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Was ich mir auf der Düsseldorf Boat Show 2026 abgeschaut habe
Kontext
Am 17. und 18. Januar 2026 sind Grigori, Sergej, Nikita und ich nach Düsseldorf zur größten Yachtmesse gefahren. Äußerlich wirkte alles vertraut. Sechzehn riesige Hallen. Von selbstgebauten Holzpaddeln für Kajaks bis zu mehrstöckigen Superyachten mit Champagner am Eingang. Das Einzige, was sich von Jahr zu Jahr wirklich ändert, ist das Gefühl in den Beinen.
Moderne Boote als Ideenquelle
Wer eine fünfzig Jahre alte Yacht besitzt, verliert schnell seine Illusionen. Vom Werftzustand ist das Schiff längst weit entfernt. Alles, was kaputtgehen konnte, ist kaputtgegangen. Alles, was nicht mehr zeitgemäß war, ist rausgeflogen. Neue Technik steckt mal sauber, mal weniger sauber an Stellen, die nie dafür gedacht waren. Und das Ganze gewürzt mit einem knappen Budget. Mein Interesse an modernen Booten ist deshalb rein praktisch. Ich will verstehen, welche Lösungen heute Standard sind und was ich mir davon schmerzfrei abkupfern kann.
Beneteau First 36SE
Angefangen haben wir am Stand der französischen Werft Beneteau. Die neue First 36SE wirkte wie ein sehr durchdachtes Boot, das nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auch auf Wartungsfreundlichkeit ausgelegt ist.
Die Bodenbretter sind aus GFK und schließen dicht. Zum Öffnen dient eine knallrote Stofflasche, die auf die Oberfläche geklebt ist. In den Achterkajüten besteht die Liegefläche aus perforiertem Sperrholz. Man kann sie herausnehmen und den Raum in ein Segellager verwandeln. Der Motor ist von allen Seiten zugänglich. Eine flexible Leuchte beleuchtet wahlweise den Motor oder die Koje. Daneben gibt es ein Silikonfenster, durch das man die Düse eines Feuerlöschers einführen kann. Der Kühlschrank ist in die Arbeitsplatte eingelassen und wird oben mit einem wärmeisolierenden, alukaschierten Stoff abgedeckt, der mit Nieten befestigt ist. Innentüren und Schränke bestehen aus Stoffpaneelen mit Pappkern und halten mit Magneten. In den achteren Backskisten, wo viele Kabel und Schläuche verlaufen, trennt ein tiefes Netz das Stauzeug von der Technik.
Manche dieser Lösungen wirken so logisch, dass sie ganz unverhofft auf ein gewisses altes finnisches Boot umziehen könnten, zu dem ich Zugang habe.
Hallberg-Rassy 370
Danach ging es zum Stand von Hallberg-Rassy. Es fühlte sich an, als wäre ich aus der Werkstatt meines Vaters in ein Labor geraten. Alles perfekt verarbeitet. Kein Spiel. Materialien ohne Kompromisse.
Die Teppiche sind mit Nieten am Boden befestigt. Einfach und zuverlässig. In der Pantry gibt es eine ausziehbare Platte für mehr Arbeitsfläche. Die Rückenlehne der Koje lässt sich hochklappen und mit einem dünnen Bändsel an der Decke festmachen, das schafft Platz zum Schlafen. Wo Leinen das Gelcoat berühren, sitzen Scheuerleisten aus Edelstahl. Die Luke über dem WC ist aus weißem Acrylglas. Licht kommt rein, die Privatsphäre bleibt.
Irgendwann kam der hartnäckige Wunsch auf, das alles bei mir nachzubauen. Ein Wunsch, der natürlich einen vorsichtigen Abgleich mit Budget und Realität verlangt.
Regattaboote und Regatten
Grigori hat alle Boote der Klasse Mini 6.50 abgeklappert, die auf der Messe standen. Wir haben uns die Form des Vorstevens angesehen, die Größe der Großsegel, die abnehmbaren Backstagen, die drehbare Trommel der Rollanlage Selden CX und die Navigationselektronik von NKE. Wir haben diskutiert, wie das alles unter Regattabedingungen funktioniert. Außerdem haben wir uns Vorträge von SailGP-Teams und von Skipperin Pip Hare angehört, die bei der Vendée Globe gesegelt ist. Die Eindrücke taten Kopf und Beinen gleichermaßen gut.
