Jede Saison auf der Yacht hinterlässt Spuren. Manchmal sind es Erinnerungen, manchmal Kratzer und manchmal die klare Erkenntnis, dass das Boot das ganze Jahr geduldig auf meine Aufmerksamkeit gewartet und eine lange Mängelliste angesammelt hat. Farbe, die nicht gehalten hat. Teile, die schon im Frühjahr ausgetauscht werden wollten. Kleinigkeiten, die im ungünstigsten Moment beinahe zu Problemen geworden wären.
Jetzt ist der richtige Moment, das alles an einem Ort zu sammeln. Pläne, die auf Passagen entstanden sind, bei Seegang, im Regen und manchmal in leichter Gereiztheit. Zeit, an die Geschichte vom WC zu erinnern, das beinahe mitsamt Konstantin abgehoben wäre. Etwas später geht es um die Logge, die in die Tropen auswandern wollte. Und gegen Ende wird klar, wofür diese ganze Liste überhaupt da ist.
Der Winter wird wieder zur Planungssaison. Pläne sind bekanntlich die ehrlichste Form der Selbsttäuschung. Aber ohne sie wird Segeln schnell zum Überleben statt zur Reise.
Rumpf
Die frische Farbe entlang der Wasserlinie ist in einer Saison bewachsen und stellenweise abgeblättert. Die Erfahrung zeigt, dass Einkomponentenlösungen hier schlecht funktionieren. Deshalb wird der Bereich 2026 komplett abgeschliffen und mit einem Zweikomponentensystem neu gestrichen. Nicht der Schönheit wegen, sondern für eine haltbare Beschichtung und meine Ruhe.
Alle Kratzer und kleinen Schäden am Rumpf aus dem Sommer werden angeschliffen, mit Epoxidspachtel ausgeglichen, grundiert und lackiert. Sollen ruhig alle glauben, dass mir beim Anlegen nie Fehler passieren.
Ein Kapitel für sich ist der Propeller. Die Beschichtung Hempel Silic One ist komplett abgegangen. Schon wieder. Inzwischen erwarte ich das, aber jedes Mal bleibt das Gefühl, dass es diesmal hätte klappen müssen. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Propeller andere Speziallösungen braucht – oder regelmäßiges Putzen und die Einsicht, dass es eben so ist.
Die Wellenanode wird ohne Diskussion getauscht. An genau dieses Teil denkt man zu spät, meist erst zusammen mit deutlich teureren Bauteilen.
Die Logge ist in einer Saison so zugewachsen, als wollte sie in den Tropen überwintern. Ich will sie ausbauen, die Seepocken in Essig ablösen und sie im Frühjahr mit einer dünnen Schicht Spezialfarbe für Geber wieder einsetzen. Die Kontakte bleiben natürlich sauber. Es gibt die zarte Hoffnung, dass sie diesmal bis zum Saisonende durchhält.
Die Fuge zwischen Kiel und Rumpf wird gesäubert, mit Korrosionsschutz und Rostumwandler behandelt und dann mit elastischem Sikaflex 291i gefüllt. Ohne Epoxid darüber, denn Mikrobewegungen des Kiels sind unvermeidlich und machen früher oder später jeden starren Schutz kaputt.
Eines der Seeventile tausche ich gegen ein Kunststoffventil. Auch, um zu lernen, wie das geht. Vielleicht komme ich nächstes Jahr auch an die anderen. Die Wellendichtung wird ebenfalls getauscht, denn aus ihr läuft schon ein stetiger Wasserstrahl, der andeutet, dass es Zeit wird, tauchen zu lernen. Das Unterwasserschiff wird komplett geschliffen und bekommt eine neue Schicht Antifouling, mit besonderem Augenmerk auf die Unterseite des Kiels. Wo nötig, erneuere ich die Epoxidgrundierung.
Außen
An Deck werden die abgenutzten Stellen der Beschichtung ausgebessert. Die Dichtungen der Fenster bekommen eine neue Schicht Sikaflex 295 UV, die Scheiben selbst werde ich polieren.
Die Seereling will ich komplett erneuern und dabei die Relingsstützen prüfen. Die kaputten Scharniere der Luke wandern in die Geschichtsbücher, der neue Cockpitdeckel bekommt Führungen. Die weichen Fenster der Sprayhood weichen festem Acryl. Das fehlt mir sehr für die Sicht bei Regen, Kälte und grauem Nordwetter.
Für mehr Komfort im Cockpit nähe ich gepolsterte Überzüge für die Seereling. Außerdem montiere ich ein robustes Motorrad-Tablet von AliExpress als Reserve-Kartenplotter. Manchmal sehen die zähesten Lösungen genau so aus.
