marina. Sicht etwa fünfhundert Meter. Ich ging zur Bäckerei Junge, holte mir ein frisches Brötchen und Kaffee und setzte mich an die Vorhersage. Shipping Forecast, 29.04.2025, 10.51 UTC No warnings Western Baltic: westerly winds 3 to 4, western part for a time light and variable winds, at times misty with fog patches, sea 0,5 meter.

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Reise nach Bornholm. Teil 8. Heiligenhafen — Kiel

Planung

29. April 2024. Am Morgen hüllte dichter Nebel die Marina ein. Sicht etwa fünfhundert Meter. Ich ging zur Bäckerei Junge, holte mir ein frisches Brötchen und einen Kaffee und setzte mich an die Vorhersage.

Shipping Forecast
, 29.04.2025, 10.51 UTC
No warnings
Western Baltic: westerly winds 3 to 4, western part for a time light and variable winds, at times misty with fog patches, sea 0,5 meter.


Windy zeigte bis Mittag bis zu elf Knoten, danach sollte der Wind auf fünf abflauen. Der Nebel wollte sich nicht lichten. Mir war klar, dass ich so den ganzen Tag festsitzen konnte, also beschloss ich auszulaufen.

Navigation im Nebel
Um neun Uhr morgens verließ ich die Marina. Mir war mulmig. Bei dieser Sicht blieb keine Zeit zum Ausweichen, falls plötzlich etwas auftauchte. Egal, wie viel Zeit verging – ringsum änderte sich nichts. Meine einzigen Augen: das AIS.

Eigentlich wollte ich unter Motor laufen. Aber draußen schlugen mir siebzehn Knoten Wind samt Welle ins Gesicht. Also Segel hoch. Nach ein paar Stunden lagen die Gewässer um die Insel hinter mir. Vor mir begann das militärische Übungsgebiet Todendorf. Es erstreckt sich zwischen Fehmarn und der Kieler Bucht. Auf dem AIS sah ich ein Patrouillenboot der Marine. Es wurde geübt.

Der Wind drehte gegenan, also kreuzte ich auf. Wenden nach Westen, nach Norden, wieder nach Westen. Irgendwann, als ich mich der Grenze des Übungsgebiets näherte, hörte ich über Funk: "Rassvet .... sechs". Ich wurde nervös. Ich war mir nicht sicher, ob ich gemeint war, setzte mich aber ans Funkgerät. Als die Stimme ein paar Minuten später wiederholte: „Rassvet, Rassvet, (ein deutscher Satz), null null sechs“, schlug mein Herz schneller. Mir wurde klar: Ich sollte auf Kurs null null sechs gehen und das Gebiet nach Norden verlassen. Ich drehte sofort ab.

Heimkehr
Der Nebel hing noch immer über dem Wasser. Ab und zu tauchten im milchigen Dunst die Silhouetten anderer Yachten auf. Ohne AIS. Mir ist unbegreiflich, wie jemand an so einem Tag rausfährt, ohne sich irgendwie sichtbar zu machen.

Nach ein Uhr mittags begann sich der Nebel aufzulösen. Der Wind schlief ein. Ich rollte die Segel ein und warf den Motor an. Nach und nach klarte der Himmel auf. Es wurde ein strahlender, sonniger Tag.

Gegen fünf Uhr nachmittags erschien am Horizont das Ehrenmal in Laboe, das Denkmal für die auf See gebliebenen Seeleute. Als ich es sah, überkam mich ein warmes, fast heimisches Gefühl. Diese zwei Wochen kamen mir wie eine Ewigkeit vor. So viele Ereignisse, Erlebnisse, Entscheidungen, so viel Einsamkeit und Schönheit. Und jetzt – die vertraute Küste. Ich war zurück.

Bis sieben Uhr abends hatte ich in Dietrichsdorf festgemacht, an meinem neuen Liegeplatz. Ich packte zusammen und fuhr nach Hause. Es war eine großartige Reise, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Zurückgelegt 47 Seemeilen in 9,5 Stunden.

#Passage

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Bilanz

Nachwort

Keine Meetings, keine Routen nach fremden Vorgaben, kein „nur noch fünf Minuten“ beim Anlegen. Nur du, das Boot und der Horizont. Was dann passiert, liegt bei dir – unter deinem Segel. Niemand sagt dir, was du tun sollst. Nur du entscheidest, wann du ablegst, wohin du segelst, wie lange du schläfst und was du tust, wenn etwas kaputtgeht oder das AIS wegen kreuzender Kurse Alarm schlägt.