(Fortsetzung unten)
#Verschiedenes
(Fortsetzung: Düsseldorf Boat Show 2026)
Ausrüstung und unerwartete Erkenntnisse
Mein Hauptziel in den Ausrüstungshallen war der Stand von Epifanes. Während Grigori mit den Leuten von Premium Ropes sprach, zeigte ich Fotos von abblätternder Farbe auf Höhe der Wasserlinie und erzählte, dass mir eine KI geraten hatte, die Stelle mit Zweikomponentenlack neu zu streichen. Der Verkäufer erklärte ganz ruhig: Wenn ich der KI vertraue, sehen wir uns in einem Jahr mit denselben Fotos wieder. Sein Rat war einfacher. Die Wasserlinie um fünf Zentimeter anheben. Vielleicht ist die Yacht inzwischen so gut ausgerüstet, dass ihr Schwerpunkt jetzt tiefer liegt als beim Voreigner.
Am Stand von Garmin habe ich gefragt, warum die Search-and-Rescue-Versicherung für Einwohner Deutschlands gestrichen wurde. Sie könnte nicht nur ein Leben retten, sondern einem auch lebenslange Rechnungen für die Rettung eben dieses Lebens ersparen. Eine Antwort darauf hatten sie nicht. Dafür aber die Nummer des Supports.
Unter den Start-ups ist mir eine Erfindung aus Wischmopp, Gasdruckfeder und Halterung für eine Schleifmaschine im Gedächtnis geblieben. Das Set kostete rund dreihundert Euro. Ich habe den Jungs viel Glück gewünscht. Viel mehr beeindruckt hat mich das Open Boat Project. Die Leute entwickeln Hard- und Software für Yachten und stellen alle Schaltpläne frei zur Verfügung. Eine komplette Navigationsausstattung kannst du selbst zusammenbauen und drucken.
Dinge, die mich nicht loslassen
Der Bootshaken HOOK and MOOR, mit dem man eine Festmacherleine in einer Sekunde durch einen Ring fädelt, hat mich so beschäftigt, dass ich fast die ganze Rückfahrt aus Düsseldorf seinen Mechanismus im Kopf durchgespielt habe, um ihn für den 3D-Drucker nachzukonstruieren.
Dann gab es noch einen Universalkleber, der Kunststoff, Holz, Gummi, Papier und Metall verbindet. Laut Beschreibung geht eher das Bauteil selbst kaputt als die Klebenaht. Ich bekam die leise Sorge, dass ein umgekipptes Döschen davon Folgen haben könnte, die in keinem Verhältnis zum Anlass stehen.
Und dann war da noch ein unglaublich schöner Kanonenofen von Tiny Stove. So schön, dass ich länger als geplant vor dem Stand stand und nach Preis, Einbau und Wartung fragte. Vielleicht macht er eines Tages tatsächlich die kalten, klammen Abende an Bord meiner Yacht gemütlicher.
#Verschiedenes
Kontext
Am 17. und 18. Januar 2026 sind Grigori, Sergej, Nikita und ich nach Düsseldorf zur größten Yachtmesse gefahren. Äußerlich wirkte alles vertraut. Sechzehn riesige Hallen. Von selbstgebauten Holzpaddeln für Kajaks bis zu mehrstöckigen Superyachten mit Champagner am Eingang. Das Einzige, was sich von Jahr zu Jahr wirklich ändert, ist das Gefühl in den Beinen.
Moderne Boote als Ideenquelle
Wer eine fünfzig Jahre alte Yacht besitzt, verliert schnell seine Illusionen. Vom Werftzustand ist das Schiff längst weit entfernt. Alles, was kaputtgehen konnte, ist kaputtgegangen. Alles, was nicht mehr zeitgemäß war, ist rausgeflogen. Neue Technik steckt mal sauber, mal weniger sauber an Stellen, die nie dafür gedacht waren. Und das Ganze gewürzt mit einem knappen Budget. Mein Interesse an modernen Booten ist deshalb rein praktisch. Ich will verstehen, welche Lösungen heute Standard sind und was ich mir davon schmerzfrei abkupfern kann.
Beneteau First 36SE
Angefangen haben wir am Stand der französischen Werft Beneteau. Die neue First 36SE wirkte wie ein sehr durchdachtes Boot, das nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auch auf Wartungsfreundlichkeit ausgelegt ist.
Die Bodenbretter sind aus GFK und schließen dicht. Zum Öffnen dient eine knallrote Stofflasche, die auf die Oberfläche geklebt ist. In den Achterkajüten besteht die Liegefläche aus perforiertem Sperrholz. Man kann sie herausnehmen und den Raum in ein Segellager verwandeln. Der Motor ist von allen Seiten zugänglich. Eine flexible Leuchte beleuchtet wahlweise den Motor oder die Koje. Daneben gibt es ein Silikonfenster, durch das man die Düse eines Feuerlöschers einführen kann. Der Kühlschrank ist in die Arbeitsplatte eingelassen und wird oben mit einem wärmeisolierenden, alukaschierten Stoff abgedeckt, der mit Nieten befestigt ist. Innentüren und Schränke bestehen aus Stoffpaneelen mit Pappkern und halten mit Magneten. In den achteren Backskisten, wo viele Kabel und Schläuche verlaufen, trennt ein tiefes Netz das Stauzeug von der Technik.
