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Die Passage

Hanö.

Hanö. 19.05.2023. Freitag. Aufgestanden um 5:50. Ljoscha und ich hatten schon vorher abgemacht, früher loszufahren, damit wir abends noch durch die Stadt bummeln können. Außerdem wurde er durch das ständige Geschaukel, die Kälte und die Feuchtigkeit langsam krank, und sein Winterschlafsack hielt ihn nicht warm genug.

Ich hatte allerdings keine guten Nachrichten. Am Dienstag waren wir in eine Kaltfront geraten. Danach stellt sich kühles Wetter mit schwacher Brise ein – genau das hatten wir die letzten zwei Tage. Oft rückt dann eine Warmfront nach. Kurz und gut: Ab morgen und die ganze folgende Woche waren Böen bis 25 Knoten mit Regen angesagt. Heute mussten wir so weit kommen, wie unsere Kräfte nur reichten, sonst konnten wir jederzeit irgendwo eine Woche festsitzen.

Gewaschen, ein Fladenbrot mit Marmelade gegessen – und um 8 Uhr morgens verließen wir die Insel. Es war fast windstill. Die ersten 6 Stunden motorten wir gegen den Wind. Dann setzte ich die Segel und ging auf einen tiefen Raumschotskurs. Das brachte anderthalb Knoten mehr.

Mitten auf der Strecke meldete der Plotter eine kritische Batteriespannung von 11,7 V. Ich geriet in Panik, denn ohne Autopilot komme ich allein mit dem Segel nicht klar. Ich schaltete alle Verbraucher ab, startete den Motor, gab Gas, verband die Verbraucherbatterie mit der Starterbatterie – nichts half. Nach ein paar Minuten erholte sich die Spannung wieder. Am Abend desselben Tages stellte ich fest, dass die Bilgepumpe nicht mehr funktionierte. In den folgenden Tagen schöpfte ich das Wasser mit einer aufgeschnittenen Plastikflasche.

Um 21:30 machten wir in der Marina des Yachtclubs Gislövs läge bei Trelleborg fest. Der schlimmste Ort unserer Reise. Es roch nach Mist. Das Wasser war trüb. Der Strom fiel jede halbe Stunde aus. Vandalismussichere Toiletten wie im Flugzeug. Eine Horde Jugendlicher saß lärmend auf der Terrasse des geschlossenen Cafés.

79,7 Meilen in 14 Stunden.

#Passage
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