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Reparatur und Wartung

Winterwartung am Kiel

Der Kiel ist eines der wichtigsten Teile einer Yacht. Er erzeugt das aufrichtende Moment und bringt das Boot nach der Krängung wieder in die normale Lage. Trotzdem gehört selbst so ein massives Stück Metall nicht zu den Teilen, an die man nur beim Auskranen denken muss.

Bei Yachten mit verschraubtem Kiel gibt es zwischen Kiel und Rumpf immer eine Fuge. Das ist ein Bereich, der unter Last lebt. Der Rumpf bewegt sich ein wenig, der Kiel nimmt Stöße und Vibrationen auf – deshalb kann man diese Fuge nicht mit einer harten Masse verschließen und die Sache für erledigt halten. Gießt man sie mit Epoxid aus, entsteht mit der Zeit ein Riss, das Wasser kommt ans Metall und tut dann still und leise, was Wasser eben tut.

Das Grundprinzip ist einfach. Die Fuge muss dicht und dabei elastisch bleiben.

Meine Erfahrung


Vor drei Jahren, gleich nach dem Kauf der Yacht, sah ich Rostläufer aus dieser Fuge, nachdem ich einmal auf Grund gelaufen war. Damals gab ich das Boot in die Werft, ließ die Fuge neu machen und die Kielbefestigung in Ordnung bringen. Die Rechnung: 1200 Euro.

Im Jahr darauf tauchten die Rostspuren wieder auf, nur an einer anderen Stelle. Wieder nach einer sanften Grundberührung. Diesmal besserte die Werft es kostenlos nach. In dieser Saison wiederholte sich die Geschichte noch einmal, und da war klar: Es geht weder um einmaliges Pech noch um eine Wunderreparatur, die alles überlebt. An so einer Baugruppe muss man selbst arbeiten können. Sonst wird jeder neue Rostläufer zu einer kostenpflichtigen Nachricht.

Wie ich die Fuge behandle

Schritt 1. Ich entferne die alte Dichtmasse und öffne die Fuge bis aufs blanke Metall unten und bis aufs saubere GFK oben. Wichtig ist, keine alte Schicht stehen zu lassen, die nur noch stellenweise hält. Ein Dremel war dafür sehr praktisch.

Schritt 2. Ich reinige und entfette die Oberfläche. Ich habe Alkohol und Druckluft benutzt.

Schritt 3. Ich trage Sika Primer 206 G+P auf. In meinem Fall sorgt er für die Haftung sowohl am Stahl des Kiels als auch am GFK des Rumpfs. Zwischen Schleifen und Grundieren sollte man nicht trödeln, denn blankes Metall beginnt schnell zu oxidieren.

Schritt 4. Nach 30–60 Minuten fülle ich die Fuge mit Sikaflex 291i oder 292i. Es geht nicht nur darum, den Spalt zu schließen, sondern eine durchgehende elastische Fuge ohne Hohlräume zu bekommen.

Schritt 5. Nach dem Aushärten gleiche ich die Dichtmasse leicht an. Wenn an den Rändern die Epoxidgrundierung am Kiel beschädigt wurde, bessere ich sie aus. Die Dichtmasse selbst überstreiche ich nicht mit Epoxidgrundierung. Darauf kommt nur Antifouling.

Rostspuren am Kiel selbst


Neben der Fuge tauchen am Kiel manchmal einzelne Rostpunkte auf. Die Ursache kann verschieden sein. Hier habe ich vielleicht den Grund berührt, dort in der letzten Saison zu eifrig geschliffen. Am Kern ändert das nichts: Die Stelle muss neu geschützt werden.

Ich gehe so vor:
1. Ich schleife die Stelle bis aufs blanke Metall.
2. Ich trage Rostumwandler auf.
3. Wenn er durchreagiert hat, mattiere ich die Fläche mit einem Schleifschwamm und trage Epoxidgrundierung auf. Das wiederhole ich, bis 4 oder 6 Schichten drauf sind.
4. Danach kommt das Antifouling.

Diesmal habe ich fast alles mustergültig gemacht – bis auf einen Punkt. An den Rostumwandler habe ich erst nach der ersten Schicht Grundierung gedacht. Jetzt bleibt nur, zu beobachten, das Ganze als Feldversuch zu verbuchen und in der nächsten Saison die Reihenfolge nicht zu verwechseln.

#Wartung
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