Manche dieser Lösungen wirken so logisch, dass sie ganz unverhofft auf ein gewisses altes finnisches Boot umziehen könnten, zu dem ich Zugang habe.
Hallberg-Rassy 370
Danach ging es zum Stand von Hallberg-Rassy. Es fühlte sich an, als wäre ich aus der Werkstatt meines Vaters in ein Labor geraten. Alles perfekt verarbeitet. Kein Spiel. Materialien ohne Kompromisse.
Die Teppiche sind mit Nieten am Boden befestigt. Einfach und zuverlässig. In der Pantry gibt es eine ausziehbare Platte für mehr Arbeitsfläche. Die Rückenlehne der Koje lässt sich hochklappen und mit einem dünnen Bändsel an der Decke festmachen, das schafft Platz zum Schlafen. Wo Leinen das Gelcoat berühren, sitzen Scheuerleisten aus Edelstahl. Die Luke über dem WC ist aus weißem Acrylglas. Licht kommt rein, die Privatsphäre bleibt.
Irgendwann kam der hartnäckige Wunsch auf, das alles bei mir nachzubauen. Ein Wunsch, der natürlich einen vorsichtigen Abgleich mit Budget und Realität verlangt.
Regattaboote und Regatten
Grigori hat alle Boote der Klasse Mini 6.50 abgeklappert, die auf der Messe standen. Wir haben uns die Form des Vorstevens angesehen, die Größe der Großsegel, die abnehmbaren Backstagen, die drehbare Trommel der Rollanlage Selden CX und die Navigationselektronik von NKE. Wir haben diskutiert, wie das alles unter Regattabedingungen funktioniert. Außerdem haben wir uns Vorträge von SailGP-Teams und von Skipperin Pip Hare angehört, die bei der Vendée Globe gesegelt ist. Die Eindrücke taten Kopf und Beinen gleichermaßen gut.
(Fortsetzung unten)
#Verschiedenes
(Fortsetzung: Düsseldorf Boat Show 2026)
Ausrüstung und unerwartete Erkenntnisse
Mein Hauptziel in den Ausrüstungshallen war der Stand von Epifanes. Während Grigori mit den Leuten von Premium Ropes sprach, zeigte ich Fotos von abblätternder Farbe auf Höhe der Wasserlinie und erzählte, dass mir eine KI geraten hatte, die Stelle mit Zweikomponentenlack neu zu streichen. Der Verkäufer erklärte ganz ruhig: Wenn ich der KI vertraue, sehen wir uns in einem Jahr mit denselben Fotos wieder. Sein Rat war einfacher. Die Wasserlinie um fünf Zentimeter anheben. Vielleicht ist die Yacht inzwischen so gut ausgerüstet, dass ihr Schwerpunkt jetzt tiefer liegt als beim Voreigner.
Am Stand von Garmin habe ich gefragt, warum die Search-and-Rescue-Versicherung für Einwohner Deutschlands gestrichen wurde. Sie könnte nicht nur ein Leben retten, sondern einem auch lebenslange Rechnungen für die Rettung eben dieses Lebens ersparen. Eine Antwort darauf hatten sie nicht. Dafür aber die Nummer des Supports.
Unter den Start-ups ist mir eine Erfindung aus Wischmopp, Gasdruckfeder und Halterung für eine Schleifmaschine im Gedächtnis geblieben. Das Set kostete rund dreihundert Euro. Ich habe den Jungs viel Glück gewünscht. Viel mehr beeindruckt hat mich das Open Boat Project. Die Leute entwickeln Hard- und Software für Yachten und stellen alle Schaltpläne frei zur Verfügung. Eine komplette Navigationsausstattung kannst du selbst zusammenbauen und drucken.
Dinge, die mich nicht loslassen
Der Bootshaken HOOK and MOOR, mit dem man eine Festmacherleine in einer Sekunde durch einen Ring fädelt, hat mich so beschäftigt, dass ich fast die ganze Rückfahrt aus Düsseldorf seinen Mechanismus im Kopf durchgespielt habe, um ihn für den 3D-Drucker nachzukonstruieren.
Dann gab es noch einen Universalkleber, der Kunststoff, Holz, Gummi, Papier und Metall verbindet. Laut Beschreibung geht eher das Bauteil selbst kaputt als die Klebenaht. Ich bekam die leise Sorge, dass ein umgekipptes Döschen davon Folgen haben könnte, die in keinem Verhältnis zum Anlass stehen.
Und dann war da noch ein unglaublich schöner Kanonenofen von Tiny Stove. So schön, dass ich länger als geplant vor dem Stand stand und nach Preis, Einbau und Wartung fragte. Vielleicht macht er eines Tages tatsächlich die kalten, klammen Abende an Bord meiner Yacht gemütlicher.
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