(Fortsetzung unten)
#Pläne
(Fortsetzung der Pläne für 2026)
Innen
Ich will einen Navtex-Empfänger einbauen, um Wetterberichte und nautische Warnungen zu empfangen. Auf Offshore-Passagen fühlen sich solche Meldungen anders an, und Handyempfang gibt es auch nicht immer.
In den Lautsprecher kommt ein Widerstand, damit er leiser wird. Das Radio schließe ich über den Hauptschalter an, damit es nachts nicht die Batterien leersaugt. Das WC schraube ich endlich am Boden fest. Im Sommer wäre es fast mitsamt Konstantin abgehoben, der es sich bei ordentlichem Seegang darauf bequem gemacht hatte. Das Boot hat damals klar zu verstehen gegeben, dass es das nicht noch einmal will.
Die Abflüsse von WC und Waschbecken führe ich zu einer Leitung mit einem ordentlichen Belüftungsbogen gegen Rücksaugen zusammen. Diese Lösung sieht man nicht, aber ihr Fehlen merkt man sofort und äußerst unangenehm.
Die fünfte Koje unter dem Kartentisch baue ich wahrscheinlich aus und mache ein Staufach daraus. An Bord ist mehr Zeug, als mir lieb ist, und fünf Leute auf einem neun Meter langen Boot haben es enger, als es an Land klingt.
Ein eigener Kasten für das Elektropanel bringt alle Sicherungen an einen Ort. Die Falttür im Salon wird restauriert und bekommt neue Rollen und Magnete. Die hölzernen Kojenbretter kommen wieder an ihren Platz, die Oberflächen werden geölt, die restlichen Lampen gegen LEDs getauscht.
Ankergeschirr
Wo die Marinas aufhören, fängt das echte Ankern an
Ich will eine Bugsprietplattform mit Ankerrolle und einem 16 Kilogramm schweren CQR-Anker montieren. In der Vorpiek entsteht ein richtiger Ankerkasten mit Ablauf nach außen über der Wasserlinie.
Da es keinen originalen Deckel für die Vorpiek gibt, baue ich einen Schwanenhals ein, damit sich die Kette bequem einholen lässt. Auf die Ankerleine kommen alle zehn Meter Kunststoffmarkierungen.
Mast und Segel
Geplant ist ein gebrauchter Gennaker mit Bergeschlauch, gefahren am Bugspriet. Das stehende Gut – Wanten und Stagen – wird komplett erneuert; vorher halte ich die Maße fest und prüfe die Püttinge gründlich.
Das Großsegel lässt sich über der halben Masthöhe nur schwer hochziehen. Die Ursache muss gefunden und beseitigt werden – ob verschmutzte Nut, verschlissene Rutscher oder einfach das Alter.
Der Windex hakt weiterhin. Wahrscheinlich liegt es an der Schmierung und an der falschen Stellung des Anschlags.
Eine eigene Aufgabe bleibt die Suche nach der Stelle, an der Wasser am Mast entlang ins Schiff läuft. Die Furlex wird zerlegt, gereinigt und geschmiert, und die Reffleine wird so geführt, dass sie sich nicht mehr mit den Schoten verheddert und ihr eigenes Leben führt.
Programmieren
Ein paar Zahlen zwischen Salz und Wind
Ich will einen Bot schreiben, der mich über den Shipping Forecast und Wetterwarnungen benachrichtigt, und dazu einen Dienst, der eine Karte mit den Schiffspositionen nach AIS schickt. Es ist praktisch zu wissen, wo Freunde und Nachbarn auf See gerade sind.
Reisen
Dafür das Ganze
Im Januar will ich zur Düsseldorf Boat Show, Erik Aanderaa persönlich kennenlernen und die Leute von Epifanes mit meinen Fragen löchern. Im Sommer steht eine große Offshore-Passage von Deutschland nach Norwegen über die Nordsee an, zurück über die Ostsee, einmal komplett um Jütland herum.
Ich will endlich das Angeln auf See lernen und den ersten Fisch seit zwanzig Jahren fangen. Ich will öfter vor Anker liegen statt in Marinas, das Fliegen mit einer FPV-Drohne lernen und das Wasser aus der Luft filmen. Kiel wird ein festes Zuhause – nicht nur für mich, sondern auch für das Boot.
Statt eines Schlussworts
Ich weiß nicht, was davon ich wirklich vollständig schaffe. Die Praxis zeigt, dass Pläne an Bord ständig von Wetter, Müdigkeit und unerwarteten Entdeckungen unter den Bodenbrettern korrigiert werden. Aber schon die Liste selbst gibt der Saison einen Sinn.
