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Notizen

Windparade zur Kieler Woche

Sieht so aus, als hätten Grigori, Sergei und ich eine neue Tradition. Am 28. Juni ging es wieder mit der „Meerbär“ hinaus. Schon das zweite Jahr in Folge sind wir bei der Windjammerparade dabei – der Parade der Großsegler zur Kieler Woche, dem wichtigsten maritimen Fest Deutschlands.

Die Kieler Woche begann schon 1882 als Regatta kaiserlicher Yachten und vereint heute Segelwoche, Straßenfest, internationale Show und offenen Marinehafen. Dutzende Länder, Hunderte Boote, Drohnen, Marine, Feiern – in dieser Juniwoche wird die Stadt zur maritimen Hauptstadt.

Die Windjammerparade findet am Samstag statt, kurz vor dem Ende des Festes. Im Konvoi fahren Großsegler ebenso mit wie private Boote wie unseres. Die Teilnahme ist frei: rausfahren, Abstand halten, nicht im Weg sein. Funk solltest du besser mithören, denn im Konvoi gerät man leicht in den Schatten einer Fregatte.

Wir liefen gegen 11 aus. Wind um 24–28 Knoten. Die „Meerbär“ @morskoymedved lief souverän, bis zu sechs Knoten schnell. Wir hielten auf den roten Leuchtturm zu, der am Horizont am Ausgang der Förde steht. Ein Meter Welle reichte, um zu spüren, wie der Rumpf arbeitet und die Handläufe zur Verlängerung der eigenen Hand werden. Für einen Snack blieb keine Zeit.

Die Sonne trügt: Sie scheint, wärmt aber nicht, und erst am Abend merkst du, dass deine Haut die Farbe des Abendrots angenommen hat. Sonnencreme, Brille, Kappe, Jacke sind Pflicht. Alles, was an Land übertrieben wirkt, wird auf dem Wasser zur Rettung.

Kein Boot? Kein Problem. Für die alten Schiffe kann man Tickets kaufen, und vom Ufer aus schaut man bequem von Laboe oder Friedrichsort zu. Dort wirkt alles wie maritimes Theater: Die Großsegler fahren fast auf gleicher Höhe, schaukeln, drehen, und du schaust zu, als wäre es die Probe für eine Szene über den Aufbruch einer Arktisexpedition.

Am Leuchtturm hatte Grigori wie immer die passende Geschichte parat.

– Den Leuchtturm hat man in den 60ern gebaut. Hier hatten Lotsen Dienst und empfingen die Schiffe. Beim Sturm 2023 wurde das Fundament beschädigt. Jetzt arbeiten die Lotsen von Land aus.
– Und?
– Statt fünf Minuten bis zum Schiff jetzt eine volle halbe Stunde. Und reparieren geht nicht: Es gibt keine Fachleute. Deutschland kann so etwas nicht mehr bauen.

Auf dem Rückweg, wo sich die Förde bei Friedrichsort verengt, gerieten wir in ein unerwartetes Dreieck: auf der einen Seite eine Sportyacht, auf der anderen das historische Ausflugsschiff Lisa von Lübeck. Dazwischen nur ein paar Meter. Grigori nahm die Segel weg, um beide durchzulassen. Und da fing auf der Lisa jemand an, uns auf Deutsch anzubrüllen. Die Worte gingen an mir vorbei, die Botschaft aber war klar. Offenbar legte er die KVR aus wie Lyrik – ziemlich frei.

Gegen drei lagen wir fest. Rund 25 Seemeilen hinter uns, ein bisschen nass, mit salzigen Fingern und leicht angebrannt – aber rundum zufrieden. Wie im letzten Jahr. Vielleicht auch im nächsten. Gesprächsstoff für den Rest des Abends hatten wir genug.

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