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Die Passage

Reise nach Bornholm. Teil 3. Barhöft – Rønne

Planung
23. April 2024. Zum Frühstück gab es vier Eier, Jamón, Gemüse, zwei Brötchen und Kaffee. Alles für 10 Euro im Café an der Marina. Ich setzte mich mit dem Handy hin und begann, die Passage zu planen.

Kurs Nordost, Richtung Rønne. Falls etwas schiefgeht, bleibt nur, vor Rügen zu ankern. Unterwegs liegen mehrere Windparks. Ich beschloss, sie im Norden zu umfahren, das ist sicherer.

Shipping Forecast
, 23.04.2025, 10:11 UTC
No warnings
Southern Baltic: light and variable winds, later northeast 4–5, at times misty with fog patches, sea later 1 meter.


Windy zeigte für die erste Tageshälfte schwachen Halbwind mit 5–8 Knoten. Danach Flaute unter einem festsitzenden Hoch. Bis Rønne rund 75 Seemeilen. Um sie in weniger als 20 Stunden zu schaffen, musste der Motor fast die ganze Zeit laufen.

Ablegen
Seit ich auf Grund gelaufen war, passte ich extrem auf. Ich hielt mich die ganze Zeit in der Mitte des Fahrwassers. Die GPS-Geschwindigkeit erreichte 6 Knoten – ein Zeichen für Strömung, wie sie in der Ostsee selten ist. So etwas erlebe ich erst zum zweiten Mal, das erste Mal war bei Fehmarn.

Bald tauchte eine graue Nebelwand auf. Ausweichen ging nicht – ich fuhr hinein, und der Nebel schloss sich allmählich von allen Seiten. Der Wind schlief endgültig ein. Wäre da nicht eine leichte Dünung gewesen, die von irgendwo weit her heranrollte, hätte die See wie ein Spiegel gewirkt. Drei solche Abschnitte gab es. In jedem war ich zwei Stunden unterwegs.

Etwa auf halber Strecke drehte die Strömung gegen mich. Die GPS-Geschwindigkeit fiel auf vier Knoten, die Logge zeigte weiter 4,9. Mit gesetzten Segeln konnte ich das ein wenig ausgleichen.

Die Drohne
In einer der nebligen Flauten beschloss ich, meine alte DJI Mini SE aufsteigen zu lassen. Ich wollte ein paar Aufnahmen mit gesetzten Segeln inmitten endlosen Wassers. Alles lief nach Plan, bis die Drohne sich plötzlich nicht mehr bewegte. Kamera und Drehung ließen sich noch steuern, aber die Drohne selbst stand wie festgenagelt in der Luft. Das Boot fuhr weiter, sie blieb zurück. Die Verbindung zum Handy wurde schwächer, der Akku leerte sich. Noch 15 Minuten Flugzeit. Panik.

Ich fierte die Schoten auf, startete den Motor und drehte das Boot um. Anhand des Kamerabilds auf dem Display orientierte ich mich, wo sie war. Ich musste vorsichtig heranfahren, um sie nicht mit Mast oder Achterstag zu erwischen. Ich legte den Rückwärtsgang ein und kam näher. Packte sie am Gehäuse.

Die Drohne zappelte in meiner Hand und wollte sich losreißen. Mit einer Hand drückte ich die Sticks nach unten, mit der anderen hielt ich sie fest. Die Rotoren erwischten ein paar Mal meine Finger, Blut spritzte übers Cockpit. Ich klebte Pflaster drauf, desinfizierte mit Alkohol, schaltete die Drohne aus und legte sie vorsichtig zusammen. Aufnahmen im Kasten, Hände zittern.

Die Passage
Die Windräder auf See waren beeindruckend. Im Nebel wirkten sie unwirklich hoch, fast außerirdisch. Ich genoss den Sonnenuntergang, packte mich in sieben Schichten Kleidung und ging in den Intervallschlaf. Bis Rønne würde es noch bis tief in die Nacht dauern, ich musste mich ausruhen.

Gegen Mitternacht wachte ich auf. Auf dem AIS zogen Containerschiffe vorbei. Im Dunkeln fand ich die Hafeneinfahrt – Orientierung gaben zwei grüne Lichter. Stockfinster, Steine in der Nähe. Die Einfahrt war verwinkelt und nicht gerade freundlich, aber ich kam durch. Eine Alternative hatte ich ohnehin nicht.

Fazit
Zurückgelegt 76 Seemeilen in 16 Stunden. 15 Liter Diesel verbraucht.

#Passage
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