Ein Boot verzeiht vieles, wenn man sich verantwortungsvoll und rechtzeitig um es kümmert.
#Pläne
Jetzt ist der richtige Moment, das alles an einem Ort zu sammeln. Pläne, die auf Passagen entstanden sind, bei Seegang, im Regen und manchmal in leichter Gereiztheit. Zeit, an die Geschichte vom WC zu erinnern, das beinahe mitsamt Konstantin abgehoben wäre. Etwas später geht es um die Logge, die in die Tropen auswandern wollte. Und gegen Ende wird klar, wofür diese ganze Liste überhaupt da ist.
Der Winter wird wieder zur Planungssaison. Pläne sind bekanntlich die ehrlichste Form der Selbsttäuschung. Aber ohne sie wird Segeln schnell zum Überleben statt zur Reise.
Rumpf
Die frische Farbe entlang der Wasserlinie ist in einer Saison bewachsen und stellenweise abgeblättert. Die Erfahrung zeigt, dass Einkomponentenlösungen hier schlecht funktionieren. Deshalb wird der Bereich 2026 komplett abgeschliffen und mit einem Zweikomponentensystem neu gestrichen. Nicht der Schönheit wegen, sondern für eine haltbare Beschichtung und meine Ruhe.
Alle Kratzer und kleinen Schäden am Rumpf aus dem Sommer werden angeschliffen, mit Epoxidspachtel ausgeglichen, grundiert und lackiert. Sollen ruhig alle glauben, dass mir beim Anlegen nie Fehler passieren.
Ein Kapitel für sich ist der Propeller. Die Beschichtung Hempel Silic One ist komplett abgegangen. Schon wieder. Inzwischen erwarte ich das, aber jedes Mal bleibt das Gefühl, dass es diesmal hätte klappen müssen. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Propeller andere Speziallösungen braucht – oder regelmäßiges Putzen und die Einsicht, dass es eben so ist.
Die Wellenanode wird ohne Diskussion getauscht. An genau dieses Teil denkt man zu spät, meist erst zusammen mit deutlich teureren Bauteilen.
Die Logge ist in einer Saison so zugewachsen, als wollte sie in den Tropen überwintern. Ich will sie ausbauen, die Seepocken in Essig ablösen und sie im Frühjahr mit einer dünnen Schicht Spezialfarbe für Geber wieder einsetzen. Die Kontakte bleiben natürlich sauber. Es gibt die zarte Hoffnung, dass sie diesmal bis zum Saisonende durchhält.
Die Fuge zwischen Kiel und Rumpf wird gesäubert, mit Korrosionsschutz und Rostumwandler behandelt und dann mit elastischem Sikaflex 291i gefüllt. Ohne Epoxid darüber, denn Mikrobewegungen des Kiels sind unvermeidlich und machen früher oder später jeden starren Schutz kaputt.
Eines der Seeventile tausche ich gegen ein Kunststoffventil. Auch, um zu lernen, wie das geht. Vielleicht komme ich nächstes Jahr auch an die anderen. Die Wellendichtung wird ebenfalls getauscht, denn aus ihr läuft schon ein stetiger Wasserstrahl, der andeutet, dass es Zeit wird, tauchen zu lernen. Das Unterwasserschiff wird komplett geschliffen und bekommt eine neue Schicht Antifouling, mit besonderem Augenmerk auf die Unterseite des Kiels. Wo nötig, erneuere ich die Epoxidgrundierung.
Außen
An Deck werden die abgenutzten Stellen der Beschichtung ausgebessert. Die Dichtungen der Fenster bekommen eine neue Schicht Sikaflex 295 UV, die Scheiben selbst werde ich polieren.
Die Seereling will ich komplett erneuern und dabei die Relingsstützen prüfen. Die kaputten Scharniere der Luke wandern in die Geschichtsbücher, der neue Cockpitdeckel bekommt Führungen. Die weichen Fenster der Sprayhood weichen festem Acryl. Das fehlt mir sehr für die Sicht bei Regen, Kälte und grauem Nordwetter.
Für mehr Komfort im Cockpit nähe ich gepolsterte Überzüge für die Seereling. Außerdem montiere ich ein robustes Motorrad-Tablet von AliExpress als Reserve-Kartenplotter. Manchmal sehen die zähesten Lösungen genau so aus.