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Reise nach Bornholm. Nachwort

Allein auf See
Keine Meetings, keine Routen nach fremden Vorgaben, kein „nur noch fünf Minuten“ beim Anlegen. Nur du, das Boot und der Horizont. Was dann passiert, liegt bei dir – unter deinem Segel. Niemand sagt dir, was du tun sollst. Nur du entscheidest, wann du ablegst, wohin du segelst, wie lange du schläfst und was du tust, wenn etwas kaputtgeht oder das AIS wegen kreuzender Kurse Alarm schlägt.

Ich bin in Lübeck losgesegelt und habe eine Runde durch die westliche Ostsee gedreht: ein Halt im wilden und lebendigen Barhöft bei Rügen, dann übers Meer ins eigenwillige Rønne auf Bornholm, einmal um die Insel herum zur rauen Schönheit von Christiansø, eine 24-stündige Passage ins menschenleere Gedser, weiter in den Badeort Heiligenhafen bei Fehmarn – und dann nach Hause, nach Kiel.

Ich bin unter Segeln über die offene See gelaufen. Habe unter Sternen geschlafen. Verkehrstrennungsgebiete gekreuzt. Bin mit gestelltem Timer eingeschlafen. Vom Kreischen der Möwen aufgewacht. Ich habe Schweinswale gesehen, im Morgengrauen in einer leeren Marina angelegt und an der Grenze eines militärischen Übungsgebiets aufgekreuzt, als von dort über Funk mein Rufname kam. Ich bin auf Grund gelaufen und habe die Seenotretter gerufen. Habe eine Relingsstütze herausgerissen, einen Fender verloren und die Halterung einer Navigationsleuchte angeknackst. Es gab Momente, in denen ich seekrank war, in denen mir vor Erschöpfung die Luft wegblieb, in denen der Autopilot nicht reagierte. Und dann tauchte aus dem Nebel die Silhouette des Ehrenmals in Laboe auf, und ich wusste: Ich bin zu Hause.

Aber es geht nicht um die Punkte auf der Route. Das Wichtigste passierte in mir. Es ging um Vertrauen: in mich selbst, ins Boot, in den Wind. Darum, die Kontrolle loszulassen. Innerlich ruhig zu bleiben, auch wenn um dich herum alles schwankt. Für 15 Minuten einzuschlafen, obwohl dich niemand absichert. Dir einzugestehen, dass du Angst hast – und trotzdem rauszufahren.

Was ich gelernt habe
1. Intervallschlaf ist kein Witz. Der Autopilot kann aussteigen, ein entgegenkommendes Schiff aus dem Nichts auftauchen. 30 Minuten Schlaf sind schon Luxus. Besser 15–20 Minuten mit Timer.
2. Plane deine Schlafphasen schon vor dem Ablegen. Die Müdigkeit kommt plötzlich. Versuch, nachts keine Engstellen zu passieren und nicht aufzukreuzen.
3. Du musst nicht im Cockpit schlafen. Das ist unbequem und kalt. Geh lieber runter in den Salon, leg dich 15 Minuten hin und dann zurück auf Wache.
4. Festmacher und Fender vorher klarmachen. Führ die Bugleinen ins Cockpit. Zwei Fender pro Seite reichen. Häng sie so, dass du sie vom Cockpit aus mit dem Bootshaken runterlassen kannst. Die übrigen hängst du nach dem Anlegen raus.
5. Wenn du zweifelst – segle nicht allein. Hol dir jemanden an Bord. Teilt euch Wachen von 4–6 Stunden. So bleibt Zeit zum Essen und Ausruhen, und ihr teilt das Wichtigste – die Erlebnisse.

Das war nicht nur eine äußere, sondern auch eine innere Reise. Ich habe gelernt, auf mich zu hören, meinem Instinkt zu vertrauen, Entscheidungen zu treffen und loszulassen. Diese neun Tage sind ein Kapitel, zu dem ich noch oft zurückkehren werde – in Gedanken wie auf See.

Statistik
Route: Lübeck → Bärhöft → Rønne (Bornholm) → Christiansø → Gedser → Heiligenhafen → Kiel
Zeitraum: 21.–30. April 2025
Distanz: 417 Seemeilen
Dauer: 9 Tage
Wind: 2–5 Beaufort
Wellen: 0,5–2 Meter
Chronik der Reise: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8
📍 Routenkarte – falls du die Strecke in meinem Kielwasser nachsegeln willst

#Passage
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Die Leinen sind los. Die Geschichte bleibt.

Dann kommen andere Gewässer.

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