(Fortsetzung unten)
#Pläne
(Fortsetzung der Pläne für 2026)
Innen
Ich will einen Navtex-Empfänger einbauen, um Wetterberichte und nautische Warnungen zu empfangen. Auf Offshore-Passagen fühlen sich solche Meldungen anders an, und Handyempfang gibt es auch nicht immer.
In den Lautsprecher kommt ein Widerstand, damit er leiser wird. Das Radio schließe ich über den Hauptschalter an, damit es nachts nicht die Batterien leersaugt. Das WC schraube ich endlich am Boden fest. Im Sommer wäre es fast mitsamt Konstantin abgehoben, der es sich bei ordentlichem Seegang darauf bequem gemacht hatte. Das Boot hat damals klar zu verstehen gegeben, dass es das nicht noch einmal will.
Die Abflüsse von WC und Waschbecken führe ich zu einer Leitung mit einem ordentlichen Belüftungsbogen gegen Rücksaugen zusammen. Diese Lösung sieht man nicht, aber ihr Fehlen merkt man sofort und äußerst unangenehm.
Die fünfte Koje unter dem Kartentisch baue ich wahrscheinlich aus und mache ein Staufach daraus. An Bord ist mehr Zeug, als mir lieb ist, und fünf Leute auf einem neun Meter langen Boot haben es enger, als es an Land klingt.
Ein eigener Kasten für das Elektropanel bringt alle Sicherungen an einen Ort. Die Falttür im Salon wird restauriert und bekommt neue Rollen und Magnete. Die hölzernen Kojenbretter kommen wieder an ihren Platz, die Oberflächen werden geölt, die restlichen Lampen gegen LEDs getauscht.
Ankergeschirr
Wo die Marinas aufhören, fängt das echte Ankern an
Ich will eine Bugsprietplattform mit Ankerrolle und einem 16 Kilogramm schweren CQR-Anker montieren. In der Vorpiek entsteht ein richtiger Ankerkasten mit Ablauf nach außen über der Wasserlinie.
Da es keinen originalen Deckel für die Vorpiek gibt, baue ich einen Schwanenhals ein, damit sich die Kette bequem einholen lässt. Auf die Ankerleine kommen alle zehn Meter Kunststoffmarkierungen.
Mast und Segel
Geplant ist ein gebrauchter Gennaker mit Bergeschlauch, gefahren am Bugspriet. Das stehende Gut – Wanten und Stagen – wird komplett erneuert; vorher halte ich die Maße fest und prüfe die Püttinge gründlich.
Das Großsegel lässt sich über der halben Masthöhe nur schwer hochziehen. Die Ursache muss gefunden und beseitigt werden – ob verschmutzte Nut, verschlissene Rutscher oder einfach das Alter.
Der Windex hakt weiterhin. Wahrscheinlich liegt es an der Schmierung und an der falschen Stellung des Anschlags.
Eine eigene Aufgabe bleibt die Suche nach der Stelle, an der Wasser am Mast entlang ins Schiff läuft. Die Furlex wird zerlegt, gereinigt und geschmiert, und die Reffleine wird so geführt, dass sie sich nicht mehr mit den Schoten verheddert und ihr eigenes Leben führt.
Programmieren
Ein paar Zahlen zwischen Salz und Wind
Ich will einen Bot schreiben, der mich über den Shipping Forecast und Wetterwarnungen benachrichtigt, und dazu einen Dienst, der eine Karte mit den Schiffspositionen nach AIS schickt. Es ist praktisch zu wissen, wo Freunde und Nachbarn auf See gerade sind.
Reisen
Dafür das Ganze
Im Januar will ich zur Düsseldorf Boat Show, Erik Aanderaa persönlich kennenlernen und die Leute von Epifanes mit meinen Fragen löchern. Im Sommer steht eine große Offshore-Passage von Deutschland nach Norwegen über die Nordsee an, zurück über die Ostsee, einmal komplett um Jütland herum.
Ich will endlich das Angeln auf See lernen und den ersten Fisch seit zwanzig Jahren fangen. Ich will öfter vor Anker liegen statt in Marinas, das Fliegen mit einer FPV-Drohne lernen und das Wasser aus der Luft filmen. Kiel wird ein festes Zuhause – nicht nur für mich, sondern auch für das Boot.
Statt eines Schlussworts
Ich weiß nicht, was davon ich wirklich vollständig schaffe. Die Praxis zeigt, dass Pläne an Bord ständig von Wetter, Müdigkeit und unerwarteten Entdeckungen unter den Bodenbrettern korrigiert werden. Aber schon die Liste selbst gibt der Saison einen Sinn.
Ein Boot verzeiht vieles, wenn man sich verantwortungsvoll und rechtzeitig um es kümmert.
#Pläne
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